Philipp Weißmann hat mit 17 Jahren Höchstadt verlassen. Als junger Kerl geht er nach Lichtenfels auf die Berufsfachschule - er will Informatiker werden, ein Computerexperte, der sich in der Welt des binären Codes wohlfühlt. Und nun ist er 29 Jahre alt, wohnt zur Zeit in Nürnberg und kehrt wieder in seine Geburtsstadt zurück: Am Freitag, 14. Dezember, tritt er beim zweiten Poetry Slam in der Höchstadter Kulturfabrik Fortuna auf. Poetry Slam, das ist die Form des Vortrags, bei der man allein auf der Bühne seinen Text möglichst originell dem Publikum präsentiert. Schnell, gebrüllt, leise, langsam, dramatisch oder lässig bis zur Schwelle der Arroganz. Unterhaltsam sollte es sein.

Über den digitalen Einkaufszettel

Philipp Weißmann jedenfalls ist unterhaltsam, das hat er schon ein paar Mal auf der Bühne beim Theater bewiesen - auch in Höchstadt. Wie er zu seinen tollen Geschichten kommt? Man muss ihn nur mal beim Einkaufen im Discounter begleiten. Ihn dabei beobachten, wie er das iPhone zückt - und das Ganze dann erklärt, während er über seine Brille auf das Display schaut: "Meine Freundin hat mir den Einkaufszettel geschickt."

Der leidenschaftliche Hobbykoch Weißmann macht inzwischen an der Hochschule in Nürnberg seinen Master in Informatik, seine Abschlussarbeit schreibt er an der Universität Erlangen. Das ist verwirrend. Die Welt ist komplex und wächst immer weiter zusammen. Also, wo waren wir? Digitaler Einkaufszettel, genau. So weit sind wir also schon. Klingt nach einem Witz: Woher weiß ein Informatiker, was er zwischen Obst und eingepackter Wurst alles einkaufen soll? Antwort: Er fragt sein iPhone. Somit wäre eigentlich schon wieder ein Text für einen Auftritt geschrieben.

Wobei Philipp Weißmann sich nicht zu den echten Computerfreaks zählt. Er habe zwar Brille, Bart und Bauch, doch dem vierten B, das den Informatikern anhaftet, entspreche er nicht: Nein, bleich ist er nicht. Aber kreativ: Letztlich kam er zur Bühne, weil er einmal einen Brotbackkurs der VHS verpasste, für den er sich eingeschrieben hatte, weil er den Raum nicht fand. Das hat ihn so geärgert, dass er einfach den nächstmöglichen Kurs belegte, der hieß - rein zufällig - Improvisationstheater.

Die einfachen Alltags-Dinge beschäftigen im Endeffekt alle Teilnehmer an Poetry Slams. "Meist geht es um das Bahnfahren, oder um Facebook", sagt Philipp Weißmann. Zumindest ist das so bei den etablierten Slammern, die meist aus dem studentischen Milieu stammen. Woher auch der Poetry Slam so ein bisschen kommt, deshalb ist er auch gespannt, wie das in Höchstadt funktioniert, wo bekanntlich kaum Studenten sind und wo er bisher noch nie aufgetreten ist.

Ich rappe, also bin ich

Zwei, die bisher auch noch nicht in Höchstadt beim Poetry Slam waren, sind Trae Bilal Keivanth Devone, besser bekannt als Bilal Beam, und Malte Drath aus Baiersdorf. "Das haben wir noch nicht gemacht - das erste Mal ohne Musik", sagt Malte, der in Forchheim sein Fachabitur macht. Sie seien halt gefragt worden. Und sie dachten sich: Warum nicht? Also machen sie beim Poetry Slam in der Kulturfabrik mit, ohne zu wissen, was auf sie zukommt.

Die beiden rappen schon länger zusammen als Duo 083, was den letzten drei Ziffern der Postleitzahl von Baiersdorf entspricht. Rap, das ist Heimatverbundenheit pur. Bilal, 18, und Malte, 16, sind bei den Jüngeren schon bekannter durch ihre Rap-Musik, die sie über die You tube-Kanäle im Internet in beachtlicher Qualität verbreiten. Bilals größter Erfolg bisher war das Lied "Meilen weg", das Tausende Klicks bekommen hat. Ein Liebeslied.

Die Jungs sind eher auf der ernsten Schiene unterwegs. "Wir machen viel sozialkritische Musik", sagt Bilal, der eine Ausbildung zum Pflegefachhelfer in Höchstadt macht. Warum sie so ernst sind? "Weil wir so sind: Wir sind halt nicht so lustig drauf", sagt Malte. Sie haben als Jugendliche eine Ausdrucksform gesucht, etwas, wo sie ihren Frust los werden können. Ich rappe, also bin ich, quasi. Vielleicht, weil sie sich manchmal missverstanden fühlen. Das drückt sich dann in derben Worten aus. Vielleicht, weil Rap so klingen muss. Vielleicht auch, weil man als Jugendlicher einfach mal ein Ventil braucht.

Man könnte auch fragen: Ist das Gangster-Rap? Das Duo 083 würde es verneinen, Bilal und Malte sind ja auch keine Gangster, sondern Jungs, die sich in der Musik ausdrücken wollen. Gemeinsam. "Wir fühlen uns wie Brüder", sagt Bilal, der nur gute Erinnerungen an die Kulturfa brik hat: "Dort hatte ich meinen aller geilsten Auftritt bis jetzt."

Und jetzt Poetry Slam - man kann gespannt sein, wie sich die ernsten Rapper vom Duo 083 mit den oft witzigen Texten der erfahrenen Slammer um Philipp Weißmann mischen. Wobei der sagt: "Für mich geht es darum, einfach Geschichten zu erzählen." Dabei ist es ihm egal, ob ein Text leicht verdaulich oder kompliziert ist. "Es können auch banale Geschichten sein." In jedem Text stecke ein Stück vom Autor, sagt der gebürtige Höchstadter. Von Bilal Beam und Malte Drath steckt definitiv genauso viel Herzblut in ihrer Musik: "Wir machen Musik von unserem Leben für andere", sagt Bilal und Malte nickt dazu.