Thema der Sitzung des Marktgemeinderates war die achte Änderung des Flächennutzungsplanes und das Ergebnis der öffentlichen Auslegung sowie der Bebauungsplan "Nankendorf-West". In einer mehr als zweistündigen Diskussion nahmen sowohl Bürgermeister Heinrich Süß (UWG) als auch Planer Matthias Rühl vom Planungsbüro Stadt & Land Stellung zu den eingegangen Einwendungen der Behörden und Träger öffentlicher Belange, der Bevölkerung aber auch zu kritischen Anmerkungen aus dem Gemeinderat.

Ziel des Planer und der Gemeinde ist es, den gesamten Ortsteil Nankendorf zu überplanen, bei der aktuellen Änderung "Arbeit und Wohnen" in der Planung unterzubringen und westlich der Gewerbefläche eine Wohnbebauung zuzulassen. "Von dem zertifizierten Betrieb Gumbrecht gehen keine Beeinträchtigungen aus", davon sind Planer und Gemeinde überzeugt, einige Anwohner sehen das aber anders.

Grüne lehnen ab

Gleich zu Beginn kündigte Norbert Maier für das Bündnis 90/Die Grünen an, die Änderung des Flächennutzungsplanes abzulehnen. Nach Meinung der Grünen sei die für die Firma Gumbrecht ausgewiesene Fläche für den Ortsteil viel zu groß und passe nicht in die Landschaft. In diesem Zusammenhang unterstellte Maier dem Planer eine schlechte Planung sowie einen nicht zufriedenstellende landschaftliche Planung, die Fläche sei einfach nur "hin gekleckst" worden.

Den "Klecks" wies Rühl mit aller Schärfe und als "daneben" zurück. So sei die Planung durchaus der zur Verfügung stehenden Fläche angepasst worden. Der Planer verwies auch auf einen zehn Meter breiten Grünstreifen rings um die geplante Fläche, die mit einer dreireihigen Hecke bepflanzt werden soll. "Zeigen sie mir in Weisendorf ein Gebiet, das mit einem derartigen Grünstreifen umgeben ist", so Rühl.

Friedrich Mümmler (FW) vermisste in der Sitzungsvorlage eine kritische Stellungnahme des Landratsamtes vom 3.2.2014, die in der Sitzung am 7. April behandelt worden war. "Das ist schon etwas seltsam, dass diese kritische Stellungnahme jetzt einfach verschwunden ist", zeigte sich Mümmler verwundert und wurde dabei von Ludwig Paulus (SPD) unterstützt, der darum bat, die Stellungnahmen der Anwohner ernst zu nehmen.

Daran schloss sich eine schier endlose Diskussion an und insbesondere der Satz: "Das Gewerbegebiet wird nicht nur für eine Person (Firma Gumbrecht) ausgewiesen, sondern die Gewerbeflächen reichen aus, um mehrere Firmen dort zu etablieren", brachte dann Zündstoff in die Diskussion.

Bereits in der April-Sitzung hatte Rühl darauf hingewiesen, dass durchaus die Möglichkeit bestehe, dass sich ein Zulieferbetrieb im bestehenden Betriebsgebäude oder neben der Neuansiedlung des Antragstellers niederlassen könnte. Nach einigem Hin und Her ließ der Bürgermeister dann diesen Satz streichen. Mümmler, aber auch Paulus und die BWG/FW forderten einen vorhabensbezogenen Bebauungsplan aufzustellen, um mehr Einfluss auf die Bauplanung zu haben. Zudem solle die Gemeinde die nicht benötigte Fläche übernehmen und vermarkten.

Anwohner befürchten Nachteile

Schließlich forderte der Bürgermeister, wieder zum Flächennutzungsplan zurückzukehren und die restlichen Einwendungen abzuarbeiten. Die Einwendungen der Behörden und Träger öffentlicher Belange verlangen keine gravierenden Änderungen des Flächennutzungsplanes. Dagegen sehen die Anwohner Michael, Katharina und Manfred Klinger erhebliche Mängel und Nachteile. So verletze die Gemeinde das nachbarliche Rücksichtnahmegebot, zudem würden beim Bau der Zufahrtsstraße Gebäudeschäden befürchtet. Sie werteten den Bau der Straße als enteignungsgleichen Eingriff und drohen ein zivilrechtliches Verfahren an. In der Einwendung wird zudem bezweifelt, dass ein Schweißbetrieb in dieser Konstellation überhaupt genehmigungsfähig ist, außerdem wird befürchtet, dass die Anwohner zu den Erschließungsbeiträgen herangezogen werden.

Desweiteren wird befürchtet, dass das Wasserschutzgebiet beeinträchtigt werden könnte und vom Betrieb unzumutbare Emissionen ausgehen. Außerdem unterstellen die Einwender der Gemeinde, dass vorhandene Ausgleichsflächen "klammheimlich" gerodet werden und bezweifeln insgesamt die Notwendigkeit des Gewerbegebietes. So soll die Gemeinde keine Anstalten unternommen haben, alternative Standorte, wie etwas das "Salotagelände", zu prüfen. Stattdessen ziehe es die Gemeinde vor, weitere landwirtschaftliche Flächen zu versiegeln und Einwände der Träger öffentlicher Belange zu missachten.

Auch die Anwohner Andrea und Gert Dengler stellen die Gewerbeflächen infrage und wollen keine Verschlechterung der Wohnqualität.

Mit 18 gegen die zwei Stimmen wurde schließlich die Änderung beschlossen, und der Flächennutzungsplan geht wieder in die öffentliche Auslegung. Gegen den Bebauungsplan mit integriertem Grünordnungsplan "Gewerbegebiet Nankendorf-West" stimmten sowohl Friedrich Mümmler, als auch die beiden Grünen, die ihre Ablehnung protokollieren ließen.