Sie hatten einfach Pech mit dem Wetter. Die Händler, die während der "kalten Kerwa" den ersten Martini markt bestückten, zogen keine positive Bilanz. Und nicht nur das: Manche brachen schon vorzeitig ihre Zelte ab.
Für Heike Kraus, die Kirchweih-Verantwortliche im Herzogenauracher Rathaus, ist das natürlich nicht erlaubt. "Die müssen schon alle vier Tage bleiben", sagt sie. "Auch wenn's regnet." Im kommenden Jahr werde sie verstärkt darauf hinweisen. Einen neuen Anlauf werde es 2013 jedenfalls geben. Denn die Resonanz auf die Mischung zwischen Kirchweih und Markt sei durch die Bank gut gewesen, sagt sie.

Positiver als die Händler reagierten die Schausteller. Sie hätten ihr gegenüber ausgesagt, angesichts des schlechten Wetters noch einigermaßen zufrieden zu sein. Kraus: "Die haben das sehr gottergeben hingenommen".

Dennoch: Ein paar neue Gesichter unter den Marktkaufleuten wird man wohl im kommenden Jahr nicht wieder sehen. Wie zum Beispiel Angelika Rank-Benassi (Dekoschmuck). Acht Fahrten zwischen Rattelsdorf im Landkreis Bamberg und Herzogenaurach - das lohne sich bei einem schwachen Besuch wie am Wochenende wirklich nicht. Gerade angesichts der hohen Benzinpreise. Oder Ursula Ebitsch (Kleidung) aus Bamberg. Sie hatte ihren Stand schon vor dem Ende abgebaut.

Während die einen abreisten, kam ein anderer unverhofft dazu. Konrad Graf, der mit seiner Schafwolle schon im letzten Jahr dabei war, probierte am Sonntag sein Glück, obwohl er sich nicht angemeldet hatte. Er baute einfach auf, und durfte ausnahmsweise bleiben. Die Gebühr muss er natürlich zahlen, sagte Heike Kraus.


Kritik an der Stromprüfung
Das schlechte Wetter hat auch dem Mausdorfer Thomas Rockwell (Kurzwaren) nicht gefallen, aber er sieht das gelassener: "Sonst passt's schon". Deutlich negativer reagiert Anita Groß aus Zweifelsheim, die ihre selbst gemachten Marmeladen anpries und in Herzogenaurach ja keine Unbekannte ist. "Saumäßig" sei die Resonanz gewesen, woran nicht nur das Wetter, sondern auch das Desinteresse der Leute schuld sei.

Geärgert hat sich die Ortssprecherin im Stadtrat auch über eine neue Stromregelung der Herzo Werke, die den Schaustellern und Händlern das Leben schwer mache. Solche Auflagen gebe es anderswo nicht, kritisierte sie und erhielt hier auch Unterstützung durch Michael Drliczek.

"Das ist schon ein bisschen viel verlangt", meint der Schausteller aus Fürth, der auch im Verband aktiv ist und von daher viele Kirchweihen und Märkte kennt. So werde in Herzogenaurach gefordert, dass jedes einzelne Gerät mit Stromanschluss eine Prüfplakette haben müsse, obwohl doch auch die gesamte Anlage vor Ort noch geprüft werde. Das gebe es anderswo nicht. "Selbst jeder Lichtschalter und der Handmixer brauchen eine Prüfplakette", sagt Drliczek, der seit Anfang der 90er Jahre regelmäßig auf der Sommer- und Martinikirchweih vertreten ist. So etwas gehe natürlich ins Geld.

Diese Verärgerung teilten auswärtige Händler. Obwohl sie nur zwei Lichterketten habe, müsse sie 75 Euro für die Stromprüfung bezahlen, sagte beispielsweise Eveline Rothmeier. Sie war das erste Mal bei einer städtischen Kerwa vertreten, verkaufte aber auch schon bei den Märkten der Werbegemeinschaft.

Auch Heike Kraus sind diese Stimmen zugetragen worden. Zwar gebe es eine neue Norm wohl schon seit 2007, doch die kritisierte Stromanlagenprüfung sei durch die Herzo Werke erst in diesem Jahr eingeführt worden. Mit dem Ergebnis, dass es nach der Sommerkirchweih schon einen Beschwerdebrief der Schausteller gegeben hat.


Gesprächsangebot
Ärgerlich sei halt, dass diese Kosten teilweise die Standgebühr übertrifft, sagte Kraus. Letztere ist bei den Markthändlern mit zehn Euro pro laufendem Meter veranschlagt.

Sie wolle das Gespräch mit den Werken suchen. Vielleicht könne es gelingen, dass die Kosten in den kommenden Jahren für die Schausteller und Händler wieder erträglicher würden. Ohne dass das natürlich auf Kosten der Sicherheit gehen dürfe.