Manfred Lukasch war enttäuscht. Nach der Stadtratssitzung am Donnerstagabend konnte der Vorsitzende der Krippenfreunde keinen Fortschritt erkennen, was die Zukunft des Vereins betrifft. Denn eine Lösung wurde nicht ansatzweise angeboten. Doch die bevorstehende Schließung des Krippenmuseums im Welkenbacher Kirchweg bedroht die gemeinnützige Vereinigung in ihrer Substanz: Ohne Ausstellungsraum keine Besucher, ohne Besucher kein Verein. Und so bleibt für den engagierten Chef des Krippenbauvereins, der seit 15 Jahren an der Aurach besteht und sich seit längerem Krippenfreunde nennt, nur das Prinzip Hoffnung: "Wenn wir doch wenigstens einen Lagerplatz fänden", sagte er.

Vorausgegangen war eine kurze Diskussion in der öffentlichen Stadtratssitzung, nachdem Stadtrat Gotthard Lohmaier eine Stellungnahme des Bürgermeisters angefordert hatte. Der SPD-Politiker fragte nach den räumlichen Möglichkeiten, die die Stadt dem Verein denn anbieten könne. Die Antwort von Bürgermeister German Hacker (SPD) war ernüchternd. "Leider können wir von Seiten der Stadt derzeit keine passenden Räume anbieten", sagte er.

Allerdings sei den Krippen freunden seit längerem klar gewesen, dass die Unterkunft in den ehemaligen Räumen der Spedition Wormser nur befristet nutzbar sei, sagte der Bürgermeister. Bis Ostern kann das Museum betrieben werden, dann wird es dort für immer schließen müssen. Weil aus den einstigen Gewerbebauten nun ein Wohngebiet wird. Andere, vergleichbare private Nutzungen gibt es laut Hacker in der Stadt nicht mehr. So würden leer stehende größere Objekte vermehrt abgerissen und zur Wohnbebauung umgewidmet. Aktuelles Beispiel: die Garagen eines ehemaligen Busbetriebs in der Bamberger Straße. Letztes "Opfer" dieser Entwicklung sei die Reinigung Möhrenschlager gewesen; auch die habe lange Zeit nichts finden können.

Weil auch die Stadt quasi mit leeren Händen dastehe, richtete das Stadtoberhaupt einen Appell an die Öffentlichkeit. Hacker: "Ich unterstütze den Verein gerne darin, in dem ich auch aufrufe, private Objekte in Herzogenaurach zu nennen, die für den Krippenbauverein passend wären", sagte er. Das könnten auch Objekte sein, die sanierungswürdig sind. Die Vereinsmitglieder wären nämlich bereit selbst Hand anzulegen und gegebenenfalls auch im überschaubaren Rahmen zu investieren. Der Krippenbauverein benötigt laut Hacker konkret etwa 80 Quadratmeter Lagerfläche oder 150 Quadratmeter für die Ausstellung.

Suche nach Lagerräumen

Manfred Lukasch sieht dieses Angebot skeptisch. Zum einen weiß er um die Mieten, die für aktuell noch leer stehende, private Immobilien verlangt würden. Zum anderen dränge die Zeit, denn nach Ostern brauche man für die großen Vitrinen erst einmal Lagerräume. Von einem neuen Museum will Lukasch da noch gar nicht reden.
Unzufrieden ist er mit den Angeboten, die ihm der Bürgermeister unterbreitet habe. In der Stadtratssitzung erneuerte Hacker das Angebot, den Keller und das Erdgeschoss des Stadtmuseums für eine mehrwöchige Ausstellung zu nutzen. Das verwarf Lukasch, weil allein der Auf- und Abbau der großen Krippen mehrere Tage in Anspruch nähmen. Das vom Bürgermeister des Weiteren angesprochene Seelhaus am Kirchenplatz wäre sehr wohl geeignet gewesen, korrigierte Manfred Lukasch eine Aussage des Bürgermeisters. Der sagte vor dem Stadtrat, man habe das Objekt vor Jahren besichtigt, doch der Sanierungsaufwand wäre für diesen Zweck zu hoch gewesen. Deshalb habe auch der Verein kein weiteres Interesse gezeigt.

Letztlich appellierte das Stadtoberhaupt ein weiteres Mal. So könne sich ein anderer Verein überlegen, die Krippenfreunde räumlich aufzunehmen. Dadurch könne man Synergieeffekte nutzen, wie es auch schon die Soli und der Radfahrerclub getan hätten, meinte Hacker. Im Übrigen beruhigte er, was die Krippenwerkstatt in der Haundorfer alten Schule angeht. Es sei nicht beabsichtigt, diese Räume anderweitig zu nutzen, sagte der Bürgermeister. Das hatten die Krippenfreunde befürchtet, nachdem für den dort untergebrachten Kindergarten ja auf der Herzo Base derzeit neu gebaut werde.

Manfred Lukasch indes konnte das alles nicht beruhigen. "Zu uns kommen sogar Busse von weit her", sagte er nach der Sitzung im FT-Gespräch und verwies darauf, dass das Museum in dem geöffneten halben Jahr mit rund 800 Besuchern mehr als dreimal so viel Interessenten zähle wie das Stadtmuseum in einem ganzen Jahr.