Ihre Kollegen nannten sie die "Kinderschalter-Oma": die Sparkassenangestellte Erika Ilsemann. Denn bis zu ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst kümmerte sie sich - vor allem um den Weltspartag herum - um die jüngsten Bankkunden.

"Wir haben da einen niedrigeren Tisch aufgebaut, mit allen Sachen, auch kleinen Geschenken darauf", berichtet sie. Die Kinder kamen, sie öffnete die Sparbüchsen und der angesammelte Geldbetrag wurde dem Sparbuch gut geschrieben.

So war das nach 1981, als Ilsemann in der Sparkassenfiliale Röttenbach tätig war. Erlernt hat sie ihren Beruf in Osterode im Harz. Bis 1961 war sie dort, danach im Ausland. Bei der Rückkehr stellte sie fest: "In den 20 Jahren hatte sich im Bankenwesen wenig geändert. Die großen Einschnitte wie die Umstellung auf EDV kamen erst zu Beginn der 90er Jahre."

Allerdings der Weltspartag hatte in den 20 Jahren schon etwas an Attraktivität verloren. "In meiner ersten Zeit in Osterode, da standen richtige Schlangen. Naja, es gab auch üppigere Geschenke", erinnert sich Ilsemann.
Es gab auch noch andere Sparmodelle. Das Schulsparen: An einem bestimmten Tag kam ein Sparkassenangestellter samt Zählbrett in die Klasse. "Es war viel Kleingeld in den Spardosen. Wir sind dann da gesessen und haben die ganzen Münzen von Hand gerollt. Zählmaschinen kamen erst um 1990 auf", weiß Ilsemann noch.

Noch eine Sparmethode gehört der Vergangenheit an: die Sparkästchen. Das waren eine Art Setzkasten mit einem Schlitz vorne und einem Schildchen mit dem Namen des Sparers. Die Bretter hingen meist in Gastwirtschaften und vom Wechselgeld nach dem Zahlen der Zeche wurden ein paar Münzen hinein geworfen.

Auch dort kamen Sparkassenmitarbeiter vorbei und leerten die Fächer. Die Summen wurden in Sparbüchern eingetragen. Dafür mussten sie eine "Wahnsinnsüberzeugungsarbeit leisten und in die Firmen gehen, damit Arbeitnehmer sich ein Girokonto einrichteten.

"Auch das war viel, viel Kleingeld. Von Scheinen haben wir nur geträumt", sagt Ilsemann. Doch mit Zählen und Rollen war es noch lange nicht getan. "Ab dem Weltspartag arbeiteten wir auf den Jahresschluss hin", sagt Ilsemann. Die Zinsen mussten im Kopf und mit Hilfe von Zinstabellen berechnet werden. "Kaptitalhunderstel mal Tage mussten wir im Kopf rechnen." Mit einer Tabelle für die Prozentwerte wurde der gutzuschreibende Betrag ausgerechnet und auf den großen Kontoblättern aufnotiert. Die Gutschrift im Sparbuch gab es dann ab dem Jahreswechsel. "Die Kontoblätter waren richtige Handtücher von Papier und die Buchungsmaschinen waren riesig", erinnert sie sich noch.

Und an viele Überstunden und Feiertagsarbeit - wegen des Zinsberechnens. "Wir sind im Advent Nächte gesessen, in Hausschuhen und mit Thermoskanne. Das Schlimmste war zum Jahresende. Heiligabend sind wir um 16 Uhr nach Hause und an Silvester nachts um 10. Von Weihnachten bis Neujahr war für alle Urlaubssperre. Aber wir haben nicht gemurrt", betont Ilsemann.

In den 50er und 60er Jahren wurden Sparbücher noch vollständig von Hand geschrieben. 20 Jahre später gab es dafür schon Maschinen. Kontobögen wurden maschinell geführt. "Aber sie lagen sichtbar vor. Wie angreifbar sind wir heute dagegen, wenn der Strom ausfällt", schlägt Ilsemann noch einen Gedankenbogen in die Gegenwart.