Ralf Rehder ist der Herr über ein kleines Reich am Nürnberger Christkindlesmarkt. Am Stand mit der Nummer 31 werden kleine Wünsche erfüllt.
In der vierten Generation ist die Familie auf dem Markt vertreten. Bereits die Urgroßmutter war aus Nürnberg und versorgte als Marktfrau die Bevölkerung. Ralf Rehder lebt in Herzogenauerach, steht aber mit seinem Stand Nummer 31 in Nürnberg auf dem Christkindlesmarkt immer am gleichen Platz. Es gibt dort Strohsterne, Christbaumschmuck, kleine Engel, Nußknacker, Räuchermännchen, Glasschmuck und Puppenkücheneinrichtungsgegenstände zu kaufen. "Der große Rauschgoldengel in der Mitte gehört zur Bude wie der Name und wird nicht verkauft", meint Rehder nur.

Auch wenn alles so heimelig aussieht, zuvor ist viel Arbeit nötig. Denn die Buden werden von der Stadt Nürnberg nur roh aufgestellt. "Wir haben drei Wände, das Dach und den Boden", beschreibt er die Situation, die er wie die anderen Marktbetreiber auch vorfindet. Den Rest, also alles, was den Christkindlesmarkt erst richtig liebenswert macht, müssen die Standbesitzer selber herrichten.

Dafür ist natürlich handwerkliches Geschick notwendig. Denn die Buden werden durch die Bank aufwendig dekoriert. Dazu sind rund zwei Wochen notwendig. Wer in den Tagen vor der Eröffnung des Christkindlesmarkts über den Marktplatz schlendert, kann hier und da durch Öffnungen in den Planen bereits einen vorweihnachtlichen Blick erhaschen.

Auch für die Familie Rehder bedeutet es, dass ihre "Schätze" schon einige Zeit vor der offiziellen Eröffnung in der Bude aufgereiht stehen. Bedenken hat Ralf Rehder dabei aber kaum, denn der Markt wird rund um die Uhr bewacht.

Täglich von 9.30 Uhr bis 20 Uhr, an den Freitagen und Samstagen sogar bis 22 Uhr, ist der Markt geöffnet und der Stand besetzt. Dabei ist es üblich, dass die ganze Familie mithilft. Schwiegervater, Kinder, Neffen, Schwager und Vater, es handelt sich um ein richtiges Familienunternehmen, anders ist der Arbeitsaufwand nicht zu stemmen.
Wie hält man es so lange aus, während es draußen kalt ist, regnet oder schneit? "Der Kontakt mit den Besuchern lässt es niemandem langweilig werden", erklärt Rehder. Außerdem würden kleine Öfen und schichtweise angelegte Klamotten gegen die Kälte schützen.

Japaner kaufen Miniaturen

Das Völkergemisch auf dem Christkindlesmarkt gleicht gelegentlich dem babylonischen Sprachengewirr. Aller Herren Länder sind vertreten. Zwar sind die Asiaten für Europäer schwer auseinander zu halten, aber Rehder hat sich schon ein wenig orientiert. Vor allem die Japaner kaufen bedingt durch den Transport eher kleine Holzminiaturen, die sie heil nach Hause bringen können.

Der Markt endet am 24. Dezember um 14 Uhr, und alle machen sich auf den Weg, um daheim Weihnachten mit der Familie feiern zu können. Aber zwischen Weihnachten und Neujahr werden die Buden weiterhin bewacht, bis die Standbetreiber ihren Stand geräumt haben. Bei der Familie Rehder geht das natürlich schneller als der Aufbau. Innerhalb eines Tages ist alles abgebaut, in Kisten und Schachteln verstaut und Richtung Heimat gefahren.
Der Verlauf ist heuer im normalen Bereich anzusiedeln, obwohl der Advent dieses Mal nur gut drei Wochen dauert. Der Idee, den Markt zu verlängern, kann Rehder nur wenig abgewinnen. "Nein, auf keinen Fall verlängern", ist seine Meinung dazu. "Was will ich als Weihnachtsartikelverkäufer zwischen Weihnachten und Neujahr oder gar Dreikönig auf dem Markt?", fragt er sich. Rehder befürchtet nur mehr Ärger und mehr Arbeit. Und wer kauft schon Weihnachtsartikel nach Weihnachten?

Was er sich wünscht, ist eher passendes Wetter, damit die Besucher richtig Laune bekommen, über den Markt zu flanieren und bei den Ständen einzukaufen. Dann wird auch die Zeit nicht lang.