Beim Weihnachtskonzert des Aischer Pfarrchores am 6. Januar 2013 war der Sologesang des damals elfjährigen Windsbacher Knaben Philipp Tietze aus Aisch ein besonderer Höhepunkt. "Dass wir in Adelsdorf so einen jungen tüchtigen Sänger haben", flüsterten damals die Besucher ergriffen.

Inzwischen ist Philipp 13 Jahre alt und kann schon auf ein reiches Konzertleben zurückblicken. Er singt Sopran, tritt aber auch als Solist im großen Konzert- oder Reisechor der Windsbacher auf.
"Eigentlich ist es mehr Zufall, dass ich dort gelandet bin", meint der selbstbewusste junge Mann. "Wir waren zum Tag der offenen Türe in Windsbach und ohne Voranmeldung durfte ich dem damaligen Chorleiter Karl-Friedrich Beringer vorsingen. Und dann wurde ich gleich genommen", erzählt Philipp stolz.

Schritt nicht bereut

Nach der dritten Klasse wechselte er bereits in die Volksschule in Windsbach und wohnt seitdem im Sängerinternat. "Von den sechs Kollegen, die damals mit mir angefangen haben, bin ich jetzt als einziger übrig geblieben", verrät er. In der Grundschule in Adelsdorf hatte ihn eigentlich kein Lehrer auf seine schöne Stimme oder auf die Windsbacher aufmerksam gemacht. "Es war alles Eigeninitiative von uns und Philipp wollte gerne ins Internat", sagt seine Mutter Anne Gunst-Tietze. Ihr Sohn hat es bis heute nicht bereut, und Heimweh kennt er so gut wie nicht.

"Ich habe meine Freunde und wir unternehmen viel in der Freizeit zusammen", erklärt er. Freizeit ist aber manchmal ein Fremdwort für die jungen Sänger. Jeden Tag steht 90 Minuten Chorgesang auf dem Programm und ein Mal die Woche absolviert Philipp eine Stunde Stimmbildung. Acht Tage vor den letzten Herbstferien begann dann die vierzehntägige große Amerika-Tournee.

Auf dem Programm stand A-cappella-Literatur wie Volkslieder, aber auch Werke von großen Komponisten wie J. S. Bach und F. Mendelsson-Bartholdy. "Diese Konzertreise war super, aber natürlich auch anstrengend", räumt der junge Windsbacher ein. "Wir logierten entweder in Gastfamilien oder im Hotel - immer zu zweit."
Natürlich gibt es - wie bei jeder Konzertreise - auch ein Sightseeing-Programm, und die Jungs haben viel von Amerika gesehen. "Wir treffen dann immer bekannte Persönlichkeiten wie in Berlin, wo Bundespräsident Joachim Gauck mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt am Montag vor Heiligabend im Konzerthaus unsere Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium besuchte", berichtet Philipp. "Frau Schadt ist ja seit einem Jahr unsere Schirmherrin."

Oft hatte der junge Mann schon als Solist seinen großen Auftritt. Im Jahr 2012 sang er das Weihnachtsoratorium zum ersten Mal mit. Das Jahr darauf ging es Ostern zur ersten Konzertreise nach Spanien, und im gleichen Jahr war er auch in China. 2014 gastierte der Chor in Südtirol und weiter unten im italienischen Stiefel, aber auch auf der Insel Rügen stand ein Konzert an, und zum Schluss ging es auf die 14-tägige Konzertreise in die USA.

Philipp hat stolze Schwestern

Der ehemalige Crucianer (Sänger im Dresdner Kreuzchor) Hans Thamm hatte im Jahr 1946 den Windsbacher Knabenchor gegründet und seitdem verbrachten schon mehr als 1500 Buben entscheidende Lebensjahre im Sängerinternat. Hans Thamm wurde 1987 von Karl-Friedrich Beringer abgelöst und 2012 übernahm Martin Lehmann die künstlerische Leitung des Chores. Aus dem einstigen "Provinzchor" der 50er Jahre ist schon lange ein angesehener Chor geworden, der im gleichen Atemzug mit den Regensburger Domspatzen, dem Dresdner Kreuzchor und den Leipziger Thomanern genannt wird.

Ein Mal im Monat singen die Windsbacher in der Nürnberger Lorenzkirche eine Motette. Natürlich besuchen Philipps Eltern und die beiden jüngeren Schwestern immer gerne Konzerte, die in der Nähe stattfinden. "Mir fehlt mein großer Bruder schon öfters mal", meint die achtjährige Nora. "Grade so im Advent, wenn wir am Wochenende zu Hause beieinander sitzen und die Kerzen am Adventskranz brennen. Und da war er in diesem Jahr gar nicht dabei, weil er so viel unterwegs war. Aber wir sind ganz stolz auf ihn!"