Von "seiner immensen Aura" spricht Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm (JL), wenn er sich an seine Begegnungen mit Papst Johannes Paul II. erinnert. Jetzt vor dessen Heiligsprechung hat Brehm sich mit Dekan Kilian Kemmer zusammengesetzt und sich an die Verbindungen nach Rom erinnert. Die 20-minütige Privataudienz in den Allerheiligenferien 2000 ist für beide der Höhepunkt gewesen.

Für Brehm war sie die zweite Begegnung. Als Wehrpflichtiger war er dabei, als Papst Johannes Paul II. 1980, im zweiten Jahr seines 27-jährigen Pontifikats, München besuchte. "Damals habe ich mir nie träumen lassen, dass ich ihm einmal direkt gegenüber stehen würde." Obwohl Brehm auch die Begegnung von Ferne als etwas Besonders empfunden hatte.

Im Gespräch

"2000 ist uns der große Coup gelungen", fasst Kemmer die unerwartete Privataudienz zusammen. Schon 1993 mit der Stadtkapelle und 1999 mit einer Ministrantengruppe hatte er Gelegenheit, dem Papst bei Gottesdiensten ganz nahe zu sein und mit ihm ins Gespräch zu kommen. 2000 hatte die Stadtsparkasse eine Gedenkmünze zum 900. Todestag der Höchstadter Heiligen Hildegund geprägt.

Die Goldmünze wollte Kemmer während des Rombesuchs dem Papst überreichen. In diesen Monaten des Heiligen Jahrs besuchten alle großen Politiker der Welt den Vatikan, denn Thomas Morus war zum Schutzpatron der Politik erhoben worden.

Der Diplomat im Vatikan, der die Höchstadter Gruppe in der Ewigen Stadt begleitete, meinte damals: "Das mit dem Münzenüberreichen könnt ihr vergessen." Doch dann kam ein Anruf: "Morgen früh um halb acht, erwartet der Papst eine Höchstadter Delegation in seinem Arbeitszimmer. Dabei waren neben Kemmer, Brehm und dessen Ehefrau Maria noch Etzelskirchens Pfarrer Stefan Pröckl, Pfarrgemeinderatsvorsitzender Georg Walcher, Kirchenpfleger Michael Keupp und Lorenz Plätzer von der Kirchenverwaltung.

Pröckl war, so Kemmer, im Vorzimmer sehr nervös und wollte wissen, wann sie dran wären. Für diese Frage kassierten die Höchstadter einen Anpfiff vom päpstlichen Zeremonienmeister. Johannes Paul II. war damals schon von Parkinson gezeichnet und ging am Stock. Da die Audienz am 4. November - dem Tag des Karl Borromäus, des Namenspatrons des Papstes - stattfand, hatte Kemmer einen Franken-Boxbeutel dabei. Er bat Maria Brehm, ihn zu übergeben. Man gratulierte dem Papst zum Namenstag. Brehm zieht das Präsent aus der Tasche und - die päpstliche Security ist schon sprungbereit.

Zweite Audienz

Der Papst ließ sich keineswegs irritieren, vielmehr versprach er, den fränkischen Tropfen am Abend zu genießen. "Der Papst hat sich sichtlich wohlgefühlt", erinnert sich Kemmer. "Man konnte mit ihm reden. Er nahm uns die Steifheit", beschreibt Brehm die Begegnung. Der Zeremonienmeister drängte schon zum Ende: "Der Staatspräsident von San Marino wartet bereits." Da konnte es sich Brehm nicht verkneifen, darauf hinzuweisen, dass der Zwergstaat keine größere Fläche als seine Heimatstadt Höchstadt habe.

2004 besuchte Kemmer mit dem Frauenbund erneut Rom und hatte eine Audienz beim Papst, wieder um den 4. November herum. Wieder nahm er - diesmal einen Karton - Frankenwein mit. Woityla war da schon auf den Rollstuhl angewiesen. Als Helfer die Gabe entgegennahmen, sagte der Pontifex aber: "Bitte bei mir abliefern."

Botschaft der Liebe

Kemmer ist gewissermaßen mit dem Pontifikat Johannes Pauls II. großgeworden. "Je kränker er wurde, umso größer waren die Sympathien, die ihm zugeflogen sind." Man habe seine Aura gespürt, betont auch Kemmer: "Und seine Botschaft der Zivilisation der Liebe."

Josef Ratzinger sei Woitylas Wunschnachfolger gewesen, aber Papst Franziskus stünde ihm vom Charisma her näher, vergleicht er. Zur 1000-Jahrfeier sandte der Papst via Kardinal Ratzinger eine Grußbotschaft mit Apostolischem Segen nach Höchstadt. Für Brehm eine "beachtliche Ehre in den Annalen der Stadt".

Im Gegenzug überreichte Kemmer dem Papst die Höchstadter Friedenserklärung. "Der Papst war sehr angetan. Wenn alle Städte so handeln, könnte die Welt anders aussehen, gab der Pontifex mit auf den Weg. "