"Es wird so lange gepflastert, wie es geht". Das sagte Bauamtsleiter Gerhard Merkel vor wenigen Tagen, als es schneite und Dauerfrost herrschte. Inzwischen haben sich die Temperaturen vorübergehend entspannt und die Arbeiten in der westlichen Hauptstraße gehen weiter.

Für Bauleiter Wilhelm Kleinlein ist es keine Frage: "Wir pflastern bis zur Hinteren Gasse". Damit könne man bis Weihnachten fertig sein, wie geplant, nur geöffnet werden kann die Straße für den Durchgangsverkehr trotzdem nicht. Denn das Verfüllen der Fugen in dem neu verlegten Pflaster ist natürlich noch immer ein Problem. Zumal auch weiterhin Eis den Belag bedeckt.

Gestern war die Baufirma Raab dabei, auf dem noch fehlenden Bereich zu pflastern. Kleinlein warb bei seinen Arbeitern gleichzeitig darum, doch auch am Samstag zu kommen. "Der Roland ist auch da", sagte er. Gemeint war Roland Brockhard, der Polier. Denn es ist kein Ausnahmefall, dass bis abends und auch an den Wochenenden gearbeitet wurde und wird. Nur am Donnerstag, als zehn Grad minus herrschten, habe man die Arbeiten etwas früher eingestellt, sagte Brockhard.

Lob erhalten die Arbeiter auch von Passanten und Anliegern. "Die leisteten eine irre Arbeit", sagt Nicole Maydt. Gemeinsam mit ihrem Vater Lothar beobachtet sie die Baustelle jeden Tag. Ist ihr Haushaltswarengeschäft am Eingang der westlichen Hauptstraße doch direkt betroffen.

Nicht gut fürs Geschäft

Eine Kritik haben die Beiden dennoch. Die Arbeiten hätten einfach früher begonnen werden müssen. Dann wär man schon längst fertig. Die Maydts sprechen damit auch darauf an, dass sich die Baustelle natürlich negativ auf das Weihnachtsgeschäft ausgewirkt habe. Auch hätte er sich eine bessere Planung gewünscht, meint Lothar Maydt. So habe er den Umbau in seinem Geschäft mit der Straßenbaustelle verknüpft. Aber den Sonderverkauf "hab' ich dreimal verschieben müssen".

Dass so eine Baustelle Kunden abhalten kann, berichtet auch Jörg Czerney vom Reisezentrum Krugmann. "Ich bin definitiv froh, wenn's vorbei ist. Das hat halt doch ein halbes Jahr gedauert", sagt er. Und gerade günstig fürs Geschäft sei das auch nicht. Auch wenn die Kunden verständnisvoll gewesen seien. Jetzt hofft er auf ein staubfreies Sommergeschäft, doch einen "Urlaub auf der Baustelle" werde man sicher nicht ins Programm aufnehmen.
Den wiederum haben andere nahezu erlebt. Denn Fritz Kurr beispielsweise zieht es jeden Tag ein paarmal mit seinem Fahrrad durch die Hauptstraße, wie er selber sagt. Da fand der 89-Jährige, wenn's mal holprig wurde, immer Unterstützung bei den Arbeitern.

Ein richtiger Baustellenfan ist Alois Korda. Der 69-Jährige hat selber 45 Jahre am Bau gearbeitet und ist begeistert, mit welcher Kreativität die Bauleiter vor Ort zu Werke gegangen sind. Zumal es eine äußerst schwierige Baustelle sei. "Mir gefällt so was", sagt er.
Verständnis für die Bauarbeiten äußert auch ein direkter Anlieger. Alexander Dickas meint nur: "Eine Baustelle ist halt eine Baustelle. Ich kann mich nicht beschweren." Nur das Parkplatzproblem hätte besser gelöst werden können und außerdem "wird's jetzt langsam Zeit".

Allen ist gemeinsam, dass sie sich auf die neue Straße freuen. "Das wird richtig schön", sschwärmt Lothar Maydt. "Das wird der schönste Abschnitt der Herzogenauracher Hauptstraße".