Schon seit einigen Monaten freuen sich 90-Jährige und diamantene Hochzeiter, dass zu ihrem Jubiläum Landrat Alexander Tritthart (CSU) persönlich vorbeikommt und die Wünsche des Kreises überbringt. Früher hatte viele dieser Repräsentationsaufgeben Trittharts Stellvertreter Christian Pech (SPD) übernommen, doch der ist seit Oktober vergangenen Jahres "aus dem Verkehr gezogen". Auch nach zehn Monaten zeichnet sich noch nicht ab, ob und wann Pech sein Amt als Stellvertreter des Landrats wieder aufnehmen darf.

Der Kommunalpolitiker aus Möhrendorf steht unter Verdacht, im Zusammenhang mit der Einfuhr von Solarmodulen aus chinesischer Herkunft an Zollbetrügereien in Millionenhöhe beteiligt gewesen zu sein. Die Staatsanwaltschaft spricht von einer Schadenssumme von über 30 Millionen Euro. Weil der Haftrichter Flucht- und Verdunklungsgefahr und einen hinreichenden Tatverdacht gesehen hatte, saß Pech im Oktober auch für einige Wochen in Untersuchungshaft.

Die zuständige Landesanwaltschaft Bayern hat Pech daraufhin vom Dienst als stellvertretender Landrat suspendiert. Sein Amt hat er zwar noch, darf es aber derzeit nicht ausüben. Das wird wohl noch einige Zeit so bleiben.

"Die Ermittlungen laufen auf Hochdruck", sagt Pressesprecherin Antje Gabriels-Gorsolke von der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth auf Anfrage des Fränkischen Tags. Die bisherige Dauer der Ermittlungen ist für die Oberstaatsanwältin nicht außergewöhnlich: "Es sind komplexe Vorwürfe, schließlich handelt es sich hier nicht um einen kleinen Ladendiebstahl." Für die Verhältnisse der Staatsanwaltschaft sei es noch ein "frisches Verfahren". Wenn sich am Ende der Ermittlungen kein Tatverdacht ergibt, werde das Verfahren eingestellt. Sollte sich ein Tatverdacht ergeben, erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Pech. Wann es soweit sein könnte, lässt Gabriels-Gorsolke völlig offen.

Der Verdächtigte Pech selbst fühlt sich weiter "ungerecht behandelt", wie er dem Fränkischen Tag erklärt. Er hat für die Suspendierung aus dem Amt des stellvertretenden Landrats kein Verständnis. Pech bleibt bei seiner Haltung, man könne erst dann jemand suspendieren, wenn er verurteilt ist. Er wundere sich, dass die Ermittlungen immer noch andauern, er aber bereits suspendiert wurde.

Vom Dienst suspendiert wurde Pech von der Landesanwaltschaft Bayern. Die steht im Austausch mit den Strafverfolgungsbehörden und ist "nach wie vor der Auffassung, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden kann, dass im Disziplinarverfahren auf Entfernung aus dem Beamtenverhältnis erkannt werden wird", antwortet Landesanwaltschaft-Pressesprecher Jörg Spennemann auf Anfrage. Eine Aufhebung der Suspendierung sei nach derzeitigem Stand kein Thema.

Nach Abschluss des Strafverfahrens werde die Landesanwaltschaft das Disziplinarverfahren gegen Pech fortführen, teilt Spennemann mit. Nach derzeitigem Sachstand droht dem stellvertretenden Landrat eine Disziplinarklage mit dem Ziel, den kommunalen Wahlbeamten aus dem Beamtenverhältnis zu entfernen. Sollte Pech zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt werden, wäre er sein Amt automatisch los.

Solange warten möchte Landrat Tritthart nicht. Er fordert seinen Stellvertreter erneut auf, "sich ernsthaft Gedanken zu machen, ob er nicht zurücktreten sollte".

Tritthart sieht dies in erster Linie vor dem Hintergrund, dass sein Stellvertreter nun schon zehn Monate ausfällt. Tritthart: "Wenn jemand fehlt, führt dies zu einer Mehrbelastung des Landrats und der weiteren Stellvertreterin." Das ist Gabriele Klausner (CSU). Die Entscheidung müsse Pech aber selbst treffen, sagt der Landrat.

Sollte Pech sein Amt verlieren oder abgeben, würde der Kreistag einen Nachfolger wählen.