Stolz steht er vor den Gehegen, lächelt, hat eines der Kaninchen sogar auf den Arm genommen. Es ist der Höhepunkt nach viel Arbeit das ganze Jahr über. Sebastian Keilholz ist zwar erst 13 Jahre alt, doch begeistert sich schon seit fünf Jahren für Kaninchenzucht. Ein bis zwei Stunden pro Tag steckt er in die Pflege der Tiere. "Das Fell muss passen", sagt der jugendliche Nachwuchs. Keine weißen Härchen, die Krallen müssen regelmäßig geschnitten werden, die Zähne dürfen nicht zu lang sein.

Zehn Tiere hat er am Samstag und Sonntag im Vereinsheim des Kaninchenzuchtvereins B868 Hemhofen zur Kaninchenschau ausgestellt und musste sich so auch den Preisrichtern Jürgen Metzler und Rainer Sondershaus präsentieren, die jedes einzelne Tier bewerteten. Doch Sebastians Deilenaar-Kaninchen kamen gut an: Die Jury krönte ihn zum Jugend-Vereinsmeister.

Tiere bringen Menschen zusammen

Unter den erwachsenen Konkurrenten kürten die Richter Robert Trummer zum ersten, Roland Amon zum zweiten und Gerd Igel zum dritten Vereinsmeister. Letzterer darf sich seit letzter Woche sogar ein ganz besonderes Prädikat an die Brust heften: Europameister. Mit vier Tieren der Rasse "Kleinsilber, blau" trat er an und überzeugte die internationale Jury. Nach 2012 ist das bereits sein zweiter Europameistertitel. Die Pflege seiner 180 Kaninchen, so sagt Igel, koste ihm täglich viel Zeit, rund drei Stunden. Doch er betreibe das Hobby schon seit 50 Jahren mit Herz und Leidenschaft. "Man hat weltweit Freunde", sagt der Europameister, der schon an zahlreichen Wettbewerben teilnahm und so die unterschiedlichsten Menschen kennenlernte.

Auch die Bundestagsabgeordnete Martina Stamm-Fibich (SPD) war am Samstag vor Ort, um Igel zu gratulieren und sich die insgesamt 130 Kaninchen auf der Ausstellung anzusehen. Stamm-Fibich ist selbst Mitglied im Verein, hatte vor einigen Jahren auch Kaninchen. Allerdings nicht als Züchterin. Aus Zeitgründen hat sie das Hobby dann wieder aufgegeben.

Es fehlt an Zeit

Ein Beispiel, wie es so oft aktuell vorkommt, erklärt Vorsitzender Karl Gambel: "Es ist ein Hobby, das rückläufig ist." Weiter sagt er: "Die jungen Leute haben auch die Zeit nicht mehr." Schule, Computer und Handy seien Faktoren, die die Zeit für Hobbys schmälerten. "Wenn man Kaninchenzucht betreibt, dann bekommt man das meistens schon von Kind auf mit", meint Gambel. So wie er selbst, bevor er dann in die Jugendgruppe eintrat. Seit 1998 ist er nun Vorsitzender.

Und mit den Mitgliederzahlen sinkt auch die Anzahl der ausgestellten Tiere. 130 waren es noch in diesem Jahr, immerhin 13 verschiedene Rassen und diverse Aussteller, die aus der ganzen Region kamen. Bürgermeister und Schirmherr Ludwig Nagel ist sich sicher: "Nicht die Quantität, sondern die Qualität ist entscheidend."