Margot Zenger war schlicht und einfach begeistert. "Das ist ein ganz anders Ding", sagte sie und zog den Vergleich mit früheren Jahren, als die Musikinitiative Herzogenaurach (MIH) ihr Highlight der närrischen Session noch im Vereinshaus abhielt. Dichtes Gedränge herrschte auch dort, doch die Atmosphäre hat zum Schluss da nicht mehr gepasst.

"Wir wollen es familiärer haben", lautete die Überzeugung im MIH-Vorstand, und so wechselte man letztes Jahr in die eigene Location auf der Music Base. Und dort ging er nun zum zweiten Mal in dieser Form über die Bühne - kleiner, weniger Leute, familiärer. Aber von der Stimmung umso besser.

"Vom ersten Lied an war super Stimmung", bilanzierte die Herzogenauracherin als eine von rund 200 Besuchern am Samstagabend. Mehr verträgt die Base nicht, aber mehr sollen es auch gar nicht sein. Beste Stimmung also, und trotzdem "irgendwie familiär". Das bescheinigten auch andere Gäste. Jeder spricht mit Jedem, viele kennen sich ohnehin, und alle lassen sich von der Musik mitreißen und "zappeln rum".
Und das, obwohl das Durchschnittsalter im Publikum deutlich gehobener ist als bei den Massenevents im Vereinshaus. "Das schöne ist, dass auch Ältere da sind. Nicht die ganz Jungen wie im Vereinshaus", bescheinigte Marion Dorschner.


Der Schlager: "Die Schmitz"

Die angesprochene Altersgruppe fand sich auch auf der Bühne wieder. Als Faschingskracher trugen erneut "Die Schmitz" die für eine solche Party unabdingbar erforderliche Gaudi bei, mit Schlagern und einstigen Gassenhauern wie "Marmor Stein und Eisen bricht" oder das Lied vom griechischen Wein von Udo Jürgens. Keine Frage, dass sich Sänger "Gerhard Schmitz" (Gerhard Heger) wie das große Vorbild Udo Jürgen Bockelmann zum Finale in den Bademantel schmiss.

"Die Schmitz" sind eine Spaßgruppe von Musikern aus der MIH selbst. Alle spielen sie noch in anderen Bands mit. Ihr Motto lautet "Ein bisschen Spaß muss sein", und genau das sprang aufs Publikum über. Das allerdings erst gar nicht groß aufgeheizt werden musste, denn das hatte schon die Hauptband des Abends, "React" aus Höchstadt, erfolgreich erledigt. Beim Rockfasching auf der Base spielen jeweils zwei Bands, wobei der Topact eingangs eine Stunde einheizt, um dann den Schmitz die Bühne zu überlassen und nach deren Part erneut das Kommando zu ergreifen. Das ist das Konzept seit 2017.

"React", zum ersten Mal Gast bei der MIH, rockte die Base bis in die frühen Morgenstunden. Und es sollte sicher nicht zum letzten Mal gewesen sein. Wie schrieb Jörg Heydt von der MIH, der als "Jörg Schmitz" zuvor selbst auf der Bühne stand, am Sonntagmorgen auf Facebook an die Gastband: "Freund der Liebe, habt ihr gestern die Kuh bei uns in der Music Base fliegen lassen. Vielen Dank für den Hammerabend, den wir erleben durften." React antwortete prompt: "War richtig geil bei euch gestern." Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.


"React" mit Brick House

Manche waren zum ersten Mal droben auf der Music Base. Und zeigten sich erstaunt, was da geboten wird. Wenn nicht gerade Liveauftritte sind (einmal im Monat mindestens), proben dort in den 23 Container-Räumen rund 30 bis 40 Bands.

Doris Huber aus Niederndorf feierte Premiere bei einer MIH-Veranstaltung und war angetan. Sonst sei immer ihr Sohn da droben, der probt in einer dieser Bands. Diesmal durfte die Mama mit ihrem Freund, aber ohne Junior: "Das wäre ja auch peinlich", schmunzelte sie.

Und dann wurde abgetanzt, auf der kleinen Fläche vor der Bühne, oder einfach irgendwo. Manch einer staunte, was "React" so alles im Programm hatte. Vor allem eben auch ältere Songs, die man sonst nur auf 70-er oder 80-er Partys zu hören bekommt, aber eher selten live. Welche Band spielt schon Brick House von den Commodores, oder das "Ain't nobody" von Chaka Khan oder Mothers Finests "Baby Love"?