35 Meter Baum in die Höhe bringen, das muss erst einmal geschafft werden. Kein Problem für die Lonnerstädter Kerwasburschen am Samstag - sie brauchten nur eine gute Stunde, und das Prachtstück war an seinem Platz. Warum sie sich so ein Riesenexemplar ausgesucht haben, erklärt der Markus ganz einfach: "Wir wählen die Kerwasfichtn immer so, dass pro Mann ein Meter anfällt."

Wahrheitsgehalt dieser Aussage hin oder her, damit wäre jedenfalls auch die Frage geklärt, wie viele Burschen heuer am Werk waren. Sieben Neuzugänge hat es für die diesjährige Kirchweih gegeben, und darauf sind die Burschen schon ein wenig stolz.

Wie wichtig die Kerwa auch für den Nachwuchs ist, zeigten nicht nur die vielen Kinder unter den zahlreichen Zuschauern. Bastian Iftner, sieben Jahre alt und Neffe von Oberortsbursche Frank Iftner, ließ es sich trotz einer starken Beinprellung, die ihn zurzeit an Krücken zwingt, nicht nehmen, beim Baumaufstellen dabei zu sein - als Zuschauer natürlich, Ortsbursch kann man schließlich erst nach der Konfirmation werden. Er ist zwar in Sterpersdorf zuhause, doch er erklärte: "Da konnte ich schon nicht auf Kerwa, weil wir in Urlaub waren. Aber hier will ich dabei sein."

Reparatur mit Lasur

Kleinere Schwierigkeiten beim Einfahren lösten die Burschen mit Einfallsreichtum. Eine leicht beschädigte Stelle am Stamm wurde mit Holzschutzlasur repariert. Auch dass es kein Bier für die Musik - die Hornochsen begleiteten - und den Weg vom Ortseingang bis zum Platz im Hof der Stammwirtschaft zur Sonne gegeben hätte, wurde gerade noch verhindert: Der Hahn brach nämlich ab, als das Wegzehrungsfässla angestochen wurde. Doch glücklicherweise nur ein ganz kleines Stück, so dass er mit etwas gutem Willen und genügend Kraft doch noch zu verwenden war. Für das notwendige Nass war also gesorgt, und der Rest lief wie geschmiert.

Ach ja, eine kleine Information für böse Nachbarsbuben, die sich an der Fichte zu schaffen machen wollen, hat der Frank auch noch: "Unsere Fichte wird fast jedes Jahr geschält. Aber uns ist das wurscht. Wir vergeuden die schöne Kerwazeit nicht mit Bewachen - wir feiern lieber!" Musik an allen Kirchweihtagen im Sonnensaal, Schausteller, Buden und Marktstände in der Hauptstraße und das große Programm des Kirchweihausschusses am Sonntag rundeten die Lonnerstädter Kirchweih ab.

Kunst- und Handwerkermarkt, Tanz der Volkstanzfreunde Lonnerstadt und von den Linedancer Crazy Boots, zahlreiche Aktivitäten verschiedener Vereine sowie Führungen in den Kellern, der Kirche, einem eigenen Kinderprogramm und vielen anderen Aktivitäten boten den zahlreichen Besuchern ein buntes Programm.

Mit Betznraustanzen am Sonntagabend und Gegerrausschlogn am heutigen Montag beendeten die Kerwasburschen ihr Treiben zur Kirchweih.