Im Gespräch mit Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker (SPD) berichtete Natascha Kohnen am Dienstagabend auf der überfüllten Terrasse des "Ratskellers", was sie dazu bewogen hat, für die bayerische SPD als Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl am 14. Oktober anzutreten.

Als 18-jährige Schülerin stand sie 1985 am Bauzaun der atomaren Wiederaufbereitungsanlagen von Wackersdorf. "Ich sah die Protestcamps, die wütenden Bauern - und die Brutalität, mit der die Staatsregierung gegen den Protest der Bürgerinnen und Bürger vorging. Dieser Tag hat mich bis heute geprägt", berichtet sie von ihren Erlebnissen. Stets begleite sie der Wunsch, das Leben der Menschen in ihrem Heimatland zu verbessern.

Nach Stationen in Regensburg und Paris zog die gebürtige Münchnerin 1999 mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern nach Neubiberg. In Frankreich waren Betreuungsplätze für Kleinkinder schon damals eine Selbstverständlichkeit und nach ihrer Rückkehr auch mit einer der Gründe, sich politisch zu betätigen. Als sie im Rathaus in Neubiberg nach Krippenplätzen nachfragte, teilte ihr ein Mitarbeiter im Rathaus mit, dass es diese Plätze nicht gibt, da Frauen, wenn sie freihaben, eh den ganzen Tag nur shoppen gehen würden.

Mit einer ziemlichen Wut im Bauch über die fehlende Kinderbetreuung lief sie der damaligen Bürgermeisterin und späteren Landrätin in die Arme. Auch sie wollte die Kinderbetreuung verbessern, und gemeinsam packten sie es an. Natascha Kohnen wurde 2002 in den Gemeinderat gewählt und 2008 in den Landtag. Ab 2009 war Kohnen dann als Generalsekretärin der Bayern SPD im ganzen Freistaat unterwegs und habe Bündnisse mit Verbänden und Initiativen geschmiedet, um Bayern aus der Opposition heraus mitzugestalten. In diesen Bündnissen seien auch die Studiengebühren in Bayern beseitigt worden.

Nachdem ihre beiden Kinder auf eigenen Füßen stehen, habe sie die Zeit und auch die Energie, noch mehr Verantwortung zu übernehmen. Jüngst habe sie um den neuen Koalitionsvertrag und um bezahlbare Wohnungen gekämpft.

Ein Lob für Hiersemann

Während ihrer Tour durch Bayern habe sie mit vielen Menschen gesprochen, und diese Begegnungen und die Sorgen sowie Ängste der Menschen treiben sie umso mehr an. "Bezahlbarer Wohnraum ist ein Grundrecht der Menschen, und es kann nicht sein, dass Menschen ihren Wohnort und Heimat verlassen müssen, weil sie sich die Wohnung nicht mehr leisten können", kritisierte Kohnen.

Vor der Diskussion gab es viel Lob für die SPD-Landtagsabgeordnete Alexandra Hiersemann. "Du wirst im Landtag gebraucht und leistest eine großartige Arbeit", wandte sich Kohnen direkt an die Stimmkreisabgeordnete. In der Diskussion gab es viele Fragen zum bezahlbaren Wohnraum, zur Digitalisierung und vielem mehr, und es blieben nahezu keine Fragen offen. "Einen solch sachlichen und gekonnten Vortrag ohne Wahlkampfgetöse habe ich eigentlich nicht erwartet", meinte eine Besucherin.