Die Zeit wird kürzer, die Leute sind neugierig und der Pfarrer ist etwas aufgeregt. "Du wirst sehen, du gewöhnst dich an das Moderne", sagt ein Passant am Dienstagnachmittag zu seiner Begleiterin, als die beiden sich in der Kirche St. Josef umschauen. Da ist immer noch Baustelle, aber schon zeichnet sich das künftige Bild deutlich ab. Seit Jahresbeginn wird das Gotteshaus im Innern saniert. Rechtzeitig zum 90. Weihetag soll der erste Gottesdienst im "neuen" Haus gefeiert werden. Am 17. November um 15 Uhr wird Erzbischof Schick erwartet.

Zurzeit sind Mitarbeiter einer Glasbaufirma vor Ort, um die Kunstwerke anzubringen. Modern sind sie, und großflächig. Und dadurch wird die Kirche einzigartig weit und breit, wie Pfarrer Helmut Hetzel berichtet. Bisher hätten alle Leute gesagt, mit denen er in den letzten Tagen sprach, dass sie sehr schön geworden sei. Hell sei sie, endlich, auch sehr festlich und eben modern. Dennoch hat Hetzel Herzklopfen, wie er zugibt. "Ich bin wahrscheinlich genauso aufgeregt wie Sie", sagt er zu Michael Heymann, dem Glasmaler, der mit seinen Mitarbeitern die in Gold strahlenden Elemente im Altarraum anbringt.

"Wie eine Umarmung"


Die Glasflächen im Altarraum bilden einen Halbkreis, führen an den Hochaltar aus den Gründungsjahren der Kirche in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts heran, verknüpfen alt und neu. So läuft das Goldband in das barocke Holz hinein, "es ist fast wie eine Umarmung", stellt Hetzel fest. Und weiß, dass diese zeitgemäße Gestaltung auch gewagt ist. Aber er kann sich auf die Unterstützung seiner Gemeinde verlassen.

In einer sehr gut besuchten Pfarrversammlung (Hetzel: "Ich wäre froh, wenn die Kirche sonntags immer so voll wäre") ausschließlich zur Kirchensanierung erfuhr die Gestaltung der Düsseldorfer Künstlerin Anja Quaschinski 90 Prozent Zustimmung, erinnert der katholische Pfarrer. Drei Modelle lagen da zur Auswahl vor. Und gerne zitiert er die Aussage einer alten Frau. "Wir wollen endlich einen Festsaal", habe sie gerufen. Dieser Wunsch hat sich nach Meinung des Geistlichen erfüllt.

Bilder kommen in Nischen

Anja Quaschinski (52) hat vielerlei Erfahrung bei der Arbeit für Kirchen. Zuletzt hat sie in Dittichenrode im Südharz einen dreiteiligen Flügelaltar mit einer Glascollage versehen. Niederndorf ist ihre erste Station im deutschen Süden, einmal schuf sie Kirchenfenster in Österreich. Empfohlen wurde die freischaffende Glasmalerin von der Firma Hein Derix aus Kevelaer, die das Anbringen der Kunstwerke übernimmt.

Auch dieses Unternehmen hat Erfahrungen mit Kirchen, aber auch profanen Bauten, wie Michael Heymann erläutert. Vor ein paar Jahren war man nicht weit entfernt tätig, in der Nürnberger Kirche St. Klara. Heymann ist als einer der drei Geschäftsführer in Niederndorf in diesen Tagen vor Ort. Kurz vor Beendigung der Sanierung wird auch die Künstlerin erwartet, die als junge Frau auch schon mal mehrere Jahre für die Firma als Glasmalerin tätig war.
Verschwunden sind die beiden Seitenaltäre. Sie waren bislang sehr dominant, mit einem klobigen Sandsteinsockel. Die barocken Verzierungen waren inzwischen morsch und wurmstichig geworden. Die Gemälde bleiben erhalten und werden in Nischen im hinteren Bereich des Gotteshauses angebracht.

Auch an die Stelle der Seitenaltäre treten zwei mit Blattgold belegte und mehrere Meter hohe Glasflächen. Ein Widerspruch zu den beiden bleibenden Relikten aus der Anfangszeit, also der Kanzel und dem Hochaltar? Pfarrer Hetzel findet: Nein! Alt und neu "werden gut zusammengebracht", sagt er, und die Kirche werde dadurch im ganzen Raum einmalig.

Massive Stelen aus Eiche

Dazu kommt noch das Lichtkonzept, auf das Architekt Ralf Wenisch (Herzogenaurach) stolz ist. Die Deckenlampen sind als normale Leuchten oder Punktstrahler zu verwenden, die Fenster erhalten LED-Lampen in den Nischen und der Altarraum wird entlang der Wand ebenfalls mit LED-Strahlern versehen, die in sämtlichen Farbeffekten leuchten können.

Neu sind auch zwei Stelen aus massiver amerikanischer Eiche. Sie tragen künftig den Tabernakel und das Evangeliar. Die Holzfarbe drückt für Hetzel das Irdische aus, dazu kommen das Göttliche in der Farbe Gold und das Feuer des Heiligen Geistes in Rot. Das sind die beiden tragenden Farben der Glaskunst. Und auch der Eingang zum Altarraum soll rot eingerahmt werden.

Am 7. Januar um 8 Uhr begann die eigentliche Kirchensanierung, wie sich Helmut Hetzel deutlich erinnert. Vorausgegangen war ein fast drei Jahre langer Vorbereitungsprozess. Damals war die Heizung dringend erneuerungsbedürftig. Es war eine offene Bankheizung aus den 60er-Jahren, die viel Strom verbrauchte. Im Winter sei die Kirche oft eiskalt gewesen und wurde erst kurz vor dem Gottesdienst eingeheizt. Dadurch aber entstand durch den Atem der Besucher Feuchtigkeit, und die schlug sich auf Decken und Wände nieder und sorgte für Schimmelbildung.

"Die Wände mussten abgefräst werden", berichtet Architekt Wenisch. Da seien die falsche Farbe und der falsche Putz gewesen, "das haben wir im Labor getestet". Und auch die Holzdecke war befallen. Jetzt ist sie neu und hell geworden.

Und wie wird künftig beheizt? Über den Fußboden und mit Hilfe einer Wanderwärmung, wie Wenisch feststellt. Befeuert wird mit Gas. Die Kostenberechnung für die Sanierung beläuft sich auf 560 000 Euro.



Die Kirche St. Josef Niederndorf


Damals
In den Jahren 1922 und 1923 wurde das Gotteshaus errichtet. Am dritten Sonntag im November vor 90 Jahren war der Tag der Kirchenweihe von St. Josef Niederndorf.

Heute Ebenfalls am dritten Sonntag im November, dem 17. 11. 2013, wird um 15 Uhr der erste Gottesdienst nach der Sanierung gefeiert. Erwartet wird der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. Es ist der 90. Jahrestag der Kirchenweihe.