Über die Behauptung, dass der Kerwa-Montag auch nicht mehr das sei, was er einmal war, kann man geteilter Meinung sein. In Weisendorf war eigentlich alles so, wie es schon immer war. Landes- und Kommunalpolitiker, Behördenvertreter, Banker, Architekten, Planer und Ingenieure sowie die Kirchenvertreter trafen sich zum traditionellen Frühschoppen im Festzelt. Einen Stammgast der letzten Jahre suchte man an den weißgedeckten Tischen allerdings vergeblich. Der CSU-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär Stefan Müller musste zum Regieren nach Berlin, schließlich hatte die Bundeskanzlerin eine Sondersitzung des Bundestages einberufen.

Nussel vertritt Müller

Der Bundestagsabgeordnete wurde aber durch den Landtagsabgeordneten Walter Nussel (CSU), der sich eine Grillhaxe schmecken ließ, bestens vertreten. Mit der Bezirksrätin Ute Salzner und Landrat Alexander Tritthart war die CSU-Kreisvorstandschaft somit bestens vertreten. Für Tritthart war der Frühschoppen in Weisendorf natürlich ein Heimspiel, war er doch bis zur Landratswahl Bürgermeister des Marktes Weisendorf. Tritthart konnte deshalb ganz entspannt den Begrüßungsworten seines Nachfolgers Heinrich Süß (UWG) lauschen, der zudem sein Debüt als Dirigent beim Weisendorfer Sound-Express geben musste. Denn in beim Weisendorfer Frühschoppen ist es ebenfalls Tradition, dass der Bürgermeister mindesten ein Stück dirigieren muss.

Dies meisterte Süß ebenso souverän wie den Anstich am Kirchweihfreitag. Ihm war der fünftägige "Kirchweihstress" nicht anzumerken, denn sein langes Wochenende begann ja bereits am Donnerstag mit der Bürgerversammlung in Kairlindach, und der erste Abend endete bei der Rocknacht im Festzelt. Eine Premiere gab es in Weisendorf auch am Kirchweihsamstag, denn so wie bei der Kirchweih in Buch führte Heinrich Süß auch in Weisendorf das Kommando beim Aufstellen des Baumes. Böse Zungen behaupten zwar, dass das Aufrichten des Baumes nur wegen des Bürgermeisters so lange dauerte, aber das entspricht natürlich nicht der Wahrheit. Die Schwalben passten nicht, und deshalb halfen die Ortsburschen aus Buch aus.

Verregneter Sonntag

Nach Verabschiedung der Frühschoppengäste war für den Bürgermeister allerdings noch kein Feierabend oder Kirchweihende. Am Nachmittag lud der Markt Weisendorf traditionell zum Seniorennachmittag, und bevor der Sound-Express die diesjährige Kerwa ausklingen ließ, mussten die Ortsburschen mit den Ortsmadla zum Betzntanz nochmal ran und ihre verbliebene Stimmkraft unter Beweis stellen.

Die Festwirtsfamilie Gschrey zog am letzten Tag ein einigermaßen positives Fazit, einzig der Dauerregen am Sonntag trübte die Bilanz.