Bis 2 Uhr nachts war die Autobahn komplett gesperrt. Der Bagger brauchte Platz. Viel Platz. Fünf Zentimeter große Papierschnipsel musste er mit seiner Zange greifen. Und das millionenfach. Insgesamt 120 Kubikmeter gepresstes Recyclingpapier. "Angesichts der Ladung war das schon ein außergewöhnlicher Einsatz", erinnert sich Dominic Bauereiß, Einsatzleiter des ADAC-Bergedienstes.

Bis es zu der Verladung kam, vergingen allerdings einige Stunden. Der Unfall selbst ereignete sich am Montag bereits um 10.15 Uhr. Der Lkw aus dem Landkreis Fulda, voll mit Recyclingpapier, fuhr zwischen den Anschlussstellen Schlüsselfeld und Geiselwind in einer Baustelle auf mehrere Pkw auf. Dabei stürzte der Sattelzug um und blieb auf der rechten Spur liegen. Drei Personen wurden verletzt.

Erste Versuche scheiterten

Die erste Verzögerung der Bergung ergab sich direkt auf dem Weg zur Unfallstelle: Ein Lkw-Fahrer hatte es bei der Bildung der Rettungsgasse zu gut gemeint, rutschte auf der Höhe der Rastanlage Steigerwald mit seinem Fahrzeug ins Bankett und kam nicht mehr heraus. "Kaum waren wir also da, mussten wir ihm erst einmal wieder heraushelfen. Das dauerte eine Stunde", sagt Bauereiß.

Bevor der Bagger abends mit dem Greifer an der Unfallstelle eintraf, wurde zunächst probiert, die einzelnen Papierknäuel mit einer Gabel herauszuheben. "Ein Knäuel war mit fünf Drahtseilen umwickelt. Diese sind bei dem Versuch, das Papier herauszuheben, allerdings gerissen", erklärt Bauereiß. Erschwerlich war zudem, dass das Material stark verdichtet war.

Und dann war es nicht einfach, die spezielle Greifzange zu bekommen: "Ich habe alle Stellen abtelefoniert, aber keiner konnte so ein Ding besorgen", erzählt Bauereiß. Eine Firma aus Fürth konnte ihm schließlich helfen - und schickte das Spezialgerät. Gegen 19 Uhr, neun Stunden nach dem Unfall, begannen dann endlich die Verladungsarbeiten. Das Papier landete direkt in insgesamt acht Containern, die von fünf Lastwagen zur Unfallstelle gebracht wurden. "Auch der Wind war ein Problem, da die Ladung sehr leicht war", sagt Bauereiß.

Erst gegen 1 Uhr in der Nacht war das Papier vollständig verladen. Nur einzelne Papierschnipsel gingen dabei verloren. Bis die Vollsperrung aufgelöst wurde, dauerte es dennoch eine weitere Stunde: Immerhin musste die Straße noch gereinigt werden, was die Firma Uhl aus Höchstadt übernahm.

Der Verkehr wurde bis 19 Uhr einspurig an der Unfallstelle vorbeigeleitet. In Richtung Frankfurt bildete sich laut der Autobahnpolizei Würzburg-Biebelried ein Rückstau von 14 Kilometern. Ab 19 Uhr war die A3 zwischen Schlüsselfeld und Geiselwind dann komplett gesperrt.

Anwohner genervt

Der Verkehr wurde umgeleitet, auch Schlüsselfeld bekam das zu spüren. Die Grünphasen der Ampel, die in Rambach wegen Kanalarbeiten aufgestellt ist, wurden deutlich verlängert. "Damit sich der Verkehr nicht noch mehr zurückstaut", erklärt Schlüsselfelds stellvertretender Bürgermeister Fritz Stütz. Er hofft, dass solche Umleitungen durch den Ort seltener werden, wenn die Autobahn erst einmal dreispurig ausgebaut ist: "Vor allem für diejenigen, die an der Straße wohnen, ist es einfach nur nervig."