Sind immer mal wieder in der Brust auftretende Schmerzen der Vorbote für einen Herzinfarkt? Kann es auch mich treffen, wenn Vater oder Mutter schon einen Infarkt hatten? Wie sehen meine Herzkranzgefäße aus - droht eventuell bald ein Infarkt?

Antworten auf diese Fragen bekommen besorgte Bürger und Patienten seit einiger Zeit auch im Gesundheitszentrum in der Spitalstraße in Höchstadt. Was früher nur an Unikliniken angeboten wurde, gibt es jetzt auch in dem Radiologischen Zentrum neben dem Kreiskrankenhaus St. Anna. Dr. Norbert Wilke, Facharzt für Radiologie, wirbt für diese neue Methode zur Herzvorsorge.


Besonders strahlungsarm

In der Computertomographie-Abteilung seiner Praxis steht ein strahlungsarmes, hochauflösendes Siemens-Gerät, das nach nur einminütiger Untersuchung des Herzens Daten liefert, anhand derer ein Kardiologe den Zustand des Herzens gut beurteilen kann. Das Herz-CT ist ein besonderes Steckenpferd von Norbert Wilke, hat er doch jahrelang in Amerika an Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet mitgewirkt.

Der Radiologie-Facharzt ist überzeugt, dass eine CT-Untersuchung des Herzens künftig einen erheblichen Anteil der Herzkatheteruntersuchungen ersetzen könnte. Wilke verweist auf eine neue Studie der Berliner Charité, wonach ein Herz-CT "eine deutlich schonendere und kostengünstigere Alternative als die eingreifende Herzkatheter-Untersuchung ist".

Das Herz-CT liefert eine dreidimensionale Darstellung des Herzens, wobei die Herzkranzgefäße deutlich sichtbar sind. Die vierte Dimension ist für Wilke die Funktion. "Wir haben hier eine Kopie des schlagenden Herzens", sagt er vor dem Bildschirm sitzend.

Vorrangiges Ziel einer Herz-CT ist der Ausschluss von Herz-erkrankungen. Für Wilke ist es der beste Test, um festzustellen, ob die Ursache von Brustschmerzen am Herzen liegt. So sind Patienten mit Brustschmerzen auch eine der Zielgruppen für die Herz-CT. Generell empfiehlt der Mediziner die Untersuchung mit minimaler Röntgenstrahlenbelastung Patienten mit mittlerem Infarktrisiko. Als so vorbelastet gelten Menschen, bei deren Eltern schon ein Herzinfarkt aufgetreten ist.

Wer Interesse an einer Herz-CT hat, kann sich in der Radiologiepraxis näher informieren und auch anmelden. Allerdings muss er für diese Untersuchung in die eigene Tasche greifen, sofern er nicht privat versichert ist. Während Privatversicherungen die Herz-CT erstatten, übernehmen laut Wilke die gesetzlichen Kassen die Kosten nur bei stationär im Krankenhaus untergebrachten Patienten. Je nach Intensität kostet die Untersuchung für gesetzlich versicherte Selbstzahler 150 bis 500 Euro.

Ginge es nach Albert Prickarz, dem Verwaltungschef des Höchstadter Kreiskrankenhauses St. Anna, sollten diese Kosten auch die gesetzlichen Kassen erstatten. Um einen Verdacht abzuklären, sei das Herz-CT die richtige Wahl.

Insgesamt sei man im Krankenhaus in Höchstadt froh, das Radiologische Zentrum nebenan zu haben. Man nutze dessen komplettes Spektrum und arbeite gut zusammen, sagt Prickarz. So könne auch das Krankenhaus von Geräten profitieren, die es sonst fast nur an Unikliniken gibt.