Für zwei Stunden eröffnete im Windschatten des Fehnturms das "Café der Inklusion" und lud zu Muffins und Kaffee ein. Unter dem Motto "Schon viel erreicht. Noch viel vor" beteiligte sich die Lebenshilfe Erlangen-Höchstadt am Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. "Unser Ziel ist es, mit Passanten, Politikern und Medien ins Gespräch zu kommen", erklärte Ines Wendl, Leiterin der offenen Hilfen.

Neben Gesprächen über bereits Erreichtes wollte sich die Lebenshilfe mit den Politikern und Passanten auch über noch anstehende Maßnahmen austauschen, um die Inklusion weiter voranzubringen. "Wir möchten mit dieser Aktion Passanten für das Miteinanderleben und Zusammensein von Menschen mit und ohne Behinderung sensibilisieren", erklärte dazu der Vorsitzende Ulrich Wustmann. So gäbe es noch immer große Defizite in unserer Gesellschaft und Barrierefreiheit sei noch immer nicht selbstverständlich.

Wustmann fordert die Bundesregierung auf, dass ein besserer Schutz vor Diskriminierung nicht mehr länger blockiert werden dürfe. Dieser Schutz gelte als unvollständig, da Benachteiligungen aus Gründen des Alters, der Religion oder Weltanschauung, der sexuellen Ausrichtung oder einer Behinderung bisher lediglich in den Bereichen Beschäftigung, Beruf und Berufsausbildung verboten seien. Mit der fünften Gleichbehandlungsrichtlinie soll dieser Schutz ausgedehnt werden auf die Bereiche Soziales, Bildung und den Zugang zu Gütern und Dienstleistungen, einschließlich Wohnraum. Zudem sollen Männer und Frauen im Privatversicherungsrecht gleich behandelt werden.

Der neue Landrat Alexander Tritthart (CSU) sieht die "Inklusion" als ein sehr wichtiges Thema für den Landkreis und für die Kommunen an, das im demografischen Wandel zunehmend an Bedeutung gewinne. Nicht ohne Grund habe er als Weisendorfer Bürgermeister durch den Gemeinderat, als erste Kommune im Landkreis, einen Behindertenbeauftragten berufen lassen. Momentan gibt es in sieben von 25 Gemeinden Behindertenbeauftragte und Tritthart wünscht sich, dass auch in den restlichen Kommunen eine solche Berufung erfolgt.
Im Landkreis leben derzeit rund 22 000 Menschen mit einer Behinderung. "Das sind 22 000 Schicksale", sagte der Behindetenbeauftragte Jürgen Ganzmann.

Sowohl Landrat Tritthart als auch Ganzmann und Bürgermeister German Hacker (SPD) wiesen darauf hin, dass vor allem auch die Barrieren in den Köpfen der Menschen fallen müssten. "Menschen mit Behinderung gehören zu uns, dürfen nicht ausgegrenzt werden und haben das Recht auf Teilhabe am öffentlichen und gesellschaftlichen Leben teilzuhaben", erklärte Hacker.

Für die Stadt Herzogenaurach sei es eine Selbstverständlichkeit, das gemeinsame Projekt mit der Lebenshilfe in der Partnerstadt Nova Gradiska (Kroatien) zu unterstützen. Auch in Herzogenaurach würden Zug um Zug die Barrieren abgebaut, damit Menschen mit Behinderung möglichst viele Einrichtungen problemlos erreichen können.