Bei allem Gezänk zwischen den Fraktionen, bei allen inhaltlichen Kontroversen, die es im Kreistag oft gibt: In der letzten Sitzung vor dem Ende der Amtsperiode herrschte einen Moment lang eine versöhnliche Stimmung der Freundschaft. Nämlich als es am späten Vormittag auf Schloss Atzelsberg an die Verabschiedung der Kreisräte ging.

"Demokratie lebt vom Engagement einzelner Menschen. Und die Grundlage ist die kommunale Selbstverwaltung", sagte Landrat Eberhard Irlinger (SPD), der selbst zum Kreis derer gehört, die der Kommunalpolitik "Ade" sagen. Wobei unter den insgesamt 17 scheidenden Kreisräten auch etliche Personen sind, die zwar nicht mehr im Kreistag sitzen werden, aber noch als Gemeinde- oder Stadtrat weiterhin Politik machen.

Dennoch: Für ein paar Urgesteine bedeutete die Sitzung einen völligen Rückzug aus der aktiven Kommunalpolitik. So zum Beispiel für Valentin Schaub von den Freien Wählern aus Großenseebach. Seit 1972 war Schaub Mitglied im Kreistag. Dafür erhielt er wie alle Geehrten vom Landrat eine Urkunde und eine Goldmedaille. Gotthard Lohmaier, SPD-Kreisrat aus Herzogenaurach, wurde genauso geehrt wie Karl-Heinz Seitz aus Röttenbach, Jörg Bubel aus Adelsdorf oder Robert Mirschberger aus Höchstadt.

Politiker der "kleinen Leute"

Auf insgesamt 18 Jahre im Kreisrat brachte es Paul Neudörfer. Er war in Höchstadt seit vielen Jahren als Stadtrat für die SPD aktiv. Heuer zog er sich aus der Kommunalpolitik zurück. "Er hat halt immer nei'ghaut", erinnert sich Irlinger an Neudörfers Engagement. Dabei habe er stets klare Worte gefunden und sich für die Belange vor allem der "kleinen Leute" eingesetzt. "Ein Typus Politiker, von dem man sich wünscht, dass es sie häufiger gibt", sagte Irlinger und wünschte Neudörfer eine gute Gesundheit ("Und rauch' net so viel").

Eine besondere Ehre wurde Christoph Maier zuteil. Der CSU-Politiker aus Eckental, lange Zeit Präsident des Fischereiverbands Mittelfranken und Landtagsabgeordneter, bringt es auf stolze 48 Jahre (Kreisrat seit 1966). Nachdem der 83-Jährige mit starkem Applaus aus allen Fraktionen verabschiedet wurde, richtete er noch ein paar Worte an seine jüngeren Kollegen.

Er erinnere sich an viele Kämpfe, die ausgetragen wurden. Ganz Gentleman bat er für möglicherweise entstandene Verletzungen um Verzeihung. "Mittlerweile sind wir aber ja alle verbrüdert gegen die Große Koalition in Berlin", sagte Maier. Den aktiven Kreisräten riet er, sich "nicht nur in die Sitzungen zu setzen", sondern die Belange draußen bei den Bürgern ernst zu nehmen.

Auch Karin Knorr, stellvertretende Landrätin und scheidende Kreisrätin, wurde für ihre zwölf Jahre im Gremium geehrt. Landrat Irlinger dankte für die stets gute Zusammenarbeit.