"...wolltest du nicht ein Sommerhäuschen bauen?" Schlossführerin Angela Nusser vermittelt die geschichtlichen Fakten über die Entstehung von Schloss Weißenstein auf sehr unterhaltsame Weise.

Die Habsburger in Wien hätten dem Erbauer, Lothar Franz von Schönborn, nahe gelegt, dass nach dem Tode von Kaiser Joseph I. ihr Sohn Karl zum Kaiser gewählt werden sollte. Der Mainzer Kurfürst und Bamberger Fürstbischof Lothar Franz von Schönborns war zuständig für die Wahl. Er sei der "Kaisermacher" gewesen und die Habsburger hätten das gewusst.

Seine "Treue" wurde von Schönborn mit 150 000 Gulden vergoldet. Sein "Bauwurmb" war bekannt und nun hatte er "einen Haufen Geld", mit dem der einen Traum verwirklichen konnte: Eine dreiflügelige Schlossanlage, denn das war Anfang des 18. Jahrhunderts das Nonplusultra.

Barocker Prachtbau

Das "Sommerhäuschen" wurde schließlich der barocke Prachtbau, der heute Gäste, Touristen und Kunstexperten aus aller Welt anzieht und fasziniert. Um mit dem Erbauer zu sprechen: "... undt will erweisen, dass man auch hier zu landt was hübsch machen kann".

Die Sonderführung an diesem Samstagnachmittag ist ein architektonischer Rundgang, denn selbst für Kenner gibt es noch verborgene Schätze zu entdecken.

"Das alte Truchsess-Schloss im Dorf, das Lothar Franz in Pommersfelden geerbt hatte, stand auf sumpfigem Gelände, die Mauern ruinös", erzählt die Führerin. Also sollte das neue Schloss auf der Anhöhe stehen. Es sei nie eine Wohnresidenz gewesen, sondern ein Sommerhaus, "ein maison de plaisir", wo man Gäste empfing oder nach der Jagd zusammenkam. Entsprechend repräsentativ musste es sein.

Angela Nusser führt die Gruppe vom einstigen Küchenhof (der ehemaligen Gaststätte) "hinunter" in den Wirtschaftsbereich. Ein völlig abgeschotteter Ort. So, dass man von keinem Fenster des Schlosses das Reich der Dienstboten sehen konnte. Stallungen waren hier, noch zeugen die Bogenöffnungen und die Rampe davon, und eine Käserei. Von vorne, vom Ehrenhof aus, war die schöne Seite des Marstalls zu sehen, auf der Rückseite habe man sich künstlerisch wenig Mühe gegeben.

Durch den ursprünglichen Haupteingang, denn der war von der Allee aus, geht die Gruppe hinaus vors Tor in die tiefer liegende Orangerie. Und - oh Wunder - sie dient heute wie damals als Palmenhaus. Viele Orangenbäume und andere exotische Pflanzen habe der Fürstbischof gehalten. Sie über den Winter zu bringen, brauchte es ein beheizbares helles Gebäude. Heute stehen dicht gedrängt die Palmen darin, die sommers den Ehrenhof schmücken.

Fußbodenheizung im Palmenhaus

Eine Art Fußbodenheizung entlang der großen nach Süden ausgerichteten Fenster im Palmenhaus würde auch heute noch funktionieren.

Das Palmenhaus hat Baumeister Balthasar Neumann konzipiert, errichtet wurde es etwa 1740, also um einiges später als das 1711 begonnene Schloss, das nach Plänen von Johann Dientzenhofer gebaut wurde.

Schade, dass die Gartenseite des Schlosses derzeit eingerüstet ist. Zu amüsant sind die Geschichten, die Angela Nusser zu erzählen wusste: Dass der Garten der Bereich der leichteren Musen war. Die Figuren von Hades und Proserpina, von Apollo und Daphne am "Haus des Bischofs" samt den dazu gehörigen amourösen Geschichten lassen Schmunzeln.

Der heute englische Landschaftsgarten war ursprünglich als barocker Garten angelegt. "Es war eine Inszenierung. Wie ein bunter Teppich war er vor dem Schloss ausgebreitet", sagt Angela Nusser. Blickfang sollte eine riesige Kaskade sein. Weil jedoch das Wasser fehlte, habe es in dieser Perfektion nie geklappt.
Zurück im Ehrenhof wird es wieder ernster. Das Schloss sei symmetrisch angelegt. Schloss und Marstall, bilden nach den Worten der Schlossführerin "ein Miteinander-Gegeneinander".

Der Marstall sei die Antwort auf das Schlossgebäude. Welches der Gebäude im Ehrenhof das Sagen hat, könnte man leicht an den Säulen ablesen. Am Hauptgebäude wird nach Nussers Worten "alles aufgefahren, was die Säulenordnung hergibt".

Dann steht die Gruppe vor dem Haupteingang des Schlosses. Noch auf den Stufen, blickt Götterbote Merkur auf unsere Häupter herab, den goldenen Friedensstab in der Rechten. "Der Besucher durchschritt ein moralisches Portal", erklärt Nusser. Rechts empfangen ihn Allegorien von Wahrheit und Treue. Links sind es Gerechtigkeit und Frieden.

Nur schade, dass das berühmte Treppenhaus gerade komplett eingerüstet ist. Die Fantasie der Besucher ist gefragt: Oben an der Brüstung stehend, soll der Hausherr in der lichtdurchfluteten Eingangshalle seine Gäste empfangen haben.

Die nächste Architekturführung findet am Samstag, 7. Juni, um 14.30 Uhr statt.