Wenn es jetzt früher Nacht wird, finden sich vielerorts Kürbislichter. Die Kürbisse sind mit ihrem leuchtenden Gelb oder Orange inzwischen auch ein fester Bestandteil bei Erntedankfesten. Eine moderne Variante ist es, dem Kürbis ein Gesicht zu verpassen und das Teil durch eine hineingestellte Kerze bei der Nacht besonders gruselig wirken zu lassen. Aber wie war das hier im Fränkischen früher?

Da der Garten mit seinem Gemüse und dem Obst für die Versorgung der Familien nötig war, gab es in Herzogenauracher Gärten früher wenig Platz für ein rankendes Gewächs wie den Kürbis, der große Flächen abdeckte und außerdem "den Boden auszog", wie die allgemeine Formulierung lautete.

Wenn aber eine derartige Frucht im Garten heranreifte, dann war es nicht üblich, mit einem Kürbis - einem Nahrungsmittel - derartig verschwenderisch umzugehen. Kürbis süß-sauer eingemacht diente im Winter als willkommene Beilage zum Essen am Mittagstisch. Doch die fränkischen Kinder hatten eine andere Möglichkeit, "leuchtende" Zeichen in der dunklen Jahreszeit zu setzen. Und das schon lange, bevor Halloween sich in unserem Kulturkreis einbürgerte.

Denn viele Anwesen hatten Haustiere, die auch im Winter versorgt werden mussten. Kühe, Ziegen und Stallhasen bekamen Heu und Getreide. Für die nötigen Proteine und Mineralstoffe sowie Flüssigkeit sorgten die Futterrüben oder Runkelrüben, die als "Dorsch'n" in und um Herzogenaurach oder "Rangers'n" im Höchstadter Raum bezeichnet wurden. Die Rüben sind eine so genannte Hackfrucht mit einem hohen Anteil an Protein- und Mineralstoffen. Sie gehören zu den Fuchsschwanzgewächsen und tragen den lateinischen Namen Beta vulgaris.
Die Rangersn sind universell einsetzbar, auch die Hühner pickten sich das Beste heraus. Für die Kühe mussten sie mit einer großen Stopfmaschine zerkleinert werden, damit die Tiere sie leichter aufnehmen konnten.

Die Rübe diente aber auch als Armeleute-Essen, es gibt nicht wenige Rezepte dazu. Besonders während des Ersten Weltkriegs waren die sogenannten Steckrübenwinter gefürchtet. Allerdings werden Futterrüben in der heutigen Zeit kaum mehr angebaut, die Landwirte sorgen vielmehr mit Silage für Proteine und Mineralstoffe bei ihren Kühen.


Viel Pflege nötig


Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass die Rüben als Hackfrucht eher arbeitsaufwändig sind. Die zweijährige Pflanze bildet im zweiten Jahr einen Fruchtstand aus, wenn sie den Winterfrost überlebt. Denn üblicherweise werden sie vor dem ersten Frost geerntet und im Winter so eingelagert, dass ihr die niedrigen Temperaturen nicht schaden können.

Dorschn oder Rangersn hatte fast jede Familie im Herbst eingelagert. Auf ein paar Exemplare mehr oder weniger kam es also nicht an. Die Kinder machten sich deshalb den Spaß, die großen und gutgewachsenen Exemplare auszuhöhlen und mit einer Kerze versehen vor dem Haus, auf der Fensterbank oder am Zaun zu postieren - um vielleicht doch den einen oder anderen etwas zu erschrecken. Dabei legten die Kinder natürlich großen Wert darauf, das größte oder schönste Exemplar ihr eigen zu nennen. Es gab quasi einen richtigen Wettstreit. Mit den Futterrüben ist dieser Brauch fast schon verschwunden.

Nach alter Tradition und unter Anleitung seines Großvaters hat der Herzogenauracher Justus Welker in diesem Jahr wieder eine Rübe mit einem Messer ausgehöhlt. Dabei lernte er auch gleich die Unterschiede zum Kürbis: Der hat oft innen einen Hohlraum und man muss nur durch die Wandung schneiden. Außerdem ist das Innenleben weicher. Bei der Rübe muss dagegen mühsam das kompakte Innenleben herausgeholt werden, bevor man das Gesicht einschneiden kann.

Da das Jahr heuer eher trocken war, sind die Exemplare auch nicht so groß gewachsen. Da das Aushöhlen der Rübe eher mühsam ist, wundert's nicht, dass in neuerer Zeit eher Kürbisse dafür genommen werden.
Der Kürbis kommt in der weiteren Umgebung aber auch noch anders zu Ehren. Beim Erntedankfestzug in Muggendorf (Landkreis Forchheim) waren besonders aufwändig gestaltete Exemplare dabei.

Die beschnitzten Exemplare rahmten die Erntekrone ein. Mit der Jahreszahl 2012 versehen, war einer zusätzlich mit einer Kirchensilhouette verziert. Aber auch biblische Themen wie Adam und Eva am Baum der Erkenntnis, um dessen Stamm sich die Schlange ringelt; schmückten die Exemplare. Das erhabene Relief wird mit einem Schnitzmesser wie ein Druckstock für einen Linoldruck angefertigt.