Der Weg zum Start des neuen Gesangstudios "Tausendkunst" an Ostern war nicht einfach. Genau diese Geschichte stellte das Ensemble rund um Cornelia Schmid und Christian Kaltenhäußer mit ihrem "Märchen von zweien, die auszogen das Singen zu lehren" den Premierengästen vor.

Wie Walter Giller einst in seinen "Geschichten zur Guten Nacht" startete auch Kaltenhäußer sitzend in einem altertümlichen Sessel mit einem dicken und schweren Märchenbuch. Das Märchen erzählte von den zwei Barden, die erst nach einigen Umwegen zu ihrem Schlösschen kamen. Zuvor mussten sie sich allerdings mit einem König, seiner Fee, einem Gnom, Zwergen sowie einem Rat auseinandersetzen und sich mit diversen Zauberern - "Bauvorlageberechtigten" - verbünden. Das führte dennoch zu einer Verschiebung der Einweihung. Um zu verdeutlichen, dass es sich um einen längeren Weg handelte, wurde dieses Märchen von beiden auch in mehreren Teilen vorgetragen.

Musik kennt keine Grenzen

Und trotzdem war die Stimmung bei der Einweihungsfeier freudig bewegt. Zum Zeichen, dass sie die Freude an der Musik, trotz des langen Weges, nicht verloren hatten, sangen sie zum Intro "Music was my first love" im Duett. Die Choreographie war perfekt abgestimmt und einstudiert, sie kokettierten sogar mit ihren auf die Vorhangwand projizierten Doppelgängern.

"Weil man Tausendkunst nicht allein machen kann", so die beiden Hauptakteure, "haben wir uns weitere Kollegen eingeladen." Mit Herbert Dotzauer am Klavier sang Schmid von Astor Piazolla ein Ave Maria, Christian Kaltenhäußer begleitet von Britta Köstner "Fünftausend Taler" die Arie des Schulmeisters Baculus aus dem Wildschütz von Albert Lortzing.

Beide stellten aber nicht nur ihre Gesangskünste, vielmehr auch ihr komödiantisches Talent unter Beweis. Schmid mit einem Stück aus den lustigen Weibern von Windsor von Otto Niolai. Kaltenhäußer erklärte, begleitet von Andrea Kaschel am Klavier, mit einem Couplet von Friedrich Holländer, wie das Bœuf Stroganoff entstand. Mit der Unterstützung von Marla Saris und dem Musiker Thilo Zetzmann sowie vier Puppen gelang der Beitrag "Da, wo man singt, da lassen wir uns nieder", die Uraufführung von "Lieder haben keine Grenzen!"

Segnung durch die Pfarrer

Die Räume wurden durch Stadtpfarrer Helmut Hetzel und Pfarrerin Andrea Schäfer gesegnet und den zwei Künstlern ein Kreuz übergeben. Für die beiden Theologen sind Stimme und Singen ein Geschenk Gottes, das sie weitergeben können. Die Geistlichen trugen vor: "Mit Musik werden Emotionen ausgedrückt. Die Beispiele für Gesang in der Bibel sind vielfältig. So singt Miriam, David ist mit seiner Musiktherapie bei König Saul erfolgreich, auch die Psalmen wurden in Gesangsform vorgetragen." Die beiden Akteure freuten sich: "Es war uns wichtig, dass wir diesen Segen bekommen haben - und jetzt kann eigentlich nichts mehr schief gehen."

In den Räumen ihrer Gesangschule wollen die beiden Künstler die Ausstellungsmöglichkeit für unterschiedliche Spielarten der bildenden Kunst bieten. Zur Eröffnung wurde bereits die Herzogenauracherin Elisabeth Hochleitner mit Kunst und Keramik gewonnen. Der Name, den sich die beiden Macher ausgedacht haben, trifft es also auf den Punkt: Tausendkunst.