Landrat Alexander Tritthart (CSU) erinnerte mehrfach daran: Wenn die Kreisräte nicht zustimmen, könnte es sein, dass er im Oktober den Buh-Mann spielen muss. Dann treffen sich die Spitzen aller 24 VGN-Kommunen, um über das vorliegende Paket zu entscheiden. Und wenn er dort dagegen stimmen muss, dann ist die Reform für alle im VGN vom Tisch. Denn im Reich des Verkehrsverbunds herrscht das Einstimmigkeitsprinzip.

Damit wurde die Latte in der Sitzung im Landratsamt am Freitag hoch gelegt. Zwar trifft der Kreistag die Letztentscheidung, doch bereits im Kreisausschuss wurde diskutiert, als könne man die Verkehrswende an einem Freitagmorgen in Erlangen herbeidebattieren.

9-Uhr-Abo und smartes Bezahlen

Konkret geht es um zwei Reformen im Öffentlichen Nahverkehr des VGN. Zum einen ist da das "Innovationspaket", das nicht nur das Bezahlen mit einem E-Ticket per Smartphone erleichtern soll, sondern auch erstmals ein verbundweites 9-Uhr-Abo enthalten würde. Dazu kommt der Plan, das gesamte kommende Jahr auf Fahrpreiserhöhungen (aufgrund gestiegener Betriebskosten) komplett zu verzichten.

Das Paket ist Bedingung dafür, lukrative Mittel vom Freistaat zu bekommen. 12,8 Millionen Euro aus München für einen Ausbau des Angebots könnten fließen. Jedoch nur, wenn die VGN-Kommunen noch einmal soviel dazulegen. ERH hätte rund eine Million Euro zu zahlen, verteilt auf fünf Jahre.

Für 365 Euro im ganzen VGN

Der zweite Reformschritt betrifft die Einführung eines 365-Euro-Jahrestickets. Das soll es jedoch nicht für alle, sondern ausschließlich für Schüler und Auszubildende geben, allerdings ausdrücklich nicht die kostenfreie Fahrt zur nächsten Schule ersetzen. Mit dem neuen Ticket, das den Landkreis mit 200.000 Euro jährlich belasten würde, sollen Schüler und Azubis (bis 24 Jahre) für 365 Euro im Jahr im ganzen VGN fahren können. Auch in den Ferien. Studenten wären ausgenommen, was im Kreisausschuss auf Kritik stieß.

Als Gast hatte man sich den Geschäftsführer des VGN, Jürgen Haasler, eingeladen. Er traf auf ein Gremium, das über Parteigrenzen hinweg betonte, wie dringend das Tarifsystem vereinfacht und die Fahrpreise gesenkt werden sollten. Doch der Tenor war auch: Da muss noch mehr passieren.

"Ein großer Wurf ist das noch nicht. Aber es ist der erste zwingend notwendige Schritt, um das ÖPNV-System zu vereinfachen", sagte Gerald Brehm (FW). "Nicht ganz das Gelbe vom Ei", konstatierte Christian Pech (SPD). "Seit Menschengedenken" rede man davon, dass der VGN günstiger werden müsse. Die beiden Maßnahmen seien aber keine wirklich überzeugenden Konzepte, die Masse dazu zu bewegen, vom Auto in Bus und Bahn umzusteigen.

Andreas Galster (CSU) mahnte, man dürfe bei einer Tarifreform nicht nur an der Oberfläche kratzen. Man müsse grundsätzlich fragen: "Was ist eine moderne Tarifstruktur?". Er reichte die Frage an den VGN-Chef weiter, der die Antwort parat hatte: Das wäre ein Check-in/Be-out-System, bei dem der Fahrgast einsteigt und sich um nichts kümmern muss. Per Smartphone wird registriert, wohin er fährt. Am Monatsende wird automatisch abgerechnet. Haasler betonte jedoch, dass es technisch für ein solches System so bald wohl keine Lösung gibt, zumindest nicht für einen so großen Verbund wie den VGN.

Zähneknirschen bei den Grünen

Am schwersten taten sich die Grünen. Als es zur Abstimmung kam, konnte man ihr Zähneknirschen fast schon hören. Es sei schön, dass man den ÖPNV verbessern wolle, aber es brauche mutigere Schritte, sagte der Grüne Manfred Bachmayer. Er forderte günstige Angebote für alle, nicht nur für Schüler und Azubis. Sein Kollege Wolfgang Hirschmann verwies auf den Landkreis Fürth. Dort hat man die Tarifzonen auf eine einzige reduziert. Dass der Nachbarkreis das jährlich mit 600.000 Euro teuer bezahle, merkte der Landrat an. Ein Antrag der Grünen, sich im VGN für eine viel geringere Anzahl von Tarifzonen stark zu machen, scheiterte.

Am Ende stimmten alle einstimmig für 365-Euro-Jugendticket und "Innovationspaket". Sollte der Kreistag ähnlich votieren, bleibt dem Landrat bei der VGN-Sitzung die Rolle des Buh-Manns erspart.

Machbar ist viel, aber...

Ein Kommentar von Christian Bauriedel (Fränkischer Tag)

Man sollte Greta Thunberg raten, nicht nur vor der UN-Vollversammlung zu sprechen, sondern die schwedische Klimaaktivistin sollte sich auch mal in einen Kreisausschuss zum Thema Öffentlicher Nahverkehr setzen.

Denn dort trifft das oft wolkige Klimaretten auf die harte Wirklichkeit. Die Protagonisten in den Niederungen der Machbarkeit sind Getriebene von Sachzwängen. Und um es gleich zu sagen: Sie alle haben Recht. Da ist ein Landrat, der zwar das vorliegende Reförmchen auch nicht als ausreichend erachtet, aber daran erinnert, dass er ja bald in eine VGN-Vollversammlung geht, wo er, wenn ihn seine Kreisräte zwingen, mit seinem Veto das Reförmchen im gesamten Verbund blockiert.

Da ist ein Geschäftsführer des VGN, der bei vielem zustimmend nickt, aber stets zum selben Schluss kommt: Wenn sich in der Politik jemand findet, der den ultra billigen, ultra attraktiven Nahverkehr finanziert, dann könne man viel machen.

Da sind die Kreisräte. Unter ihnen ein Verfechter einer Ein-Euro-Flat-Rate beim Tarif (Brehm, FW), ein Mahner der Finanzierbarkeit (Hacker, SPD), ein Kritiker der Gratis-Mentalität gegenüber staatlichen Leistungen (Galster, CSU) sowie zwei, denen der Umbau des ÖPNV nicht zu weit und viel zu langsam geht (Hirschmann, Bachmayer, Grüne).

Und in München, da sitzt ein Ministerpräsident, der für das Kommunalwahljahr offenbar die Order ausgeben hat, dass jetzt mal Schluss sein müsse mit höheren Fahrpreisen. Zumindest für dieses eine Wahljahr. Und zumindest für die Fridays-for-Future-Schüler (und deren wählende Eltern) soll es ein günstiges Jahresticket geben.

Wie hat Greta vor der UN gesagt? "How dare you?" - Wie könnt ihr nur?