Einen großen Schritt vorwärts sind gestern die Planungen für den Neubau des Landratsamts gekommen. Bevor der neu gewählte Kreistag sich mit den Planungen beschäftigen wird, haben die Kreisräte in ihrer letzten Sitzung noch ein paar Grundsatzentscheidungen gefällt. Um die Stimmung feierlicher zu gestalten - es wurden auch etliche ausscheidende Kreisräte verabschiedet - wurde die Sitzung im Saal des Schlosses in Atzelsberg abgehalten.

Wäre es nach den Freien Wählern (FW) gegangen, wären die Detailfragen zum Landratsamt vertagt worden. Welche Fassade das Gebäude bekommt oder welche Anbauten geschaffen werden, das solle doch lieber der künftige Kreistag unter Leitung des neuen Landrates Alexander Tritthart (CSU) entscheiden. Dieser Antrag der FW wurde jedoch mit acht zu 58 Stimmen nicht angenommen. Damit war der Ring frei für die Abstimmungen. Über insgesamt elf Planungsdetails, inklusive Alternativvorschlag, wurde entschieden:

Welche Fassade das Gebäude bekommen soll, war zentraler Punkt der Sitzung. 1,88 Millionen Ersparnis verspricht die abgespeckte "Bandfassade", die beschlossen wurde. Der erste Entwurf des Wiener Architektenbüros "Alles wird gut" (AWG) sah eine Außenverkleidung mit Lamellen vor. Architektonisch reizvoller, aber eben auch teurer. "Zwei Millionen Einsparungspotenzial, das wir wahrnehmen sollten", sagte Gerald Brehm, FW-Fraktionsvorsitzender, und zog den Vergleich zu anderen Ausgaben im Kreis. Es sei eine Summe, so hoch, dass man davon schon fast eine neue Schule bauen könne.

German Hacker, Bürgermeister von Herzogenaurach (SPD), merkte an, dass er verstehen könne, dass die Architekten die Lamellenfassade bevorzugen. "Ein wirklich schöner Entwurf", so Hacker. Aber bei der äußeren Hülle des Baus sei vor allem darauf zu achten, dass sie zweckmäßig, zum Beispiel gut zu reinigen sei. Die vertikalen Streben seien "rein optisch". Daher reiche ein einfacheres Äußeres aus.

Ähnlich sah das Andreas Galster (CSU). Er sei froh, dass es die Alternative der billigeren Bandfassade gibt, mahnte aber an, sich um ausreichend Sonnenschutz im Sommer zu kümmern. Aufgeheizte Büros seien nicht wünschenswert. Landrat Eberhard Irlinger (SPD) bevorzugt schon seit langem die aufwendigere "Wettbewerbsfassade". Er erinnerte daran, dass "gerade wegen der Fassade der Entwurf den ersten Platz gemacht" habe. Ergebnis der Abstimmung: Mit einigermaßen knapper Mehrheit wurde mit 32 von 58 Stimmen die günstigere Bandfassade beschlossen.

Ein Staffelgeschoss wurde von der überwiegenden Mehrheit von 56 Stimmen abgelehnt. Da die Stadt Erlangen ein höheres Bauen nicht genehmigt, war der Plan aufgekommen, bereits von Anfang an ein nach hinten versetztes Geschoss aufzusetzen. Dies wurde von der Mehrheit abgelehnt, allerdings wollten sich die Kreisräte nicht für immer festlegen: Es wurde beschlossen, dass es von der Statik her möglich sein soll, auch später ein weiteres Geschoss zu bauen.

Die Verlängerung der sogenannten "Finger", soll über den ursprünglichen Entwurf hinaus für noch mehr Bürofläche sorgen. Von oben betrachtet - und mit viel Fantasie - ähneln die Flügel des Verwaltungsbaus "Fingern". Laut Irlinger handelt es sich bei der "Fingerverlängerung" um einen "Kunstgriff der Architekten, um mehr räumlichen Spielraum zu haben". Gerald Brehm betonte, man habe sich in der Fraktion der FW differenziert mit dieser Option auf ein Mehr an Büros auseinandergesetzt. Grundsätzlich sehe er keine Notwendigkeit der Fingerverlängerung. Mit nur sieben Gegenstimmen wurde schließlich die Vergrößerung beschlossen.

Die Entscheidung über den Bodenbelag im Foyer wurde auf den Vorschlag der CSU-Fraktion hin vertagt. "So etwas muss doch später entschieden werden, wenn die Baukosten näher bekannt sind", sagte Galster. Dann könne man entscheiden, was das Budget hergibt: die Grundvariante der Insutriebeschichtung, Bitu-Terazzo für einen Aufpreis von 56.000 Euro oder Granit für 80.000 Euro mehr.

Durchgewunken wurden die Ladestationen für Elektrofahrzeuge in der Tiefgarage, LEDs als Beleuchtungsmittel, eine elektronische Schließanlage und die Gebäudeautomation, also die zentrale Steuerung der Gebäudetechnik. Heute gehöre das zum Standard, so die einhellige Meinung der Kreisräte. Auch der Plan, die Brüstungen im Atrium des Landratsamtes anstatt verglast in geschlossener Bauweise zu gestalten, wurde einstimmig beschlossen. Ein transparentes Design der Brüstungen des Treppenhauses hätte eine Viertelmillion Euro an Mehrkosten bedeutet.

Braucht es einen Fitnessraum?

Auch der geplante Fitnessraum, der künftig den Mitarbeitern der Verwaltung zur Verfügung stehen soll, war erneut Thema. Die FDP hatte einen Antrag gestellt, auf dieses Extra zu verzichten. "Fitness, schön und gut", sagte FDP-Rätin Elke Weis. Es stelle sich nur die Frage, ob das Steuergeld richtig investiert sei. "Geht in euch", appellierte Irlinger an die Kollegen. Jeder Gedundheitsexperte könne vorrechnen, welche finanzielle Ersparnis die Gesunderhaltung der Mitarbeiter bringe. Schließlich habe heutzutage jeder 100-Mann-Betrieb einen Fitnessraum, so Irlinger. Die FDP zog den Antrag zurück, kündigte aber an, das Thema noch einmal auf die Tagesordnung zu heben. Schließlich wird sich ja auch der neue Kreistag noch zu Genüge mit dem neuen Landratsamt beschäftigen.