Statistiken sind langweilig und bestehen aus vielen Zahlen. Das kann, muss aber nicht so sein. Vor allem bei der Kriminalstatistik ist es nicht wirklich öde, wenn man sich überlegt, was einem Menschen im Landkreis Erlangen-Höchstadt so täglich zustoßen kann.

Der Einfachheit wegen, nennen wir unseren typischen Landkreisbewohner mal Max Mustermann. Der spaziert an einem beliebigen Tag im Jahr 2013 durch den Landkreis und wurde statistisch mit einer vollen Breitseite erwischt. Das erste was ihm bei seinem Rundgang entgegenkommt, ist ein anderer Mensch, der ihn einfach verprügelt. Einmal pro Tag kommt es im Kreis nämlich zu einem Körperverletzungsdelikt. Einmal in der Woche besteht die Chance so richtig schwer verletzt zu werden, die schwere Körperverletzung tritt mit 82 Straftaten im Jahr nicht ganz so oft auf.

Mustermann, der Unglücksrabe

Beruhigend ist in diesem Zusammenhang nicht wirklich, dass Max Mustermann an jedem fünften Tag von einem alkoholisierten Täter verletzt wird. Mehr Glück hat er, dass er 2013 den Rundgang tätigt, denn ein Jahr zuvor waren es 400 Fälle der Körperverletzung, also etwas mehr als einmal pro Tag.

Von der Prügelei erholt, geht Max Mustermann in einen kleinen Laden. Dort springt ihm erst einmal ein Ladendieb entgegen, als er den Laden wieder verlässt ist sein Rad weg und als krönenden Abschluss vermisst er nun auch noch sein Portemonnaie. Dreimal pro Tag eignen sich Menschen Sachen an, die ihnen gar nicht gehören.
Die Polizei unterscheidet da noch zwischen einfachen und schwerem Diebstahl. In der Jahresquote kommt es zu erstem 821 Mal, zum schwereren Delikt 402 mal. Also hatte Max statistisch noch Glück. Zumindest, dass es ihn nicht schwer erwischt hat, umso ärgerlicher ist es mit dem Rad, das wird im Jahr "nur" 195 mal entwendet, also ein schwarzer Tag für unseren "Mustermann".

Dass er seinen Geldbeutel vermisst, könnte aber auch an der eigenen Schusseligkeit liegen, denn die Zahl vom 20 Taschendiebstählen im Jahr ist fast zu vernachlässigen.

Gar nicht zu vernachlässigen ist ein anderes Ereignis, denn an einem von fünf Tagen hat Max Mustermann das Risiko in seine ausgeraubte Wohnung zurückzukehren. 67 Wohnungseinbrüche verzeichnete die Polizei im Landkreis Erlangen-Höchstadt im vergangenen Jahr. Ein besonderes Ärgernis, weil, so der die Statistik vorstellende Leiter des Abschnittes Ost im Polizeipräsidium Mittelfranken, Peter Kreisel, hier ein sehr sensibler Raum angegriffen wird. Sprich: Der Unglücksrabe Mustermann erliegt der großen Wahrscheinlichkeit in Folge auch psychische Probleme zu bekommen.

Dass diese Zahl auf Jahresniveau um fast 20 Prozent auf 67 Fälle gestiegen ist, veranlasse die Polizei dort noch aktiver als bisher zu werden. Man sei, so Kreisel, vor allem auf die Nachbarn angewiesen, die dort helfen können. Mustermann weiß, dass eine polizeiliche Fahndung sehr schwer ist, da die Täter in der Regel die Polizei "vorab riechen".

Wenige Straftaten im Vergleich

Glück hat Mustermann, dass wenigstens sein Auto in Ruhe gelassen wurde, dieses wird im Kreis in der Regel nur alle acht Tage angegangen.
Da sich unser Pechvogel auch im Internet bewegt, darf er sich im Grunde aussuchen, welchem Betrugsdelikt er erliegen möchte. Einmal pro Tag wird man entweder Opfer eines Warenkreditbetrugs, dem Erschleichen von Leistungen oder der rechtswidrigen Nutzung von erschlichenen Zahlungskarten. Da gehört neben der nicht stattgefundenen Zahlung im Internet, aber auch die Schwarzfahrt im Bus mit dazu.

Wesentlich wahrscheinlicher ist für Mustermann, dass er sein Auto beschädigt vorfindet, dass sein Häuschen im Grünen mit Graffiti beschmiert wurde oder die Laterne vor der Haustür kaputt getreten wurde. Fast zwei Mal pro Tag zerstören oder beschädigen Menschen Sachen, die ihnen nicht gehören.
Auch wenn der Drang nach so einem Tag groß ist, selbst ins Kriminelle Milieu zu wechseln oder sich wenigstens zu betäuben (immerhin 200 Verstöße gibt es im Jahr bei den Betäubungsmitteln) - Max Mustermann sollte es sein lassen. Denn erstens gilt, dass es schon mit dem Teufel zugehen muss, dass es unser Beispielsopfer so heftig erwischt. Alle Straftaten zusammengezählt und fair auf alle Landkreisbewohner verteilt, heißt, dass es nur jeden 33. Landkreisbewohner einmal im Jahr trifft. Und selbst das ist nicht ganz korrekt, weil bestimmte Taten einzelnen keinen Schaden zufügen.

Wenn zum Beispiel ein Asylant nach dem Asylrecht eine Straftat begeht, hat das oft keinen Einfluss auf Max Mustermann. Und dort kann es zum Beispiel eine anzeigepflichtige Straftat sein, dass sich der Asylant bei seiner zuständigen Behörde nicht zu einem vorgesehenen Zeitpunkt gemeldet hat. Ähnliches gilt für die Nutzung von Drogen im geschlossenen Raum. Wenn dort jemand zum Beispiel Crystal konsumiert, hat das nach außen zunächst keine weitereichende Folgen.

Für das Sicherheitsempfinden der Menschen im Landkreis gibt es andere, bedeutendere Zahlen, wie Kreisel und seine Kollegen bei der Vorstellung der Kriminalstatistik im Landratsamt im Beisein von Landrat Eberhard Irlinger erläuterten. Vor ab zu nennen ist allein die Tatsache, dass der Landkreis zu den sichersten, nicht nur in Bayern, gehört. 3885 Straftaten wurden von der Polizei verfolgt, ein Rückgang zu 2012 um vier Prozent. Bayern und auch der Bezirk Mittelfranken haben einen leichten Zugang zu vermelden. Weiterhin ist die Aufklärungsquote mit über 60 Prozent enorm - auch wenn hier ein leichter Rückgang ermittelt wurde.

Mit der so genannten Häufigkeitsquote, also der bekannt gewordenen Straftaten pro 100 000 Einwohner, steht der Kreis sehr gut da. 2961 Straftaten sind das, und damit lässt man Nachbarlandkreise wie Ansbach (3539 Fälle), Landkreis Weißenburg (3966) oder Nürnberger Land (4101) weit hinter sich.
Erfreulich sei der Rückgang bei den jugendlichen Straftätern. Um 7,3 Prozent sind die Straftaten in diesem Alterssegment zurückgegangen. 432 mal musste man dort Fehlverhalten registrieren. Landrat Irlinger freute sich über den Hinweis, dass die Präventivprogramme des Landkreises "dazu mit Sicherheit einen großen Anteil haben", so Kreisel.

Allein die Prävention im Bereich Alkoholmissbrauch, führe zwangsläufig zu Rückläufen in vielen anderen Bereichen. "Wenn bei einer Kerwa unter Security verstanden wird, dass Bursche 1 auf Bursche 2 aufpasst, dann passt das nicht!", sagt Kreisel. Hilfreicher sei es, wenn mit bunten Bändchen gearbeitet wird, wenn Verantwortliche drauf achten, dass die Jugendschutzgesetze eingehalten werden.

Sicherheit beim Bürger

Ebenfalls positiv sei, dass lediglich eine Tat und 34 Sachbeschädigungen unter die Rubrik "politisch-motiviert" fallen. Da gehöre aber das mit Wachsmalstiften gemalte Hakenkreuz auf die Straße bereits dazu, erklärte Uwe Jornitz von der Polizeidirektion Erlangen.

Die Straftaten, die das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung massiv beeinflussen, seien generell nichts so hoch, wenn auch verbesserungswürdig. Die fünf gemeldeten Straftaten gegen das Leben beinhalten zwei Fälle aus dem Jahr 2012 (so das Tötungsdelikt in Weisendorf in der Weihnachtszeit), aber auch einen "erweiterten Suizid".

Die Sexualstraftaten sind ebenfalls selten im "öffentlichen Raum" zu finden, vielmehr gehe es dort um häusliche Gewalt. In der Statistik mit aufgefasst, sind aber auch die gemeldeten Delikte, die sich später als unwahr herausstellten.

In diesem Sinne nochmals zurück zu Max Mustermann. Dem geht es laut der Polizei und der Statistik nämlich richtig gut im hiesigen Landkreis. Ob das bei der Unfallstatistik ebenfalls so ist, lesen Sie in der morgigen Ausgabe. Dann erfahren Sie, ob Senioren oder Jugendliche mehr Unfälle verursachen. Oder, warum der Hase eine wichtige Rolle in der Unfallstatistik spielt...