Reinhard Grasse liegt das Schauspielen im Blut. Deshalb war es für ihn und seinen Heimatverein auch keine Frage, sich für Nachtwächterführungen in Höchstadt ins historische Gewand zu werfen. Nun will er Kinder, ebenso wie Erwachsene, durch die Straßen begleiten, um ihnen die bewegte Geschichte der Stadt näher zu bringen.

Initiiert hat die Aktion die Agentur "Karpfenland Travel". Über zehn Jahre agierte man dort ehrenamtlich, seit einiger Zeit gibt es ein eigenes Tourismusbüro, das Sandra Hammer und Helmut Dresel leiten. "Unser Ziel ist es, die Region mit touristischen Angeboten zu versorgen", sagte Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm (JL) gestern bei einer Pressekonferenz im Rathaus.

Er dankte dem Heimatverein für sein großartiges Engagement in diesem Bereich. Um aber die kommenden Aufgaben stemmen zu können, bildete die Agentur rund 30 Fremdenführer für den ganzen Aischgrund aus. "Das war nötig. Denn wenn die Entwicklung so weiter geht, kann der Heimatverein das alleine nicht mehr schaffen", so Brehm.

Der Karpfen müsse auch weiterhin das Zentrum des touristischen Angebots bleiben. Brehm schlägt vor, dass sich Teichwirte an die Agentur wenden sollen, um die positive Entwicklung weiter voran zu treiben. Es sei beispielsweise denkbar, dass sich Reisegruppen das Abfischen vor Ort ansehen können.

Eine einmalige Landschaft

Ergänzt werden müsse das Ganze durch ein kulinarisches Angebot. "Die 7000 Teiche der Region sind in dieser Form weltweit einzigartig", sagte Brehm. Zudem sei unter anderem mit Museen für eine vernünftige Infrastruktur gesorgt, "die es jetzt zu vermarkten gilt".

Für die Premiere der Nachtwächtertour in Höchstadt haben sich bereits 43 Menschen angemeldet. "Das ist bemerkenswert", sagt Sandra Hammer. Man habe sich Gedanken darüber gemacht, was Kinder in den Pfingstferien machen könnten und sei dabei auf diese Idee gekommen, da die Rundgänge mit dem Nachtwächter in Neustadt schon seit längerem sehr beliebt sind. Mit einer so großen Resonanz haben die Veranstalter für Höchstadt aber nicht gerechnet.

Reinhard Grasse startet am Marktbrunnen und beginnt seine Führung mit einer Enttäuschung für sein Publikum: Es hat nie einen Nachtwächter in Höchstadt gegeben. Allerdings einen Türmer, der ähnliche Aufgaben wahrgenommen hat. Welche genau, das erfahren die Teilnehmer während der Führung.

Geschichte wird lebendig

Gemeinsam mit sechs weiteren Schauspielern möchte Grasse die Geschichte Höchstadts lebendig werden lassen. "Die Teilnehmer treffen auf Graf Hermann im Schloss und auf den Geist Ritter von Spix', der von seiner Brasilien-Reise berichtet", sagt Grasse. Weitere Stationen sind der Engelgarten, das Kommunbrauhaus und die Kirche. Zum Abschluss geht es auf den Stadtturm - mit einem weiten Blick über die Stadt.

Etwas später starten die Touren von Mirjam Wellein, die zwar keine Schauspieler an ihrer Seite hat, aber dennoch keinen trockenen Geschichtsunterricht bieten will. Sie ist eine der ausgebildeten Fremdenführerinnen, ihre Führungen starten im Juli. Sie möchte den Teilnehmern Hintergründe liefern und zeigen, wie historische Ereignisse das Leben bis heute beeinflussen.