"Wozu brauchen wir ein neues Buch? Wir können noch nicht mal alle Lieder aus dem alten Gotteslob", sagte Hilde Pröls. Beim "offenen Singen", einer Übungsstunde für die Gesänge aus dem neuen "Gotteslob", vertraten etliche Teilnehmer die gleiche Meinung.

In der Kirche Sankt Gertrud stellte Erich Staab, Regionalkantor für die Dekanate Erlangen und Höchstadt, das neue Gesangsbuch vor, das in den nächsten Monaten Einzug in die katholischen Pfarrgemeinden halten soll.
Weil das neue Gotteslob noch nicht auf dem Markt ist, hatte der Regionalkantor ein Liedblatt ausgelegt. Sehr zur Überraschung aller Anwesenden, gelangen die von Staab vorgesungenen und gespielten Weisen sogleich ganz hervorragend. Es dürfte also gar nicht so schwer werden, die neuen Lieder einzustudieren. Wenn auch gewisse Vorbehalte nicht zu überhören waren und viele Gläubige dem alten Gotteslob nachtrauern.

Fünf Monate Lieferfrist

Petra Wichert, Wachenroths Kirchenpflegerin, hätte bei dieser ersten "Übungsstunde" gerne das neue Gotteslob in Händen gehalten. "Ich bin gleich ins Internet und habe bei allen einschlägigen Verlagen gesucht", verriet sie dem FT. Doch sie habe keines bekommen. Das neue Gebets- und Gesangsbuch habe eine Lieferzeit von etwa fünf Monaten und die Pfarrei habe 60 geordert.

Wie Hilde Pröls sagt auch Petra Wichert: "Ich hätte kein neues Gesangsbuch gebraucht" Als Kirchenpflegerin hat sie auch die Finanzen im Blick: Nicht allein die Anschaffungskosten - das neue Gotteslob sei auch größer als das alte und passe daher nicht in die vorhandenen Ablagen der Kirche. Neue Ablagen müssten angeschafft werden.

Peter Arnold, Wachenrother Organist, Musiker und Dirigent, sieht dem neuen Gotteslob sehr gelassen entgegen. "Man wird sich daran gewöhnen", meint er. In die Ausgabe des Bistums Würzburg hat er schon mal hineingeschnuppert. Arnold hat auch zusammen mit einem Dutzend Organisten vergangene Woche in Höchstadt "etliche Lieder aus dem neuen Gotteslob durchgespielt" und durchgesungen".

Alte Lieder zurückgekehrt

Das neue Buch sei übersichtlicher als das alte, findet Arnold. Es gebe schwarze, graue und rote Schrift. Darüber hinaus manches, das vom allgemeinen Teil in den Bistumsteil verschoben wurde und auch umgekehrt. Neben neuem geistlichem Liedgut gebe es auch alte Lieder, die "zurückgekehrt sind".

Zum Bedauern des Organisten gibt es noch keine entsprechende Ausgabe für die Orgel. Dafür aber einiges, was viele Gläubige sicher überraschen wird: "Der Mond ist aufgegangen", ein Lied, das manchem aus der Schulzeit bekannt ist, findet sich im neuen Gotteslob.

"Es wird kaum jemand weinen", meinte daher der Regionalkantor. Fünfzig Prozent der Lieder seien aus dem alten Gotteslob übernommen worden. Im neuen fänden sich viele Taizé-Gesänge, "Lieder, die den ganzen Körper bewegen", Kinderlieder und auch Lieder aus der evangelischen Tradition.