Stell dir vor, du kommst aus einem Land, in dem fließend Wasser nicht zum Standard gehört. In dem es nicht genug zu essen und keine ausreichende medizinische Versorgung gibt. Wo es darum geht, schlicht zu überleben. Wo ein gewaltsamer Konflikt die Lage für die Menschen noch viel schlimmer macht... In Deutschland, in Franken, erst recht in Höchstadt ist das heutzutage unvorstellbar.

Doch: "Wir leben in einer Zeit voller Konflikte", sagt Hans-Friedrich Schäfer. Bewusst darüber, dass es überall in der Welt Hilfe braucht. Letztlich hat sich der Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde Höchstadt dazu entschlossen, in Mali zu helfen, wo aktuell der Konflikt zwischen Militär und radikalislamischen Rebellen im Norden des westafrikanischen Landes schwelt. Die Bevölkerung leidet unter starkem Hunger. Nun soll von Höchstadt aus geholfen werden: Wie eine solche Hilfe aus dem Nichts entsteht? Durch Berührungspunkte vor Ort.

Soungalo Magassa ist ein solcher Berührungspunkt. Der zweifache Familienvater, der seit den 80er Jahren in Höchstadt als Tierarzt arbeitet, stammt aus dem Süden von Mali, wo ständig Flüchtlinge aus dem Norden des Landes ankommen. Im Norden herrscht die Gewalt. Die Lage ist schwierig, sagt Magassa. Er telefoniert so oft wie möglich mit seiner Familie in Mali. Was er dort erfährt, dringt kaum in den Medien durch. Es sind persönliche Schicksale, die hinter jedem großen Konflikt stehen.

"Jeder muss sehen, wie er in den Süden kommt", erzählt Magassa, der das letzte Mal im September 2012 in Mali war. Bereits da war die Lage schon angespannt. Magassa berichtet, wie sich das Leben in seinem Heimatdorf abspielt. Einfache Lehmhütten finden sich dort. Er zeigt Bilder von der Schule, die nur aus einem kahlen Raum besteht, wo er selbst als Kind Unterricht bekommen hat. Andere Fotos zeigen einen einfachen Brunnen, an dem sich seine Familie und die Menschen in seinem Heimatdorf mit Wasser versorgen.

Auf einem Foto sind Frauen zu sehen, die um einen großen Topf stehen - es wird für alle gekocht. Ein Bild das verblasst, denn: "Es sind viele auf der Flucht und es herrscht eine große Hungersnot", sagt Magassa zur allgemeinen Bedrohungslage. "Man hat Sorge und Angst", beschreibt er seine Gefühlslage. "Es gibt Versorgungsengpässe. Die Familien nehmen dennoch Freunde aus dem Norden auf." Noch mehr hungrige Mäuler, die es zu stopfen gilt. Doch das Essen wird nicht mehr, der Hunger schon. Es fehle vor allem an Grundnahrungsmitteln wie Reis und Hirse.

Geld und Medikamente helfen

Soungalo Magassa hat auch Sorge um viele Freunde in der Armee und zwei Brüder, die bei der Polizei sind. Denn sie müssen in dem bewaffneten Konflikt selbst mitkämpfen. Magassa erzählt, was dies bedeutet: Die Rebellen im Norden nehmen jeden fest, der bei der malischen Polizei arbeitet. Sein Neffe musste sich deshalb ohne Papiere in den Süden durchkämpfen, weil er sonst in Gefangenschaft geraten wäre. Von den Kämpfen gibt es hier in Deutschland kaum Bilder. Soungalo Magassa aber hat sie aus Erzählungen in seinem Kopf.

"Wir wollen, dass die Leute versorgt werden", sagt Hans-Friedrich Schäfer. Der Pfarrer sieht eine Chance über die Kirche, die in Gemeinden und über das diakonische Werk organisiert ist. Dadurch gehe kein Spendengeld verloren.

Schäfer und Magassa wollen die Hilfe völlig neu aufbauen. Dazu haben sie - so persönlich wie jedes Einzelschicksal - einen persönlichen Hilfeweg gewählt: Soungalo Magassa hat einen guten Freund, der in Mali in einem Krankenhaus als Arzt arbeitet. Dieser kommt mehrmals im Jahr zu Besuch nach Höchstadt.

"Genial wäre es, das Geld direkt nach Mali zu bringen", sagt Schäfer. Das könnte eben Magassas Freund übernehmen und auch Medikamente transportieren. "Sobald Gelder da sind, wollen wir helfen", sagt Schäfer, es soll schnell gehen. Die Not in Mali wird nicht kleiner.

Hilfe für Mali
Pfarrer Hans-Friedrich Schäfer und Soungalo Magassa freuen sich über jede Spende. Davon wollen sie Lebensmittel kaufen, um die Menschen in Mali zu versorgen. Außerdem können medizinische Produkte wie Antibiotika, Einmal-Handschuhe, Spritzen und mehr im Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen Gemeinde Höchstadt abgegeben werden.

Spendenkonto: Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Höchstadt, Kontonummer 103511952, Raiffeisenbank Höchstadt, Bankleitzahl 76360033