Stefan Müller hatte gestern zwei Menschen, die ihm ganz besonders die Daumen gedrückt haben: Ehefrau Christine und die siebenjährige Tochter. Ihre Unterstützung war erfolgreich. Vor den Bildschirmen im Landratsamt freute sich die Gattin am Abend über die 48,5 Prozent, mit denen Stefan Müller das Direktmandat im Wahlkreis Erlangen für die CSU verteidigte - 3,4 Prozent mehr als vor vier Jahren.

Müller musste bis 18.52 Uhr warten, bis das erste Landkreis-Ergebnis aus Vestenbergsgreuth in den Rechnern in Erlangen ankam. Hatten vorher schon die ersten Stimmbezirke in der Stadt Erlangen Müller deutlich vorne gesehen, lag sein Stimmenanteil in Vestenbergsgreuth weit über 50 Prozent. "Ich bin sehr zufrieden und sehe das Ergebnis als Bestätigung meiner Arbeit in den vergangenen elf Jahren", sagte der CSU-Bundestagsabgeordnete, als sich sein Wahlkreisergebnis festigte.


Sein persönliches Abschneiden und das seiner Partei schreibt Stefan Müller auch "der guten deutschlandweiten Stimmung" für die Union zu. Sie und Kanzlerin Angela Merkel seien für ihn der erste Wahlsieger. Mit 50 Prozent, was acht Prozent bundesweit entspricht, habe die CSU einen ordentlichen Anteil am Gesamtergebnis.


Noch keine Regierungsbildung
"Wir müssen heute Abend noch keine Regierung bilden", sagte der Parlamentarier auf die Frage, wie es jetzt weiter geht. Der Auftrag zur Regierungsbildung liege jedenfalls bei der Union. Was das Ergebnis für ihn persönlich bedeute, darüber wollte er nicht spekulieren.

 

"Zweiter Mann in der Fraktion ist manchmal besser als vierter in einem Ministerium", meinte der parlamentarische Geschäftsführer der CSU, der diese Aufgabe auch gerne weiter machen würde.

Wenn für sie alles so läuft, wie es sich gestern Abend abzeichnete, könnte Martina Stamm-Fibich aus Möhrendorf bald Müllers Kollegin aus dem Wahlkreis Erlangen in Berlin werden. Die SPD-Kandidatin aus Möhrendorf macht sich große Hoffnungen, über die bayerische SPD-Liste den Einzug in den Bundestag zu schaffen. Die Bayern-SPD hofft auf 20 Abgeordnete, Martina Stamm-Fibich startete auf Listenplatz 18.


"Höchstadt eine Katastrophe"
"Wenn man sieht, was die Bundes- und Landes-SPD hat, bin ich persönlich mit meinem Ergebnis zufrieden", sagte die Marketing- und Kommunikationsmanagerin, die sich bundesweit ein besseres Abschneiden ihrer Partei erhofft hatte.

In ihrem Wahlkreis war für sie das Erststimmenergebnis in Höchstadt "eine Katastrophe", nur 19,5 Prozent.

Geschockt war Martina Stamm-Fibich allerdings vom Ausscheiden der FDP: "Einen Bundestag ohne FDP hätte ich mir nie vorstellen können."

Auch für Elke Weis, der FDP-Fraktionssprecherin im Kreistag, war ein solches Debakel ihrer Partei unvorstellbar. Sie konnte schon nach der ersten Hochrechnung die Enttäuschung über das Abschneiden der FDP nicht verbergen. "Die FDP muss sich auf ihre wirklichen Werte zurückbesinnen", forderte sie. Die Partei müsse auch anders gemanagt werden. Nur Sachthemen alleine würden nicht funktionieren. Elke Weis stellt fest, es fehle bei der FDP an Führung im Land und im Bund.

Lange blieben nicht nur die unterschiedlichen Besucher im Landratsamt vor den Bildschirmen im Ungewissen, ob die Union die absolute Mehrheit schafft oder nicht.

Hausherr Landrat Eberhard Irlingers (SPD) Kommentar dazu: "Ich traue ihnen auch Schwarz-Grün zu."

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