Paul Neudörfer von der SPD hat auf einmal, als er die Tür öffnen und wieder in den großen Sitzungssaal gehen will, die Türklinke in der Hand. Vielleicht war das ein Zeichen dafür, dass es endlich Zeit wird. Zeit, dass der Neubau des Landratsamtes fix wird. Die Kreisräte tagen nun schon über drei Stunden an diesem Montag im alten Landratsamt. Für 10.30 Uhr hatte der Landrat einen Pressetermin angesetzt, bei dem er über das endgültige Modell des neuen Landratsamtes informieren wollte. Doch das war vor eineinhalb Stunden.

In nicht-öffentlicher Sitzung hatte der Kreisrat darüber zu bestimmen, wer nun endlich den Zuschlag für das 29-Millionen-Euro-Projekt bekommen sollte. Das Erlanger oder das Wiener Architektenbüro.

Wie lange es noch geht? "Es dauert noch ein wenig", geben die zum Klo eilenden Räte an. Dann gibt es eine Unterbrechung, weil sich die CSU-Fraktion noch beraten muss. Und dann, um 12.20 Uhr, kommt endlich Landrat Eberhard Irlinger (SPD) - es ist das entschieden, was viele erwartet haben: Das neue Landratsamt, das auf dem ehemaligen Gossen-Gelände in Erlangen gebaut werden soll, wird vom Architekturbüro "Alles wird gut" aus Wien geplant - endgültig. Der Kreistag als entscheidendes Gremium hat letztlich dem Beitrag zugestimmt, mit "großer Mehrheit", wie es Landrat Irlinger zufrieden formuliert. Lange Zeit war er das nicht.

Dass das neue Gebäude in Erlangen und nicht im Landkreis gebaut werden soll, schmeckte dem Landkreischef sowieso nicht. Und eigentlich hatten bereits im Juni die Architekten von "Alles wird gut" wie die sicheren Sieger ausgesehen. Denn das Wiener Büro hatte den Architekturwettbewerb im Sommer gewonnen. Zweiter wurde das Büro djb aus Erlangen, das mit dem Büro Plankopf Erfurt zusammenarbeitet.

Doch dann ging es weiter. Basierte der Wettbewerb nur auf ästhetischen Kriterien, wurden im nächsten Schritt erst die Verhandlungsgespräche geführt. Eine Jury aus Kreisräten und Verwaltungsmitgliedern kürte hier im August dann auf einmal das zweitplatzierte Büro aus Erlangen zum Sieger. Selbst das Wiener Architekturbüro hatte nicht damit gerechnet und stellte einen Nachprüfungsantrag bei der Vergabekammer Nordbayern. Dieser ergab: Das Verfahren war fehlerhaft. Das war im Oktober. Also musste wieder die Jury ran, die nun in einer anderen Zusammensetzung, nämlich den Mitgliedern des Bauausschusses, am 12. Dezember entschied. Zur Unterstützung wählte der Bauausschuss den externen Berater Gerhart Schäfer, er sollte die Beurteilungskriterien der Jury optimieren. Aus diesem Gremium ging dann also doch das Architekturbüro "Alles wird gut" als Sieger hervor. Der Kreistag stimmte dem gestern auch zu.

"Ein Jahr müssen wir für die Planung einrechnen", sagte der Landrat nach der Sitzung. Baubeginn auf dem 6000-Quadratmeter-Gelände soll 2014 sein.