Aufatmen bei der "EKO Stein": Die Beamten der Ermittlungskommission haben zwei junge Männer aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt festgenommen, die Pflastersteine und Europaletten von den Autobahnbrücken A 3 und A 73 geworfen haben sollen.

Doch die Angst vieler Verkehrsteilnehmer bleibt: Wenn auf der Autobahn eine Brücke in Sicht ist, auf der Menschen stehen, kriecht ein mulmiges Gefühl durch den Körper, die Hände umklammern das Lenkrad. Wie lassen sich die Taten von Steinewerfern verhindern?

Nach einem Artikel im FT über eine Anwohnerbefragung in Baiersdorf meldete sich Leser Gerhard Koller. Mit großer Betroffenheit habe er den Bericht über die Steinewerfer gelesen. "Dabei werde ich immer an die Frau eines Kollegen erinnert, die durch einen solchen Steinwurf vor einigen Jahren in Italien ums Leben kam", berichtet Koller.


Gitter an allen Brücken

In Italien habe man nach seiner Meinung vorbildlich reagiert: An allen Autobahn- und Eisenbahnbrücken seien dort inzwischen über zwei Meter hohe Gitter angebracht, um solche Anschläge weitestgehend zu verhindern. "Warum macht man das in Deutschland nicht?", fragt sich Koller. Schließlich kämen solche Anschläge in Deutschland fast täglich vor. "Der Aufwand ist minimal im Verhältnis zu dem, was sich verhindern lässt", findet Koller.

Könnten Zäune die Lösung für solche brutalen Anschläge sein? Die Autobahndirektion Nordbayern, die für Brücken über die Autobahnen in Nordbayern zuständig ist, hält sich bedeckt: "Derartige Straftaten können durch einfache konstruktive Maßnahmen auf den Brücken nicht verhindert werden", teilt Edith Kolarik, Pressesprecherin der Autobahndirektion Nordbayern, mit.

Auf den Brückenkappen würden standardmäßig Geländer als Absturzsicherung montiert. Zusätzliche Vorgaben gebe es von Seiten des Bundesverkehrsministeriums nicht.

Wie sich solche Anschläge verhindern lassen, darüber macht man sich auch beim ADAC Gedanken. Brücken mit Zäunen oder Netzen auszustatten, sei bei der Anzahl an Brücken ein fast unmögliches Projekt, sagt Florian Wagner-Heuzeroth, Sprecher des ADAC Nordbayern. Abgesehen von den horrenden Kosten sei nicht sicher, dass Täter davon abgeschreckt werden. "Wer wirklich eine solche Straftat begehen möchte, findet leider auch trotz Zäunen und Netzen seinen Weg", betont der ADAC-Sprecher.

Auch andere Ansätze würden nicht den erhofften Erfolg bringen. "Videokameras können nur eine abschreckende Lösung sein, die lediglich im Nachhinein bei der Ermittlung der Täter hilfreich ist", erklärt Wagner-Heuzeroth. Hinzu komme dabei der Datenschutzfaktor: Jeder, der eine Brücke betritt, werde automatisch gefilmt und kriminalisiert. Ein eingeschränktes Aufenthaltsrecht für Fußgänger sei ebenfalls keine zufriedenstellende Lösung. "Wie kann man kontrollieren, ob sich ein Senior zum Beispiel nur kurz bei der Überquerung ausruht oder ein Steinewerfer am Brückenrand steht?", sagt Wagner-Heuzeroth.

Konkrete Forderungen, was die Sicherheit vor Steinewerfern auf Autobahnbrücken betrifft, habe der ADAC nicht. "Der Grund ist, dass es bisher kein Konzept gibt, das wirklich umsetzungsfähig ist." 100 Prozent schützen könne man sich nie. Aber: "Man sollte durch vorausschauendes Fahren die Brücken im Auge behalten", sagt Wagner-Heuzroth.

Wer während der Fahrt auf einer Brücke Menschen entdeckt, sollte die Fahrspur wechseln. Den Unterschied zwischen Passanten und möglichen Steinewerfern erkenne man meist erst kurz vor der Brücke. Der ADAC-Sprecher rät: "Im Zweifelsfall sollte man lieber einmal zu viel als einmal zu wenig die Polizei kontaktieren und seine Beobachtung melden."