Auf dem Ortsschild vor Herzogenaurachs nördlichstem Stadtteil steht es: Herzo Base. Bis auf einen Wohnhäuserblock ist das die einzige augenfällige Erinnerung daran, dass hier bis 1990 eine Militärbasis der US-Army war.
"Rechts hinter dem Gate war der Golfplatz", fängt Maja Kelz ihre Beschreibung des abgeschlossenen militärischen Geländes an. "Das war ein Stück weiter nördlich vom heutigen Puma-Gebäude", versucht sie den Nachgeborenen die Örtlichkeit zu verdeutlichen. Maja Kelz, damals Wagner, war von 1984 bis 1989 die Sekretärin des Standortkommandeurs. In ihrer Lebensgeschichte "Gott gebe mir Gelassenheit" hat sie diesen bedeutenden Abschnitt ihrer Berufstätigkeit ausführlich behandelt.

Der Chef sprach gepflegtes Englisch

Beste Erinnerungen hat sie noch an ihren ersten Chef, den Brigadekommandeur Charles M. Hood. Besonders sein gepflegtes Englisch hebt sie hervor. Das sei bei Afroamerikanern auch im Offiziersrang keineswegs selbstverständliche gewesen. Hood und seinen Nachfolgern unterstanden die vier Brigaden des 377. Feldartillerie-Bataillons. Eine war auf der Herzo Base stationiert, die anderen in Erlangen, in Ansbach und in den Merrell Barracks in Nürnberg. "Das waren Panzertruppen. Auch einen Hubschrauberlandeplatz gab es und eine Ölwechselstation", zählt Kelz auf und fügt gleich an: "Ich weiß nicht, ob das Gelände alles saniert wurde. Oder wurden die neuen Gebäude ohne Keller gebaut?"

Verbindung zum deutschsprachigen Umfeld der Truppen

"Links vom Gate war die Parking Lot und die Offizierswohnungen", versucht sie nochmals eine Beschreibung, ehe sie zu zivileren Dingen schwenkt. Denn ihrer Aufgabe war zum Teil die Verbindung zum deutschsprachigen Umfeld der Truppen. Innerhalb des Zauns fand schon damals das Adidas-Golfturnier statt. "Das Gelände gehörte zum deutsch-amerikanischen Golfclub. Adidas musste aber immer bei der Army um Erlaubnis fragen", weiß Kelz noch.

Alle Großen aus ganz Deutschland waren dort zu Gast. Beckenbauer war dabei, Franz Josef Strauß ("Der kam mit dem Hubschrauber"), Boris Becker, Rosi Mittermeier...Für sie alle übersetzte Kelz.

"Und erst recht beim deutsch-amerikanischen Freundschaftsfest." Ein Festzelt war aufgestellt, aber auch "Trucks and Tanks" - Laster und Panzer. "Da durften die Kinder raufklettern." Die sportliche Seite der Festivität war ganz amerikanisch ausgerichtet: Rugby, Bowling und Basketball. Das Turnier richtete der deutsch-amerikanische Sportclub aus. Kelz wurde auch einmal in die Auswahl genommen, obwohl sie Basketball noch nie gespielt hatte. "Wir haben haushoch verloren, aber nicht wegen mir allein", versichert sie.

Als Sekretärin oblagen ihr die ganzen Übersetzungsarbeiten, besonders die mit deutschen Behörden. "Es war einen immense Menge zu übersetzen", erinnert sie sich." Dabei ging es nicht nur um die Kontakte mit der Stadt Herzogenaurach, sondern auch um Anfragen von Polizei und Gericht. "Das war nicht selten wegen der Bergkirchweih", sagt sie.

Das Erlanger Volksfest war bei den Armeeangehörigen äußerst beliebt. Im Slang der Herzo Base war es das Strawberrry Festival. Denn an Bergkirchweih hat sich so mancher GI die Zunge verknotet. Noch schwieriger auszusprechen war für sie wohl nur der Ortsname Berchtesgaden. "Olivia und ich haben uns nur so gekugelt; zu Berchtesgaden sagten sie dann einfach nur B-Town und zu Kaiserslautern K-Town", fällt ihr dazu ein. Olivia Feher war zu der Zeit die Verbindungsfrau zu den Deutschen. Mit ihr zusammen organisierte Kelz die Ausflüge und Aktivitäten des Contact Clubs.

Ein gutes Verhältnis zu den US-Amerikanern

"Das war ein gutes Verhältnis; Amerikaner und Deutsche haben gemeinsam die nähere und weitere Umgebung erkundet." Die Walhalla oder Kloster Weltenburg standen auf dem Programm. Die GIs kamen sonst nicht viel herum, "außer bei Volkswandertagen". Da ging es ihnen um die Beer Mogs, um die Bierkrüge mit Aufdruck. "Da war fast jede Woche so ein Volksmarsch. Da habe ich viele angemeldet, aber die GIs sind nur so durchgerannt." Eben, um einen der begehrten Krüge zu ergattern.

Bier war überhaupt ein Thema. Im positiven wie im negativen Sinn. In einer Disco in der Nähe des heutigen Kreisl sei es deswegen einmal fast zu einer deutsch-amerikanischen Revolte gekommen. Da hatten wohl alle Beteiligten reichlich genug Bier intus.

Die Begrüßung und Verabschiedung von Offizieren (Hail and Farewell) wurden damals selbstverständlich in Herzogenauracher Lokalen gefeiert. Auch wohnten Offiziere, bis sie eine Wohnung fanden, in Hotels im Stadtgebiet.

"Heller's Brewery ist in ganz Amerika bekannt", ist sich Kelz sicher. Dort wurde viel gefeiert. Besonders kann sie sich noch an Major Paul Lange aus Albuquerque erinnern. Nicht nur, weil er sie eigens nach ihrem Ausscheiden zu seiner Abschiedsfeier dorthin eingeladen hatte. Er soll "Heller's Brewery" in seiner Heimat ohne Ende gerühmt haben.

Und noch etwas ist Kelz fest im Gedächtnis geblieben: Die Army brachte alle Jahre Weihnachtsgeschenke ins "Waisenhaus". Damit meint sie das Liebfrauenhaus. Die festtägliche Fürsorge für benachteiligte Kinder muss es seit Beginn der Stationierung amerikanischer Truppen gegeben haben. Auch der Niederndorfer Pianist Thomas Fink erinnert sich daran. Diese Weihnachtsfeiern in den ersten Nachkriegsjahren waren für ihn ein wichtiger Meilenstein in seinem Berufsweg als Jazzinterpret. Die Veranstaltung bestand offenbar über Jahrzehnte fort - bis zum Abzug 1990.