In der Innenstadt von Herzogenaurach ist Michael Dassler so gut wie jeden Tag. Weniger zum Einkaufen. Dazu fährt er dann doch lieber nach Erlangen. Vielmehr zum Bummeln oder Spazierengehen, vor allem sonntags mit seiner Frau Britta. Unbemerkt bleibt der Landratskandidat der FDP dabei nur selten. Kaum einer, der ihm in Herzogenaurach begegnet, der ihn nicht kennt, der ihn nicht grüßt. "Das ist so schön hier. Jeder kennt jeden", freut sich der 48-Jährige, als er auf den Marktplatz abbiegt.

Doch Dassler weiß, dass er nicht jeder ist. Dass man ihn kennt. Auch über Herzogenaurach hinaus. Vorsitzender der Förder- und Werbegemeinschaft. Einst langjähriger Stadtrat der CSU. Und schließlich Enkel des legendären Puma-Gründers Rudolf Dassler. "Das hatte aber nicht immer nur Vorteile", betont er prompt. Nach seinem Wirtschaftsstudium lehnten mehrere Unternehmen seine Bewerbung ab. "Weil sie dachten, dass ich nach drei Jahren eh wieder zurück in den elterlichen Betrieb gehe", sagt der heute selbstständige Vermögens- und Anlageberater.

Verständnis für den Vater
Seine Schritte auf dem holprigen Pflaster führen durch den Schnee. Über seinen schwarzen Anzug trägt er einen grauen Mantel. Die blau-rot gestreifte Krawatte spitzt aus dem Kragen. Vor dem Geburtshaus seines Vaters bleibt er stehen. Sein Blick schweift über die Fassade. Seine Herkunft hat ihn geprägt, keine Frage. Sein Vater, Armin Dassler, Puma-Chef für Jahrzehnte, war berufsbedingt nicht oft zuhause. Dassler sah ihn nur selten.

Obwohl er dafür immer Verständnis hatte, wusste er, dass er das bei seiner eigenen Familie mal anders machen will: "Mir war klar, dass ich sonst etwas ganz Wichtiges verpasse."

Seinen beiden Söhnen hat er seine Leidenschaft für Politik mit auf den Weg gegeben. Immer wieder wird zuhause gemeinsam am Tisch diskutiert. Der 19-jährige Maximillian kandidiert jetzt sogar für den Stadtrat und Kreistag. "Wir sind jetzt aber nicht ideologisch verbohrt", bekräftigt Dassler. Doch er ist stolz. Das sieht man ihm gleich an. Immerhin war er auch selbst früh, mit gerade mal 15 Jahren, politisch aktiv und wurde Mitglied der Jungen Union.

Im Café Römmelt angekommen, wo er erneut mit Handschlag und Schulterklopfer begrüßt wird, bestellt er sich einen großen Cappuccino. Ohne Zucker. Schwarz. Denn ohne Koffein geht bei ihm gar nichts. Schon gleich nach dem Aufstehen, kurz nach 6.30 Uhr, geht sein erster Gang zur Kaffeemaschine. Vor Mitternacht kommt er nicht ins Bett.

Die Wahl beschäftigt ihn den ganzen Tag, Termine gibt es fast täglich. "Zwischen den einzelnen Stationen drehe ich die Musik im Auto gerne mal auf. Aktuell die neue Platte von Bruce Springsteen", sagt der Politiker. "High hopes" ist sein Lieblingstitel. Passend zu den Hoffnungen, die er in seine Kandidatur setzt. "Ich hoffe auf eine Stichwahl", sagt Dassler mit der Tasse in beiden Händen.

Von der CSU zur FDP
"Viele Menschen haben in den letzten Wochen erkannt: Ganz ohne FDP geht es auch nicht." Im Februar kommt sogar der Bundesvorsitzende Christian Lindner nach Herzogenaurach. Auf seine Initiative. Wieder blitzt der Stolz in seinen Augen. Wer mit ihm im März in der Stichwahl stehen könnte? "Tritthart. Wir sind ein relativ konservativer Landkreis."

Am Nebentisch sitzt sein ehemaliger Parteikollege und jetziger Bürgermeisterkandidat der CSU: Matthias Düthorn. Zehn Jahre lang saß Dassler für die CSU im Stadtrat, 2008 wollte er aus "parteiinternen Gründen" nicht mehr antreten. Ein Jahr später trat er aus der Partei aus, wurde Mitglied bei der FDP. "Ihr Programm hat mich viel mehr angesprochen als das der CSU. Meinungen ändern sich." Teile der Herzogenauracher CSU nehmen ihm diesen Wechsel bis heute krumm. An Dassler prallt das allerdings ab. "Hätte ich Karriere machen wollen, wäre ich in der CSU natürlich dreimal besser aufgehoben gewesen", gibt Dassler offen zu. Doch um eine Karriere geht es ihm nicht. Er will sich selbst treu bleiben, will weiter in den Spiegel schauen können, will Erlangen-Höchstadt voranbringen.

Rund 100 Mitglieder hat die FDP im Landkreis. Bezirksvorsitzender Jörg Rohde kam bereits Anfang vergangenen Jahres auf ihn zu, ob er sich nicht eine Kandidatur als Landrat vorstellen könnte. "Ich hab mich mit meiner Frau beraten und dann ziemlich schnell dafür entschieden", erinnert sich Dassler.

Inzwischen ist er längst mittendrin im Wahlkampf. Sogar eine eigene App hat er. Die Michael-Dassler-App. Mit ihr ist der Wähler immer up to date. Wenn Dassler Hände schüttelt. Stellung bezieht. Seine Meinung sagt. Zum Beispiel zum Bau des neuen Landratsamts in Erlangen. "Ich habe für ein Landratsamt im Landkreis plädiert.

Darüber brauchen wir jetzt nicht mehr diskutieren", meint er resigniert und umklammert seine inzwischen leer getrunkene Tasse. Viel mehr ärgern ihn die Kosten. War am Anfang noch von 20 Millionen Euro die Rede, wird inzwischen von 37 Millionen Euro gesprochen. "Und den ersten Spatenstich hat es noch nicht mal gegeben."
Statt eine Obergrenze an Ausgaben festzusetzen, würden Büros für Mitarbeiter geplant, die erst in zehn Jahren eingestellt werden. "Das geht nicht. Das ist das Geld unserer Bürger." Dassler erhebt leicht seine Stimme. Scheint jetzt - wo es nicht mehr ums Private, sondern ums Politische geht - deutlich redseliger. Energischer. Blüht auf.

Lieber Busse statt StUB
Ganz deutlich spricht er sich auch gegen die geplante Stadt-Umland-Bahn (StUB) aus. Investitionskosten von 500 Millionen Euro, dazu jährlich 15 Millionen Euro Kosten für den Landkreis für den Betrieb - nicht mit Dassler: "Eine Fahrt von Nürnberg nach Herzogenaurach dauert eine Stunde zwanzig. Ich glaube kaum, dass Mitarbeiter von Schaeffler, Puma oder Adidas so lange unterwegs sein wollen." Zwar plädiert auch er für eine verbesserte Verkehrsanbindung, doch hätte ein ausgedehntes Netz von Busverbindungen für ihn einen viel größeren Nutzen für die Bürger: "Das ist die flexibelste Lösung!"

Inzwischen hat Dassler gezahlt. Ist zurück in der Hauptstraße. Nachdem der Herzogenauracher in Boston und Genf studierte, außerdem vier Jahre in Köln lebte, ist er froh, jetzt wieder hier zu sein. Bei seinen Wurzeln. "Aber ich denke, es kann nicht schaden, wenn der zukünftige Landrat ein bisschen was von der Welt gesehen hat."

Eigentlich hätte er jetzt noch einen Termin, doch der wurde verschoben. Zeit zum Ausruhen gönnt sich der Kandidat deshalb aber noch lange nicht. "Ich werde ein bisschen Büroarbeit machen, mich auf die Podiumsdiskussion zur Energiewende in Herzogenaurach vorbereiten." Vor allem mit seiner Frau Britta, FDP-Stadträtin in Herzogenaurach, bespricht er alles, was ansteht. "Sie ist meine Wahlmanagerin." Und so wird auch so mancher Sonntagsspaziergang in Herzogenaurach zum politischen Gedankenaustausch.

Zur Info:

In einem Porträt möchten wir Ihnen die fünf Landratskandidaten für Erlangen-Höchstadt genauer vorstellen. Michael Dassler (FDP) machte den Anfang. Als nächstes erwartet Sie Christian Pech von der SPD.