Wenn Mechthild Glab mal wieder so richtig ausspannen will, verbringt sie ihre Zeit mit Gisela, Tilmann und Kalle. Bei ihnen kann sie sich gehen lassen. Den Kopf ausschalten. Entspannen. Auch, wenn es dabei durchaus laut werden kann. Denn Gisela, Tilman und Kalle sind nicht gerade die schweigsamsten Zeitgenossen, sondern eine Kettensäge, ein Mähtraktor und ein Handrasenmäher - angeschafft für ihren Garten, direkt neben dem gerade erst letztes Jahr gebauten Haus in Lappach.

Mit ihnen findet die SPD-Bürgermeisterkandidatin ihren Ausgleich. Stillt ihren großen Tatendrang. "Ich bin eher die Frau fürs Grobe", sagt die 33-Jährige von sich selbst.

Politik liegt in der Familie

Übertragen auf ihre Kandidatur, Bürgermeisterin werden zu wollen? "Ich packe an, kann Dinge schnell umsetzen, denke nicht in Problemen - sondern in Lösungen." Glab wäre die erste weibliche Rathaus-Chefin Höchstadts, die erste gewählte Bürgermeisterin aus einem Ortsteil. Seit sechs Jahren sitzt sie im Stadtrat. Genauso wie es ihre Eltern bereits jeweils sechs Jahre getan haben. Darauf gebracht, sich überhaupt kommunalpolitisch zu engagieren, hat sie allerdings ein anderer: Paul Neudörfer, Höchstadts SPD-Urgestein.

Er wollte 2008 eigentlich die Eltern Glabs überreden, sich noch einmal für den Stadtrat aufstellen zu lassen. Doch die wollten nicht mehr und schickten ihn kurzerhand zu ihrer Tochter, dem ältesten ihrer vier Kinder. "Und dann stand er auf einmal vor meiner Tür", erinnert sich Glab und muss lachen, während sie sich an der Maschine in ihrer Küche einen Kaffee zubereitet. Nach ein paar Tagen Bedenkzeit, vor allem mit ihrem Partner Benjamin, war klar: Sie macht's. Dabei war sie zu dieser Zeit noch nicht einmal SPD-Mitglied. Jetzt schon. "Mit mir sind wir Glabs in der fünften Generation in der SPD."

Mit Politik kam die Diplom-Kauffrau aber schon von klein auf in Berührung. In ihrem Elternhaus - die Mutter Lehrerin in der Höchstadter Mittelschule, der Vater auf dem Gymnasium in Herzogenaurach - war immer die Rede davon, wurde viel diskutiert, manchmal auch gestritten. "Wir wurden selbstständig erzogen. Es wurde uns nie etwas vordiktiert", erinnert sich die stellvertretende SPD-Fraktionssprecherin.

Ihren Kaffee hat sie inzwischen schon längst leer getrunken. Den braucht sie immer, wenn sie von der Arbeit bei Röckelein in Wachenroth nach Hause kommt. Vor und während ihres BWL-Studiums arbeitete sie zunächst ehren-, dann hauptamtlich als Rettungsassistentin beim Roten Kreuz in Erlangen. Die junge Kandidatin baute mit ihrem Verlobten direkt neben ihren Eltern und ihrem Großvater. Auch zwei ihrer Geschwister wohnen direkt daneben. Nur ein Bruder wohnt in Berlin. "Berlin ist toll - aber wenn man das Weitläufige gewohnt ist. Ich brauche das." Deshalb steht sie inzwischen auch schon draußen bei den Hühnern, 16 insgesamt. "Ich füttere sie, hole ihre Eier, aber ich berühre sie nicht. Ich habe Angst vor dem Schnabel", gesteht sie, während sie in kürzester Zeit von ihnen umringt ist. Zurück geht ihre Berührungsangst auf ein Trauma in der Kindheit: "Wir hatten mal einen bösen Hahn. Der mochte keine Frauen", erzählt sie und muss wieder lachen. Glab ist gut drauf, eine Frohnatur, legt nicht alles auf die Waagschale.

Ihr "Ruhepol" ist ihr Verlobter. Im Juni feiern sie ihre Hochzeit. Seit zehn Jahren sind sie ein Paar. Letztes Jahr im Oktober machte er ihr im Urlaub einen Antrag. Am Strand bei Ginestar, in der Nähe von Barcelona. Dort haben ihre Eltern ein Ferienhaus. Die lernten sich in Barcelona, während des Abiturs, kennen und lieben. Glabs Vater lebte 13 Jahre dort, ihre Mutter vier Jahre. "Wir sprechen alle fließend spanisch. Spanien ist unsere zweite Heimat." Die Magnete auf ihrem großen, silbernen Kühlschrank bezeugen das. Lauter Erinnerungen an vergangene Urlaube.

Café und Ambiente fehlen

Und Mechthild Glab sagte in dem besagten Urlaub nicht nur zu einer Heirat "Ja". Sondern auch zu ihrer Kandidatur als Bürgermeisterin. Wieder besprach sie die Anfrage mit ihrem Partner. Dann ging alles ganz schnell: Im November wurde sie nominiert. Und sie hat viel vor. Vor allem will sie die Innenstadt "wohnlicher" machen: "Sie so gestalten, dass man da auch gerne mal durchschlendert." Doch wie, das will sie nicht alleine entscheiden. Alleingänge sind nicht ihr Ding. Auch nicht innerhalb der SPD. "Ich setze auf Teamarbeit, auf Kommunikation." Deshalb möchte Glab alle Einzelhändler an einen runden Tisch einladen. Noch vor der Wahl. Um Input zu sammeln. Ihre Vorstellungen. Ihre Ideen. Was ihrer Meinung nach fehlt? "Vor allem ein Café. Und einfach ein gewisses Ambiente."

Dazu gehört für sie auch ein einheitliches reguliertes Verkehrskonzept. Der Marktplatz darf mal befahren werden, mal nicht. Am Schillerplatz und am Stadttor kommt es immer wieder zu Staus. Auch dem Busverkehr möchte sie sich annehmen, möchte eine Verbindung zum Neustadter Bahnhof, oder eine Pendelverbindung zur Kirchweih und zum Altstadtfest.

Einsetzen will sich die Kandidatin auch für ausreichend Angebote in der Kinderbetreuung. "Sie müssen es jungen Leuten ermöglichen, Beruf und Familie zu vereinbaren." Und auch das Gewerbegebiet hat Glab im Auge: Der Aischpark soll für Betriebe weiterhin ein attraktiver Standort bleiben, für einheimische Firmen als auch für die Unternehmen im Bereich der Medizintechnik. "Brehm macht da gute Arbeit", sagt Glab. Ohnehin habe die SPD mit der Jungen Liste ein "kooperatives Verhältnis": "Wir arbeiten seit zwölf Jahren gut miteinander zusammen." Doch man müsse wandelbar sein, nicht eingefahren. "Zeiten ändern sich."

Und auch für sie könnten sich in fünf Wochen die Zeiten ändern. "Ich mache mich nicht verrückt, aber ich bin schon kämpferisch." Zur Ruhe kommen kann sie ohnehin nur schwer. Selbst beim Fernsehen macht sie meistens etwas nebenbei. Und die nächste Gartenarbeit ist bestimmt auch nicht mehr weit. Natürlich mit Gisela, Tilman und Kalle.