In der Aufregung um den Auftritt von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ging sein Besuch erwartungsgemäß ein wenig unter. Am Dienstagvormittag machte der FDP-Landtagsabgeordnete Jörg Rohde mit seiner Sommertour Halt in Erlangen.

Dabei war der Informationsstand der Liberalen am Hugenottenplatz kaum zu übersehen: Ballons, eine Hüpfburg, ein Glücksrad und zahlreiche Werbegeschenke in grellem Gelb sollten schließlich möglichst viele noch unentschlossene Wähler locken. Innerhalb weniger Tage reist der Vorsitzende der FDP Mittelfranken derzeit durch seinen Bezirk. "Termine wie heute sind definitiv eine Pflichtveranstaltung. Der Bürger muss die Möglichkeit haben, die Kandidaten persönlich anzusprechen", findet der Vizepräsident des Bayerischen Landtags.

Viele umgehen die Infostände


Ganz einfach ist eine solche Form der Wahlwerbung aber nicht. Viele Passanten wollen nichts wissen von Parteiprogrammen und Wahlgeplänkel und umgehen Infostände wie diese lieber weiträumig. Brigitte Gemmel ist keine von ihnen. Die Dame kommt aus Rheinland-Pfalz und ist derzeit zu Besuch bei ihrer Tochter in Erlangen. Die Wahlkampf-Veranstaltungen verfolgt sie hier aber dennoch mit Interesse. "Ich finde es spannend, wenn sich die Kandidaten vor Ort vorstellen", so Gemmel. Trotzdem weiß sie: "Die politische Aussage ist dabei doch unerheblich. Es geht nur um die Präsenz."

Den Auftritt von Kanzlerin Merkel am Nachmittag wollte sie sich auch nicht entgehen lassen. Ob Jörg Rohde der Wahlkampf-Veranstaltung der deutschen Regierungschefin beiwohnen wird, war für ihn am Vormittag noch unklar. "Ich denke aber eher nicht. Die Union hat unsere Partei in der letzten Legislaturperiode einfach zu sehr enttäuscht und im Stich gelassen", begründet er seine Einstellung. Die Überschneidung der beiden Auftritte sei deshalb auch rein zufälliger Natur.

Beschwerde über schwarz-gelbe Rentenpolitik


Während am Dienstagvormittag die meisten Passanten - wenn überhaupt - interessiert an Werbegeschenken waren, trugen andere ganz konkrete Anliegen vor. So beschwerte sich eine ältere Dame aufgebracht über die Rentenpolitik der schwarz-gelben Koalition und verlangte vom Landtagsabgeordneten: "Strengen Sie sich mal mehr an." Rohde reagiert auf solche verbalen Angriffe aber gelassen. "Die meisten Gespräche verlaufen äußerst positiv", berichtet der FDP-Politiker aus seiner bisherigen Erfahrung.

Ebenfalls in Erlangen vor Ort war der Nürnberger Landtagskandidat Helmut Schallock, welcher sich geduldig der Fragen der Bürger annahm und kräftig Werbung in eigener Sache machte. Insgesamt ist die FDP Bayern mit ihrem Bus 23 Tage lang in 43 Städten unterwegs.

Leiter der Tour ist Listenkandidat Gerald Kunzmann. Er erhält eigenen Angaben zufolge bislang durchweg positives Feedback. "Die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger möchte, dass die derzeitige Koalition in Bund und Land bestehen bleibt", ist sich Kunzmann, entgegen vieler Meinungsumfragen, sicher. Für Rohde ist ein solcher, persönlicher Austausch mit den Bürgern aber nur ein kleiner Bestandteil seines aktuellen Wahlkampfes. Immerhin könne er pro Tag nur zehn bis 20 Gespräche führen. Weitaus effektiver seien da schon Wahlplakate und Flyer, die ständig und überall präsent seien. Welche Form der Wahlwerbung beim Bürger wirklich am besten ankommt, muss aber letztlich dieser allein für sich selbst entscheiden - nämlich bei den Land- und Bezirkstagswahlen am 15. September und der Bundestagswahl in der darauf folgenden Woche.