"Es ist einfach enttäuschend. Wenn man sein ganzes Leben lang hart arbeitet und aus dem Schlamassel einfach nicht mehr rauskommt", erzählt Susanne Kalb mit geneigtem Blick und sichtlich berührt. Die vierfache Mutter aus Weisendorf ist gezeichnet von den letzten Jahren. Jahre, in denen vor allem eine Reihe von Rückschlägen sowohl die Nerven als auch die Familienkasse regelmäßig strapazierte. Umso größer war die Freude bei der sechsköpfigen Familie über die traditionelle Weihnachtsspende des Herzogenauracher Lions-Clubs.

Susanne Kalb kann sich noch genau an die Nacht vom 3. auf den 4. Juli 2002 erinnern. In jener Nacht sollte sich das Schicksal des Ehepaares Jürgen und Susanne, ihrer damals zweijährigen Tochter Asa und dem neugeborenen Erik schlagartig ändern. Aufgrund familiärer Hausbaupläne nahm der gelernte Dachdecker Jürgen einen Zweitjob als Türsteher in einem Nürnberger Club an. "Wir sind damals aus dem Urlaub zurückgekommen und Jürgen ist abends direkt zur Arbeit gegangen. Nachts bekam ich dann den Anruf, dass ich mit den Kindern ins Krankenhaus nach Nürnberg fahren soll, da mein Mann notoperiert wird", erinnert sich die gebürtige Sächsin.
Bei einem handfesten Disput mit ungewünschten Clubbesuchern war der Türsteher aus Nürnberg offenbar schwer an den Beinen verletzt worden.

Der Notoperation folgten Monate im Rollstuhl, zahlreiche Reha-Besuche und eine Therapie in einer Zirndorfer Spezialpraxis. "Diese Behandlung wurde von unserer Krankenkasse nicht übernommen, da kein Täter-Opfer-Ausgleich möglich war. Also mussten wir unser ganzes Erspartes, das ursprünglich für den Hausbau vorgesehen war, dazu verwenden. Seitdem befinden wir uns in einer Achterbahn. Immer wenn man meint, dass jetzt alles besser werden würde, kommt der nächste Rückschlag und es geht wieder nach unten", erzählt die Mutter, die selbst ihre Ausbildung zur Tierarzthelferin aus privaten Gründen abbrechen musste und sich seither daheim um die Erziehung der vier Kinder kümmert.


Im Winter gibt es keine Arbeit

Im Jahr 2007 zog das Ehepaar Kalb dann mit ihren Kindern Asa (heute 12 Jahre), Erik (11), Lars (8) und Nils (6), von denen die drei ältesten Kinder am Aufmerksamkeits-Defizitsyndrom (ADS) leiden, in eine liebevoll eingerichtete Doppelhaushälfte nach Weisendorf. Vater Jürgen durfte nach drei Bandscheibenvorfällen, die allesamt Folgen der schweren Verletzungen von 2002 waren, seine Tätigkeit als Dachdecker nicht mehr länger ausüben. Stattdessen fand er eine Anstellung als Blitzschutzmonteur bei einer kleinen Firma, die ihre Angestellten über die Wintermonate ausstellt. Wann er seinen Job wieder antreten darf, hängt dabei von den Witterungsbedingungen ab.

"Daher beziehen wir aktuell Geld vom Staat. Es geht einfach nicht anders", klagt Susanne Kalb. In den letzten Monaten kamen zudem noch Reparaturen am Haus und der Einrichtung und die Finanzierung der Zahnspange des ältesten Sohnes erschwerend hinzu.


Sachspenden für die Kinder

Bei so viel finanziellem Druck entschied sich der Lions Club Herzogenaurach dafür, der sechsköpfigen Familie etwas unter die Arme zu greifen. Durch den Verkauf von selbst gebackenen Plätzchen und Süßigkeiten am Weihnachtsmarkt sammelte der wohltätige Verband Spendengelder in Höhe von 2500 Euro, die im Laufe der vergangenen Wochen an finanziell schwächere Menschen aus der Region verteilt werden.

Dabei besuchten Vereinspräsident Wilhelm Schmidt und Lions-Mitglied Erich Vogl auch die Familie Kalb und übergaben sowohl Geld- als auch Sachspenden für die Kinder. "Wir wollten Menschen, die es wirklich brauchen, eine kleine Freude machen. Dabei war uns auch wichtig, uns wirklich Zeit zu nehmen und uns mit ihren Schicksalen zu beschäftigen", erzählt Schmidt nach dem Besuch in Weisendorf.

Für Susanne Kalb kam die Spende zum richtigen Zeitpunkt: "Für uns war die Spende ein Segen. Wir konnten davon unter anderem Winterjacken für die Kinder kaufen." Einen Wunsch konnten Schmidt, Vogl und Co. den Kalbs allerdings nicht erfüllen. Den Wunsch von einem geregelten und finanziell sorgenfreien Leben.