Die Greuther Wichtel feierten im vergangenen Jahr ein ganz besonderes Weihnachtsfest: Statt einem Christbaum im Kindergarten wurde die ganze Feier nach draußen in den Wald verlegt. Und: Die Kinder beschenkten die Waldtiere mit selbst gemachtem Futter. Einer dieser Waldbewohner war bereits im Herbst zu Besuch in der Kita: Ein Igel, der beobachtet und näher kennengelernt werden konnte.

Zweite "Naturpark-Kita"

Da die Kindertagesstätte in Vestenbergsgreuth nun die Auszeichnung als "Naturpark-Kita" bekommen hat, soll es für die Kinder noch viel mehr solcher Abenteuer in der Natur geben. Beim ersten Projekt im vergangenen Jahr durften die Wichtel im Naturpark Entdeckerwesten, in denen zum Beispiel Lupen versteckt waren, ausprobieren. "Das Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit kann nie früh genug thematisiert werden", erklärte Kita-Leiterin Angelika Fischer bei der Feierstunde.

Die Kita hat sich mit der Auszeichnung dazu verpflichtet, regelmäßig Naturpark-Themen wie Natur und Landschaft, regionale Kultur und Handwerk sowie Land- und Forstwirtschaft zu behandeln und den Kindern näher zu bringen.

Bürgermeister Helmut Lottes ist ebenfalls begeistert. "Die aktuelle Entwicklung ist der Grund, warum es solche Aktivitäten braucht. Vielen Kindern fehlt es einfach an Basiswissen." Woher unsere Lebensmittel kommen, wissen viele Kinder nicht mehr, meint Lottes.

Daher sei das Projekt für 2020, bei dem die Kinder einen Landwirt während der Kartoffelsaison begleiten, ein wichtiger Schritt, um das Verständnis für Landwirte zu fördern. "Wir müssen unsere Kinder allgemein mehr für die Natur sensibilisieren." Auch Landrat Alexander Tritthart (CSU) freut sich über diese Bereicherung im Landkreis. "Es ist wichtig, dass auch die Kleinsten an die Natur herangeführt werden", so Tritthart.

Projekte mit Steigerwald Rangern

Sandra Baritsch, die Geschäftsführerin des Naturparks Steigerwald, sagt: "Die Kindertagesstätte Greuther Wichtel ist nun eine von zwei Naturpark-Kitas bei uns in der Region."

Die 110 Kinder der sechs Gruppen sind im Alter von einem bis zehn Jahren und sollen mit den Rangern des Steigerwaldes und anderen Kooperationspartnern jeweils mindestens ein Projekt gestalten. Im Alltag lernen die Kinder auf Exkursionen und an Projekttagen ihre Region und den Naturpark Steigerwald besser kennen und sollen so eine natürliche Verbundenheit und ein Bewusstsein für die Umwelt und die Tiere bekommen.

Gemeinsam etwas verändern

Auch die Eltern brachten sich bei dem Projekt mit ein: "Es gibt so viele Themen, die sich verbinden lassen", meint Elternbeiratsvorsitzende Julia Kugler. Im Februar seien so zum Beispiel sogenannte Wetbags für die dreckige Wäsche der Kinder gebastelt worden. "Früher brauchten wir Plastiktüten, die selbst gebastelten Taschen kann man sogar waschen."

Kita-Leiterin Angelika Fischer findet, dass das Thema Natur und Umweltschutz sehr wichtig ist. "Wir nehmen auch immer die Erzählungen und Erfahrungen von den Kindern mit in unsere Aktivitäten auf."

Was sie beobachtet hat, ist, dass die Kinder im Wald kein Spielzeug brauchen. "Sie beschäftigen sich dann mit Naturmaterialien und entwickeln gemeinsam etwas", sagt sie und lächelt. Zudem hätten die Kinder in der Natur Spaß und sind viel ausgeglichener, wenn sie draußen waren.

Weitere Betreuungsformen für Kinder:

Waldkindergarten: Die aus Skandinavien stammende Form des Kindergartens gibt es in Deutschland immer häufiger. Die Erzieher sind mit den Kindern meistens draußen. Dennoch gibt es eine Unterkunft, meist ein beheizter Bauwagen oder eine Waldhütte, in der sich die Kinder bei schlechtem Wetter aufhalten können.

Die pädagogischen Schwerpunkte liegen beispielsweise auf der Förderung des natürlichen Bewegungsdrangs oder auch der erholsamen Wirkung der Natur.

Waldkindergärten gibt es in Adelsdorf, Hemhofen, Uttenreuth, Möhrendorf, Bubenreuth und Erlangen. Höchstadt und Weisendorf denken über Waldkindergärten nach.

Montessorikindergarten: Die noch recht alternative Form hat wenig mit herkömmlichen Lehr- und Lernmethoden gemeinsam. Nach dem Konzept der Begründerin Maria Montessori ist es das oberste Ziel, die Kinder zu selbstständigen Individuen heranzuziehen. Trotz einiger Regeln kann jedes Kind nach seinem eigenen Rhythmus frei spielen und lernen.

Montessori-Kindergärten gibt es zum Beispiel in Eckental-Eckenhaid, Röttenbach, Herzogenaurach und Erlangen.red