Sie haben Beschwerden. Rufen den Notarzt. Und warten. Warten. Warten. 15 Minuten. 20 Minuten. Und kein Arzt kommt. Keine Bange: So schlecht wie in dieser Horrorversion ist die aktuelle Notarztversorgung im Landkreis nicht.

Anton Schuster vom Kreisverband Erlangen-Höchstadt des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) hat aber "punktuelle Probleme" bei der Notarztversorgung festgestellt. "Man merkt deutlich, dass die Notarztversorgung in den ländlichen Regionen zunehmend schwieriger wird", berichtet er. "Auch die Krankenhäuser haben nicht mehr genügend Ärzte, die zur Verfügung stehen."

Doktor Frank Missel, der Gruppensprecher der Notzärzte für die Region Höchstadt, erklärt, dass das Höchstadter Krankenhaus tagsüber - von acht bis 16.30 Uhr - für die Notarztversorgung zuständig ist. "Die heutigen Notärzte müssen eine gewisse Vorbildung für die Einsätze mitbringen", erläutert er. Sie müssten zum Beispiel bestimmte Kurse besuchen und Arbeitszeiten in der Intensivstation nachweisen: "Der Erwerb der Qualifikation Notfallmedizin dauert mindestens zwei Jahre." Der Notärzte-Engpass im Höchstadter Krankenhaus ist entstanden, weil neue Assistenzärzte, die direkt von der Universität kommen, diese Qualifikationen oft noch nicht nachweisen können. Sie dürfen dann nicht als Notärzte eingesetzt werden.

Missel berichtet, dass es aus diesem Grund ein Abkommen mit der Erlanger Anästhesie gibt: "Sollte Höchstadt keinen Notarzt stellen können, macht das Erlangen."

Abends - also von 16.30 Uhr bis acht Uhr morgens -, an den Wochenenden und an Feiertagen ist das Krankenhaus dagegen nicht zuständig. Für diese Zeiten gibt es eine Notarztgruppe. Im Bereich Höchstadt besteht diese laut Missel im Moment aus ungefähr 20 Ärzten.

"Wir machen den Notarztdienst in unserer Freizeit."

Für die Ärzte im Krankenhaus sei der Einsatz dagegen dienstverpflichtend, erklärt er.

Die Dienstpläne der Notarztgruppe weisen immer mal wieder Lücken auf. Vor allem in den Ferienzeiten, zu Weihnachten und zu Ostern habe der Notarztplan Lücken, berichtet Anton Schuster. "Die können aber immer kurzfristig besetzt werden", beruhigt er. Das sieht auch Missel so: "Wenn es Lücke gibt, wird der Plan nochmal per Mail an die Ärzte verteilt und dann gefüllt." Höchstadt sei deshalb immer mit Notärzten versorgt.

Als Grund für den Mangel sieht Schuster die Einsätze im ländlichen Raum.

Diese sind im Gegensatz zur Stadt eher gering. Weniger Einsätze bedeuten auch weniger Geld, bestätigt Missel. "Nürnberg und Erlangen haben zum Beispiel keine Probleme, Notärzte zu finden", sagt Schuster. Dort gebe es aber auch mehr Einsätze. "In Nürnberg gibt es sogar eine Warteliste für die Teilnahme am Notarztdienst", weiß er.

Missel berichtet aber auch, dass in den größeren Städten die Notärzte oft gerufen werden, obwohl es sich eigentlich um einen Fall für einen Hausarzt handelt. "Im ländlichen Raum wird der Notarzt dagegen meist nur gerufen, wenn er wirklich gebraucht wird."

Der Arzt spricht von ungefähr ein bis zwei Einsätzen pro Tag in der Region. Dabei wären Unfälle die geringere Anzahl: "Die Masse sind eher Herzinfarkte, akute Bauchschmerzen oder Schlaganfälle."

Bei einem weiteren Problem - der Vergütung der Notärzte - haben sich laut Missel die Wogen wieder geglättet. "Es gab ein irre komplexes System der Bezahlung." Inzwischen habe sich die Situation aber wieder beruhigt. "Geld ist schön, ist aber nicht alles", erklärt er.

Sollte einmal der Fall eintreffen, dass der zuständige Notarzt bei einem Patienten ist, aber währenddessen ein zweiter Notruf eingeht, ist vorgesorgt: "Mit 75 Prozent Wahrscheinlichkeit kommt dann der Notarzt aus Herzogenaurach", erklärt Schuster. "Es kommt aber auch darauf an, wo der Einsatz ist. In Röttenbach oder Hemhofen würde wahrscheinlich eher der Notarzt aus Erlangen hinfahren."

Eine festgelegte Zeit, wann ein Notarzt beim Patienten eintreffen muss, ist gesetzlich nicht vorgeschrieben.

"Die gibt es nur für den Rettungseinsatz", sagt Schuster. Dieses sei das erste Notfallteam vor Ort und würde den Patienten versorgen.

Er gibt aber zu bedenken, dass "es vielleicht ungut ist, wenn gar keine Zeiten für die Notärzte vorgeschrieben sind." Als Beispiel nennt Schuster die Wiederbelebung eines Patienten. Diese führten die eintreffenden Rettungskräfte durchaus durch. Allerdings verzögere sich danach die Medikamentengabe - solange bis ein Notarzt eintrifft.

"Es gibt aber auch gewisse Kapazitätsgrenzen. Man kann nicht neben jeden Menschen einen Notarzt stellen", gibt Missel zu Bedenken. Vor allem jetzt im Winter hätten Notärzte zudem Probleme, schnell zum Einsatzort zu kommen. Der leitende Notarzt berichtet von einem Fall, in dem er statt der üblichen fünf Minuten ganze 20 nach Weisendorf benötigte. Der Grund waren sehr schlechte Straßenverhältnisse. "Es ist nicht wichtig, wie schnell wir Notärzte kommen, sondern dass wir ankommen", erklärt er.

Für die Zukunft gib es laut Missel Bestrebungen, das ungleiche Verhältnis zwischen Stadt und Land zu ändern.

Notärzte, die sich in entlegeneren Gebieten für Einsätze bereithalten, sollen dafür dementsprechend honoriert werden. Denn: "Auch auf dem Land hat die Bevölkerung das Recht, dass schnell ein Notarzt kommt", erklärt Missel.