Andrei Iwanowitsch ist 92 Jahre alt, und einer der letzten Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald. Bis heute führt er ein glückliches Leben. Hannes Farlock hat über ihn einen Film gedreht. Der Freundeskreis Höchstadt-Krasnogorsk zeigt diesen Film am Sonntag, 8. April, um 17 Uhr - und bietet danach die Gelegenheit zum Gespräch mit den beiden Protagonisten.

Andrei Iwanowitsch ist 15 Jahre alt, als er von den Nationalsozialisten nach Buchenwald deportiert wird. Er überlebt. Doch das Leiden hört für ihn auch nach der Heimkehr in die weiß-russische Heimat nicht auf. Nach und nach sterben alle seine Familienangehörigen, er ist auf sich allein gestellt. Aufgegeben hat er dennoch nicht. Er trotzt dem Leben schöne Seiten ab.


Mit 92 noch auf auf Arbeit

Hannes Farlock hat diesen Alltag dokumentiert. Drei Jahre lang begleitete er Iwanowitsch - der auch mit 92 Jahren noch als Nachtwächter arbeitet und seine kleine Datscha bewirtschaftet. Sogar mit Fremdsprachen beschäftigt er sich, um seinen Geist fit zu halten. Damit wird Iwanowitsch zum Symbol dafür, dass sich mit Selbstbewusstsein und Zuversicht auch schwerste Krisen meistern lassen.

Gleichzeitig prangert "Ja, Andrei Iwanowitsch" - so lautet der Titel des Films - den Umgang Weiß-Russlands mit den ehemaligen Zwangsarbeitern an. Während die militärischen Veteranen als Helden verehrt werden, wiederfährt den Überlebenden der Konzentrationslager Missachtung und ein Leben in bitterer Armut.


Ziel ist die Selbstreflexion

Der Film, unter der Regie von Hannes Farlock von Dzianis Sakalouski aufgenommen, belehrt nicht - und ist damit eine der ersten Dokumentationen einer neuen Generation. Er will vielmehr zur Selbstreflektion anregen - und so für Frieden werben. Ohne Schuldzuweisungen an eine Generation Deutscher, die selbst mit Krieg und Vertreibung keine Berührung mehr hat.

Gleichwohl soll der Dokumentarfilm zur Diskussion anregen. Deshalb wird er nicht zum anonymen Konsum in Kino oder Fernsehen angeboten. Stattdessen machen sich Regisseur Farlock und der 92-jährige Hauptdarsteller Iwanowitsch gemeinsam auf den Weg - und diskutieren nach der Filmvorstellung persönlich mit dem Publikum. So auch in Höchstadt - auf Einladung des Freundeskreises Höchstadt-Krasnogorsk. Dort ist der Film am Sonntag, 8. April, 17 Uhr, im Kommunalen Versammlungsraum der Fortuna Kulturfabrik zu sehen. Einen Tag später sind Farlock und Iwanowitsch in der Ritter-von-Spix-Mittelschule und dem Gymnasium Höchstadt zu Besuch.