Das Gasthaus Gumbrecht mit seinem idyllisch am Karpfenweiher gelegenen Biergarten hat nichts an seiner Faszination verloren. Und das, obwohl das Lokal seit April geschlossen hat beziehungsweise nur noch an zwei Tagen pro Woche ein paar Stunden für die Kartler öffnet.

Am Eingang weist noch immer ein Schild auf eine kartlerfreundliche Wirtschaft hin, im Garten kündet weithin sichtbar der vor vielleicht schon zwanzig Jahren aufgestellte Mast mit dem Schild "Weizenbiergarten", alle Tische stehen noch, das Ortsschild mahnt mit "Vorsicht Biergartenbetrieb" und selbst am Wanderparkplatz bei Beutelsdorf ist der Hinweis auf das Ausflugsziel noch da. Es ist so, also würde das Kleinod nur schlummern, und Luft holen für neue große Taten.

So ist es auch, bald ist die Zwangspause vorbei. Am 1. August eröffnet das Kult-Wirtshaus wieder, Hans und Elfriede Gumbrecht haben einen Pächter gefunden. Der Wirt der "Herzobar" aus Herzogenaurach, Sami Alijaj, und sein Mitarbeiter Alex Vladulescu führen das Lokal weiter. Geöffnet werden soll ab dem Vormittag, dienstags ist Ruhetag.

Auch mal Schlachtschüssel

Sami hat sich nicht nur in Herzogenaurach einen Namen gemacht. Dem 44-jährigen Albaner gelang es, die Gastronomie im historischen einstigen Rathaus nach mehr oder minder stürmischen Zeiten seiner Vorgänger zu neuer Blüte zu verhelfen. Er traut sich auch zu, gemeinsam mit Kompagnon Alex, der aus Rumänien stammt, ein fränkisches Wirtshaus zu führen. Mit Bier und Brotzeit und Bratwürsten. Und auch ab und an mit einer deftigen Schlachtschüssel.

Denn ändern möchte der Pächter grundlegend nichts. "Es wird auch weiterhin ein familiärer Flair sein", sagt der Gastronom. Jahrzehntelang standen ja die Eheleute Gumbrecht, gemeinsam mit ihren Kindern, für die Qualität und Beliebtheit des Lokals, das schon die Eltern bewirtschaftet hatten. Sami möchte diese Tradition, seinen Möglichkeiten entsprechend, fortführen. Freunde und Familienmitglieder sollen mithelfen, es soll persönlich bleiben.

Klar, dass die Gumbrechts dem ganzen Treiben dann nicht nur aus dem Fenster zuschauen, obwohl Elfriede das schmunzelnd anmerkte. Das erfahrene Ehepaar wird sicherlich um Rat gefragt werden und den auch gern geben, sei es bei der legendären Schlachtschüssel. Hausbesitzer Hans Gumbrecht, selbst Metzger, hat schon beim Treffen mit den neuen Pächtern am Mittwoch vorgeschlagen: "In der zweiten Woche mach mer a Schlachtschüssel."

Geändert wird auch nichts am Ablauf. Die Tucher-Brauerei ist weiterhin erster Ansprechpartner, auch wenn sich Sami vorstellen kann, darüber hinaus mal ein "Bier des Monats" einer kleinen Braustätte zu kredenzen. Regionale Produkte sind ihm wichtig, ab und an könnte mal eine kleine mobile Bar aufgestellt werden, für all die, die nicht nur Bier trinken. Und auch Events könnte es mal geben. Die offizielle Eröffnung, die im September stattfinden könnte, sei so eine Möglichkeit. Zunächst gilt: Hineinfinden und ausprobieren. Und das Bestehende bewahren. Das bedeutet auch, dass die Selbstbedienung im Garten aufrechterhalten bleibt.

Schon als Jugendlicher fasziniert

Sami Alijaj, der in Deutschland aufgewachsen ist, kennt Obermembach schon lang. Als Jugendlicher habe er, mit seiner Familie in Heßdorf wohnend, bei der Pflege und Fütterung des Fischbesatzes eines Membacher Weihers mitgeholfen. Damals sei er oft durch die Gegend geradelt, und auch zu den Gumbrechts. "Ich hab mich dann in den Biergarten gesetzt und ein Radler getrunken", sagt er heute. Auch Hans Gumbrecht erinnert sich: "Ich hab ihn oft gesehen."

Es ist eben die Faszination dieser idyllischen Stätte, die jung und alt reizt. Und von weiter her anlockt. Wie Thomas Sörgel aus Obermichelbach zum Beispiel. Der ist am Mittwoch mal schnell 'rübergefahren nach Obermembach, weil er im Seebachgrund gerade mit dem Auto unterwegs war. Als er die Eigentümer und Pächter am Tisch sitzen sah, stieg er aus und erkundigte sich nach dem Stand der Dinge. "Wo findet man denn sonst einen so schönen Biergarten?", fragte er in die Runde und erklärte, dass seine Familie oft mit dem Auto zum Wanderparkplatz bei Beutelsdorf gefahren und von dort, gemeinsam mit dem Hund, nach Membach spaziert sei. So schön gelegen sei der Biergarten, und so schön ruhig, schwärmte er. "Und die Vesper hat gepasst". Als er von der Wiedereröffnung erfuhr, war klar: "Wir sehen uns am 1. August."