Kaum ist die Wahlschlacht geschlagen, sind die Stimmen ausgezählt, wird unter den Fraktionen im Kreistag auch schon an möglichen Formen der Zusammenarbeit gefeilt. Wie bereits vor der Wahl angekündigt, wollen SPD, Freie Wähler und Grüne wieder ein loses Bündnis schmieden. Zusammen stellen sie 35 der 60 Sitze. Größte Fraktion ist allerdings die CSU mit 22 Mandaten. Mit drei Kreisräten ist die FDP vertreten.

Eine der ersten Entscheidungen, auf die sich das lose Dreier-Bündnis verständigt hat, soll die Einführung eines dritten stellvertretenden Landrats sein. Nachdem CSU-Kandidat Alexander Tritthart am Sonntag die Stichwahl gegen Martin Oberle (FW) gewonnen hat, wollen auch die anderen Fraktionen an der Führung des Landkreises mitmischen.

692 Euro pro Monat

Wie unsere Zeitung in Erfahrung brachte, gibt es für die Stellvertreterposten auch schon Bewerber. Bei den Grünen würde der amtierende stellvertretende Landrat Manfred Bachmayer sein Amt gerne behalten.
Die Freien Wähler stellen derzeit noch mit Karin Knorr die erste Stellvertreterin des Landrats. Zu Knorrs Nachfolgerin soll die Freie-Wähler-Kreisvorsitzende Irene Häusler aus Höchstadt gewählt werden.

Einen Stellvertreterposten beansprucht auch die SPD-Fraktion, die wie die Freien Wähler 13 neue Kreisräte stellen. Ob Fraktionssprecher Christian Pech sich für dieses Amt bewerben wird, will er vorerst noch nicht verraten. Der unterlegene Landratskandidat der SPD würde "lieber inhaltlich arbeiten", als die repräsentativen Aufgaben eines stellvertretenden Landrats wahrzunehmen.

Die Rechtslage spricht nicht gegen die Einführung eines dritten stellvertretenden Landrats im Landkreis Erlangen-Höchstadt. "Unter Änderung der Geschäftsordnung wäre ein dritter Stellvertreter grundsätzlich möglich", sagt der für Rechtsangelegenheiten zuständige Abteilungsleiter Wolfgang Fischer. Derzeit bekommt der weitere Stellvertreter (Dritter Landrat) eine Aufwandsentschädigung von monatlich 692 Euro. Die Entschädigung des ersten Stellvertreters ist natürlich höher und wird vom Kreistag in nichtöffentlicher Sitzung "nach Maß der besonderen Inanspruchnahme als kommunaler Wahlbeamter" festgelegt.

Der neue Landrat Alexander Tritthart sieht allem noch "sehr entspannt" entgegen. Am Wahlabend hat er mit seinen Parteifreunden bis nach Mitternacht gefeiert und ist dann noch eineinhalb Stunden mit Ehefrau Angelika - die in den Weisendorfer Gemeinderat gewählt wurde - und seinen beiden Söhnen im Wohnzimmer gesessen, "um alles erst einmal setzen zu lassen".

Tritthart geht es um die Sache

Seine Hauptaufgaben sieht Tritthart im Neubau des Landratsamtes, in der Modernisierung des Höchstadter Kreiskrankenhauses und in der Stadt-Umland-Bahn. Die Arbeitsabläufe im Amt, in dem er bis vor sechs Jahren selbst gearbeitet hat, möchte er sich genau anschauen und auch neue Ideen einbringen.

Dem Dreier-Bündnis von SPD, Freien Wählern und Grünen sieht er ganz entspannt entgegen. Er sei "immer für alles offen" und werde noch Gespräche führen. Tritthart: "Vielleicht kann sich das eine oder andere ja noch ändern." Zudem würde in entscheidenden Fragen immer quer durch die Fraktionen abgestimmt. Es müsse um die Sache gehen, findet der neue Landrat.

SPD-Sprecher Christian Pech kündigt an, es werde nicht so sein, dass der neue Landrat im Kreistag keine Mehrheit bekommt. Trotz des Dreier-Bündnisses werde ohnehin bei vielen Entscheidungen parteiübergreifend abgestimmt. Einen stellvertretenden Landrat mehr hält Pech im Kreis Erlangen-Höchstadt für nicht übertrieben. Andere Kreise hätten auch drei Stellvertreter.

Den Anspruch auf den ersten Stellvertreter des Landrats erhebt Fraktionssprecher Gerald Brehm für die Freien Wähler. Schließlich habe deren Kandidat Martin Oberle in der Stichwahl in 13 von 25 Gemeinden vorne gelegen. Auch Brehm plant "keine Koalition gegen den Landrat". Man wolle für den Landkreis eintreten und sehe dabei die größere Deckungsgleichheit mit SPD und Grünen. Die Freien Wähler wollen "die Zusammenarbeit mit SPD und Grünen fortsetzen".

Immer mehr 90. Geburtstage

Dem stimmt Grünen-Landratskandidat Manfred Bachmayer zu. Auch seine Fraktion wolle das lose Bündnis fortsetzen. Jetzt warte man darauf, was der neue Landrat vorhabe und werde dann über programmatische Inhalte reden. "Der Ball liegt im Feld von Alexander Tritthart", sagt Bachmayer und plädiert auch für einen dritten Stellvertreter. Das würde Sinn machen, weil die Menschen immer älter werden und die Zahl der 90. Geburtstage und Diamantenen Hochzeiten zunehme.

Der neue Landrat müsse sich Mehrheiten suchen, findet Bachmayer. Eberhard Irlinger habe das auch tun müssen. Dabei sollten sich im neuen Kreistag aber keine Blöcke bilden.