Es sind wieder etwa 220 aktive und ehemalige Mitarbeiter der Stadt gewesen, die sich am Martinimontag zum traditionellen Kirchweihausklang im Vereinshaus trafen. Wer teilnahm, bekam frei - wer stattdessen zuhause blieb, musste einen Tag Urlaub nehmen oder Überstunden abfeiern. So ist es seit vielen Jahren geregelt. Weil die Martinikirchweih eben die traditionelle sprich urtümliche Kerwa in der Stadt ist.

Mit der Teilnehmerzahl lag man durchaus im Bereich der letzten Jahre, sagte Personalratsvorsitzender Martin Sehring. Das Angebot wird also nach wie vor angenommen. Es ist irgendwie wie "eine ungeschriebene Pflicht, zu erscheinen", wie es ein Rathaus-Mitarbeiter beschrieb. Nur die Zeit des Aufenthalts scheint immer geringer zu werden. Um 11 Uhr war der Saal schon nahezu leer gefegt.

Und noch etwas ist aufgefallen: Wer die Kartler suchte, die seit vielen vielen Jahren immer am gleichen Tisch saßen und ein echtes Kerwasbrauchtum aufrecht erhielten, der wurde nicht fündig. Das heißt, die Gruppe fand man teilweise schon wieder vor, aber gekartelt wurde diesmal nicht. Woran das lag, war keinem so recht zu entlocken.

Vielleicht lag es daran, dass der harte Kern nicht vollzählig war. "Heute geht nix zamm", sagte Norbert Lukasczyk. Der frühere Personalamtsleiter traf etwas später ein und meinte nur: "Dann spiel ich halt Solo". Auch Erich Fuchs, der einstige Chef des Planungsamts, hatte keinen Plan B. "Ich habe keine Karten dabei", sagte er. Er sei ja auch nur ein Ersatzkartler.

Aber, trotz alledem: Vielleicht trifft sich die Schafkopfrunde ja wieder im nächsten Jahr. Und wenn nicht, für Nachwuchs ist eh gesorgt. So hatte der stellvertretende Personalratsvorsitzende Christian Stöcker seinen vierjährigen Sohn Maximilian dabei. Und was machte der Bub? Er kartelte! Gemeinsam mit seinem Papa sowie Michael Bartosch und Diwata Zapf gab's dann zwar keinen Schafkopf, aber Uno. Und dieses Kinderspiel beherrschte der Knirps richtig gut. "der zieht uns ab", konstatierte Vater Christian. Also doch kein Kinderspiel.

Zum Karteln war weiter drüben in der Hauptstraße, in der Braustube Heller, wahrlich kein Platz. Mindestens 80 Personen drängelten sich in der Wirtsstube, und das seit dem frühen Morgen. "Der erste kam schon um halb neun Uhr", stellte Chef Hans Heller fest. "Da hab ich noch Kaffee getrunken." Egal: Hans ließ ihn Platz nehmen, stellte ein Bier hin und beendete erstmal sein Frühstück.

Das bewährte Dreamteam Ingo Singer an der Quetschn und Peter Persin (Tuba) sorgte für beste Stimmung. Kerwaslieder wurden gesungen, und manch andere Ohrwürmer auch. Dazu gab's traditionell das Rehragout - Martinikerwa vom Feinsten.