Ja, wie ist er denn nun, der fränkische Mann? Ist er einer, der geschätzte 150 Witze pro Stunde erzählt, dazwischen noch ein paar Gedichte vorträgt, Gstanzln singt und sich dabei selbst auf der Quetschn begleitet? Einer, der sich den schwarzen Dreispitz-Hut so weit über den Kopf zieht, dass es ihm die Ohrmuscheln halb nach unten klappt, dabei wild mit den dunklen Augen rollt und Grimassen schneidet, als ob er seine Gesichtsmuskulatur vorher in den Urlaub geschickt hat?

Nein, so ist nur Oti Schmelzer, Humorist aus dem unterfränkischen Oberschwappach. Er begeisterte am Wochenende die rund 100 Zuschauer im voll besetzten Saal des Kienfelder Vereinshauses mit seinem Versuch, die fränkische Seele zu ergründen.

Zunächst einmal gilt es festzuhalten, dass die Franken "emotionale Gefühlsfeuerwerkler" sind, die einen Orgasmus mit "bassd scho" beschreiben. Der durchschnittliche fränkische Mann ist verheiratet und hat bei der Eheschließung mit seiner Frau eine GmbH gegründet: "Geh mal, mach mal, bring mal, hol mal."

Wird der Ehering aber immer mehr zum Fangeisen und versucht der geplagte Gatte, sich von Tätigkeiten im Haushalt mit den Worten "Das ist Frauenarbeit, ich bin der Herr im Haus" zu befreien, droht sie ihm: "Wiederhol das und wir sehen uns drei Tage nicht." Er freut sich und wiederholt seine Aussage, und tatsächlich sieht er nach drei Tagen seine bessere Hälfte langsam wieder, als die Schwellung nachlässt.

Deswegen geht der Franke ganz gern außer Haus, bevorzugt zum Stammtisch. Dort sitzt dann manchmal eine Männerrunde zusammen, die sich gegenseitig Zahlen wie "89" oder "65" an den Kopf wirft und zwischendurch in lautes Gelächter ausbricht. Der Unwissende bekommt folgende Erklärung für dieses Treiben: "Wir haben unsere Witze nummeriert, dann müssen wir weniger reden und können mehr trinken." Da mach' ich mit, denkt sich der Neuling und sagt locker: "37". Keiner lacht. Warum? "Den hast Du ganz schlecht erzählt."

Ein Glück für die Gäste in Kienfeld, dass Oti Schmelzer es besser kann, und so geht es in atemberaubendem Tempo weiter zur politischen Einstellung des gewöhnlichen fränkischen Mannes: "Wir sind so schwarz, wir werfen sogar im Kohlenkeller noch Schatten." Passend dazu wird im Kindergarten ein Lied einstudiert: "Der Tag ist schön, die Sonne lacht, das hat die CSU gemacht. Wind und Regen, Sturm und Schnee, das war die SPD."
Generell lässt sich der Franke aber nicht von seiner gesunden Skepsis gegenüber "denen da oben" abbringen: "Ein Politiker lügt nicht, wenn er seine Brille aufhat. Er lügt auch nicht, wenn er sie zwischen den Fingern hält. Und er lügt auch nicht, wenn er sie auf den Tisch legt. Er lügt erst, wenn er das Maul aufmacht."

Zur Sicherheit geht Schmelzer immer wieder "inhaltlich voll auf Distanz" zu seinen Texten, und wenn das noch nicht reicht, macht der Franke eine Wallfahrt nach Vierzehnheiligen, um sich von seinen Sünden reinzuwaschen. Dort winkt der Pfarrer aus dem Beichtstuhl und sagt "Hallo, Kinder", woraufhin diese mit einem "Hallo Kaschberle" antworten. In der Kirche gilt es, Hinweisschilder zu beachten, zum Beispiel dieses: "Das Betreten des Beichtstuhls mit Schuhen ist genauso sündhaft wie eine Jungfrau zu verführen." Ein fränkischer Wallfahrer hat darunter geschrieben: "Ich hab beides ausprobiert, es ist kein Vergleich ..."

Daneben ist der Franke natürlich Club-Fan und weiß, dass der höchste Berg Frankens der "Nürnberg" ist: "Da braucht man ein Jahr zum Aufstieg und ein Jahr zum Abstieg." Neben Fußball hat der fränkische Mann noch ein zweites Hobby, das Holzmachen. Deswegen sind auch die Steigerwälder gegen die Einrichtung eines Nationalparks, weil dann dort überall Sheriffs stehen würden, die einen beim Holz klauen stören. Wenn man erwischt wird, darf man um eine Ausrede nicht verlegen sein und muss dem Förster erklären, dass man das Holz als Hasenfutter gesammelt hat. Wenn der dann sagt, "das fressen doch deine Hasen nicht", ist die Antwort klar: "Wenn sie es nicht fressen, dann verschür ich es halt."

Oti Schmelzer, der nebenbei auch Winzer ist, gönnt sich erst einen Schluck von seinem Schoppen Wein, als keine Fragen mehr offen sind und das johlende Publikum eine Zugabe fordert. Im Gegenzug gibt es ein Lob von der Bühne: "Wenn ich Alufolie dabei hätte, würde ich euch einwickeln", und am Ende hat es keinen gestört, dass der eine oder andere Spruch ziemlich derb oder bedenklich nahe am Kalauer-Niveau war und dass das Programm gerade im zweiten Teil kleinere Längen hatte. Bei gut zweieinhalb Stunden Ein-Mann-Show lässt sich das wohl auch nicht wirklich vermeiden.

Schmelzer sagt von sich selbst: "Zum Pfarrer hat es nicht ganz gereicht", und so ist sein Ziel, den Menschen etwas Gutes zu tun, indem er sie zum Lachen bringt. Er hat sein Ziel erreicht, genauso wie der Heimatverein Kienfeld, der mit dieser Veranstaltung ein Stück Kultur in den hintersten Winkel des Landkreises Erlangen-Höchstadt geholt und seinen Gästen einen höchst vergnüglichen Abend bereitet hat. Mit anderen Worten: Bassd scho.