Klappe, die letzte! "KKK", Klaus Karl-Kraus, seufzt auf der Bühne des Landhotels Drei Kronen. Er mag nicht glauben, was dort angesagt ist: Die Abschiedsvorstellung der Adelsdorfer Landkultur-Reihe. So wie alles vor 16 Jahren angefangen hat, wollen es die Hoteliers Christian und Petra Pöllmann auch zu Ende gehen lassen: Mit dem Kabarettisten aus Erlangen.
Vielleicht zehnmal stand KKK in all den Jahren im Drei-Kronen-Saal auf der Bühne.

"A weng trauri bin i scho", sagt er.

Am Ende der Vorstellung zeigt er auf seinen Freund und Gastgeber. Alle Besucher drehen sich um, schauen in Pöllmanns Richtung und stürmischer Applaus braust auf. Ein Dankeschön für den Adelsdorfer, der die Kleinkunstreihe ins Leben gerufen hat. Viele waren da, Heißmann und Rassau, Michl Müller und Django Asül, als sie noch gar nicht berühmt waren, oder Musiker wie Martin Schmitt. Es sei sehr viel passiert in diesen 16 Jahren, erinnert sich KKK und bestellt Grüße von Freunden, die wie er in Adelsdorf ein begeisterungsfähiges Publikum fanden.

Lag es nun am Geist des Ortes oder am Publikum - am Freitagabend wuchs KKK über sich hinaus. Ein "Best of KKK" sozusagen, mit dem der fränkische Eulenspiegel Franken und Nichtfranken einen Spiegel vor hielt. Respektlos - wie man es von ihm erwartet - breitete er seine Lieblingsthemen aus und machte mit seinem zügellosen Mundwerk vor nichts und niemandem Halt. "Die Preißn" in der Schusslinie, aber auch die Franken - wenn auch ein wenig gnädiger -, Promis, Birkenstock-Pädagogen, die moderne Erziehung oder ganz einfach den Nachbarn von nebenan. Wie es früher einmal war und wie es heute nicht mehr ist, stellt für den Franken mit der roten Zipfelmütze einen Pool dar, aus dem er unendlich zu schöpfen weiß. Alles in schönstem Fränkisch, das er seinem Adelsdorfer Publikum ohne zu "translaten" zumuten kann. Obwohl es seiner Meinung nach "auch hier schon die ersten Einschüsse gibt" (von Preißn natürlich). Ihnen versucht er gestenreich zu erklären, was der Franke unter "wulchern" versteht.

"Das Schäufelchen ist lecker!" Wenn Klaus Karl-Kraus so einen Satz hört, geht ihm gleich das Messer auf. Vom Schäuferla zum Aischgründer Karpfen ist es nur ein Gedankensprung. Wenn so eine urfränkische Spezialität dann "im Mango-Reisbett verrecken muss", geht mit KKK der Gaul durch. Aber auch wenn er die heutigen "Birkenstock-Animateure, die mit Kindern auf Augenhöhe reden", mit der eigenen Kindheit vergleicht: "Da war Erziehung reine Handarbeit!" Seither habe sich viel verändert und nicht unbedingt zum Besten, findet KKK. Oder wie er das auf seinem T-Shirt ausdrückt: "Das ganze Leben ist ein Kraus." Da ist viel Tiefgründiges dabei, wenn er kritisiert: "Wir geben uns immer mehr Zucker." Und das nicht nur vor Weihnachten, wenn der Nachbar sein Haus lichtermäßig aufrüstet und drei Rentiere auf das Dach stellt.

Aber zum Glück gibt es noch fränkische Urgewächse.

Wie "die Frau Hofmann" oder KKKs "Metzgeri" und "des Café ganz hinten in der Fränkischen". Ein Traum für einen scharfsinnigen Beobachter wie Karl-Kraus, der aus der einfachen Frage "Derf des des" eine Geschichte konstruiert. KKK, der seine Gags am liebsten selber schreibt und sauer ist, wenn ihm Ikea zuvor kommt und einen Armleuchter Söder tauft.

Nun, ganz müssen die Stammgäste künftig nicht auf ihre Adelsdorfer Veranstaltungen verzichten. "Django Asül und Wolfgang Buck werden uns im nächsten Jahr vor dem kalten Entzug bewahren", verkündete Christian Pöllmann. Mit den monatlichen Veranstaltungen hört er trotzdem auf. Der Grund liegt auf der Hand: Die enorm gestiegene Zahl an konkurrierenden Veranstaltungen und die Künstleragenturen, die fast ausschließlich das Sagen hätten. Auf den großen Gewinn habe er zwar nie geschielt, "aber decken muss sich so eine Veranstaltung schon."

Um zu zeigen, was sein Publikum im Frühjahr erwartet, gab der Gastronom eine musikalische Kostprobe: Christian Pöllmann, Sonja Tonn, Thomas "Wulli" Wullschläger und Jürgen Hofmann singen und spielen ihre Lieblingssongs von den Beatles und den Eagles. So bekannte Songs wie "All you need is love" oder das wunderbar lyrische "Peaceful easy feeling" der Eagles gefielen den Zuhörern sichtlich. Pöllmann will noch mehr solcher musikalischer Leckerbissen zusammen mit einem Brunch am Ostersonntag 2013 im Landhotel servieren.