Auf großes Interesse stieß die Ausstellungseröffnung mit Werken des Porträtzeichners, Plakatgestalters und Buchillustrators Michael Mathias Prechtl im Stadtmuseum. Die ausgestellten Werke stammen aus der Privatsammlung des Herzogenaurachers Bernd Wüstner und wurden durch Leihgaben des Amberger Stadtmuseums ergänzt.
Wüstner ist ein begeisterter Sammler der Werke von Prechtl, den er 2001 bei einer Kunstausstellung in Nürnberg persönlich kennenlernen durfte. "Bis dahin war mein Verständnis für Kunst und Malerei auf dem Niveau eines durchschnittlichen bayerischen Abiturienten", erzählte der Sammler bei der Eröffnung. Mit der Ausstellung im Rahmen der Herzogenauracher Kulturtage und in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Herzogenaurach lässt er die Besucher teilhaben an seiner Leidenschaft für einen Künstler, der als Querdenker geschätzt wurde.
Prechtl saß damals in Nürnberg ganz bescheiden und unscheinbar - laut Wüstner wirkte er geradezu gebrechlich - am Ausgang der Ausstellung und signierte auf Wunsch Illustrationen und Bücher. Der Künstler zog Wüstner nicht nur durch seine Grafiken und Illustrationen in seinen Bann, sondern auch durch seine Persönlichkeit. Der Sammler schilderte Prechtl, nachdem er sich mehr mit dessen Person beschäftigt hatte, als eigenwillig und provokant. Dies bestätigte auch Wolfgang Dersch, der Amberger Kulturreferent und Vorsitzender des Fördervereins Michael Mathias Prechtl, der ebenso wie Bernd Wüstner bei der Ausstellungseröffnung das künstlerische Schaffen, aber auch das Leben Prechtls beleuchtete.
Besonders fasziniert war Wüstner von der Maltechnik des Künstlers, und deswegen besucht er seit 2001 immer wieder Kunstausstellungen, nimmt sich dafür viel Zeit. "Meine Frau hat da immer ein Buch dabei, um längere Wartezeiten zu überbrücken", erzählte Wüstner schmunzelnd.
Der Tod von Prechtl 2003, von dem Wüstner aus einer Zeitungsnotiz erfuhr, steigerte sein Interesse an dessen Werken, und er konnte das im Jahr 1964 geschaffene Werk "Heilige Johanna der Schlachthöfe - Himmelfahrt" erwerben. Die Sammelleidenschaft war geweckt. Zu seinem Besitz gehören nicht nur zahlreiche Grafiken und Illustrationen, sondern auch einzigartige großformatige Plakate des Künstlers, die im Gewölbekeller des Museums zu sehen sind, sowie zehn Ausgaben des "Spiegels" aus den 80er und 90er Jahren. Prechtl zeichnete Porträts für die "New York Times" und die "Zeit". Etliche seiner berühmtesten Provokationen hat er sich für den "Spiegel" ausgedacht. Zehn Ausgaben sind im Besitz von Wüstner und es sollen entweder elf oder zwölf Ausgaben gewesen sein. "Ich bin noch auf der Suche, aber bis jetzt leider erfolglos", bedauerte Bernd Wüstner.
Eingangs begrüßte Bürgermeister German Hacker (SPD) die zahlreichen Vernissage-Besucher und erinnerte an den diesjährigen Titel der Kulturtage "schräg/strich...". "Das passt zu den Werken von Michael Mathias Prechtl", meinte Hacker mit Blick auf die ausgestellten Werke.
Michael Mathias Prechtl (1926 - 2003) ist international als überragender Zeichner, Grafiker und Illustrator bekannt. Prechtls Schaffen ist vielfältig. Es umfasst Holzschnitte, Lithografien und Radierungen, aber auch Malerei sowie Arbeiten für Film und Theater. Seine Gemälde und Grafiken sind in ihrem charakteristischen Stil unverwechselbar. Wie kaum ein anderer Künstler seiner Zeit befreite sich Prechtl von den geltenden Kunstströmungen und den Vorgaben der Galeristen. In Erinnerung blieb auch die vehement geführte Auseinandersetzung um die künstlerische Ausgestaltung des Alten Rathaussaales in Nürnberg. Der komplette Prechtl-Nachlass (Gemälde, Zeichnungen, Grafiken) ist seit Oktober 2015 als Dauerleihgabe an das Stadtmuseum Amberg gegangen. Deshalb wird dem bekanntesten Sohn der Stadt Amberg ein Dauerausstellungsbereich gewidmet.
Die Ausstellung im Herzogenauracher Stadtmuseum ist bis zum 5. November zu sehen. Öffnungszeiten: Donnerstag von 17 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr, an den Feiertagen 31. Oktober und 1. November ebenfalls von 14 bis 17 Uhr geöffnet