Lange hat der außergewöhnliche Sommer durchgehalten und für einen sonnigen Start in den Herbst gesorgt. Doch mittlerweile ist das Wetter so, wie man es sonst kennt um diese Jahreszeit: Kalt, nass und unangenehm. Da geht man nur ungern vor die Tür und bleibt lieber im warmen Wohnzimmer. Dahin zieht es aktuell aber noch andere Zeitgenossen - mit mehr als zwei Beinen.

Von einer "Invasion der Stinkwanzen" war vor wenigen Tagen in der Bild-Zeitung zu lesen. Schuld ist der heiße Sommer: Die Insekten konnten sich gut vermehren und suchen jetzt ein Winterquartier. Im Internet finden sich dazu Erfahrungsberichte aus der ganzen Republik.Von Fenstern voller Wanzen, auf der Suche nach dem Schlupfloch ins Innere. Ist es auch rund um Höchstadt so schlimm? "Das kommt ein bisschen auf die Wohnsituation an", sagt Moritz Bergen, Leiter der Abteilung Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Fürth, zuständig auch für den Landkreis Erlangen-Höchstadt. Es sei in letzter Zeit häufiger vorgekommen, dass sich Bürger mit Wanzen im Haus beim Amt erkundigt hätten. "Wenn jemand direkt am Waldrand wohnt, dann kann das schon im großen Stil auftreten."

Platz zum Überwintern

Übeltäter ist hier in aller Regel die Amerikanische Kiefernwanze. Die aus Nordamerika stammende Insektenart kommt seit 2006 in Deutschland vor und verbreitet sich immer stärker. Sie ist leicht erkennbar an der weißen Zickzack-Linie auf dem Rücken und den breiten Hinterbeinen. Insgesamt gibt es weltweit rund 40 000 Wanzenarten. In Deutschland sind es nach Angaben des Bund Naturschutz etwa 900, im Freistaat Bayern 800.

In Bamberg ist kürzlich sogar eine Art aufgetaucht, die eigentlich im Mittelmeerraum heimisch ist. Damit zeige sich auch in dieser Insektengruppe eine Ausbreitungstendenz von Arten des Mittelmeerraums nach Norden, wie das schon länger bei Libellen- und Schmetterlingsarten beobachtet wird, zitiert sie Stadt Bamberg den Biologen Jürgen Gerdes in einer Pressemitteilung.

Völlig ungefährlich

"Es war ein tolles Jahr für Wanzen", sagt Moritz Bergen. Jetzt suchen die Tiere einen Platz zum Überwintern, was aufgrund der besonders großen Population jetzt deutlich mehr ins Auge fällt. "Die sind sonst schon auch da", sagt Bergen. Sie überwintern normalerweise unter den Blättern auf dem Waldboden, wahlweise auch in Vogelnestern, unter der Rinde von Bäumen oder in Ritzen von Gebäuden. "Die suchen jetzt was Warmes und im nächsten Jahr fliegen sie wieder aus", sagt Bergen. Wenn "das Warme" allerdings die eigene Wohnung ist, stößt das auf wenig Begeisterung.

Die Wanzen sind für den Menschen allerdings völlig ungefährlich. Ihr Auftauchen ist auch keine Frage der Hygiene. Wer Angst vor einer Plage in den eigenen vier Wänden hat, der hat laut Moritz Bergen nichts zu befürchten: "Da entsteht keine Brutstätte, nur weil man einen Käfer übersieht."

Wer die Tiere dennoch loswerden möchte, sollte sie behutsam wieder nach draußen bringen: "Zum Beispiel: Glas drauf, Blatt Papier drunter. Wie man es von anderen Insekten auch kennt. Man kann sie natürlich auch in die Hand nehmen, wenn man sich nicht ekelt."

Stinkendes Sekret

Die Tiere zu töten ist allerdings keine gute Idee. Nicht umsonst werden viele Wanzenarten gerne als "Stinkwanzen" zusammengefasst. Fühlen sie sich bedroht oder werden zerquetscht, tritt ein stinkendes Sekret aus - das durchaus einige Tage für schlechte Luft sorgen kann. "Das riecht unangenehm, ist aber nicht weiter schädlich", sagt Bergen.