Einen aufregenden Tag erlebten 25 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahre des Lebenshilfe-Kindergartens Gerbersleithe aus Weisendorf. Milch, Käse, Gemüse, Fleisch sindLebensmittel, die schon jedes Kind einmal gegessen hat. Doch bei der Frage woher unser Essen eigentlich kommt, sind sich die meisten Kinder dann doch etwas unschlüssig. Unter dem Motto. "Woher kommt mein Mittagessen" hatte der Bayerische Bauernverband zum Kindertag auf Bauernhöfe geladen.

Der Kindertag gibt Kindern die Möglichkeit, Landwirtschaft und Natur hautnah zu erleben. Mit konkreten, anschaulichen Beispielen sollen die Kinder das Leben auf dem Hof spielend entdecken. So auch bei der Familie Rudolf und Stefan Groß. Klar, dass es da schon eine Reihe von Kindern das erste Mal einer Kuh Aug in Aug gegenüberstand.

Rudolf Groß, auch Obmann des Bauernverbands in Kairlindach (Landkreis Erlangen-Höchstadt), hatte viel zu erzählen und fragte die Kinder auch aus.

Der Besuch auf einem Bauernhof ist spannend. Er steckt voller Abenteuer. Die Kinder fühlen sich dort fast wie im Paradies und entdecken die faszinierende Vielfalt der Natur mit all ihren Sinnen. Woher kommt die Milch und was kann man daraus alles machen? Wie wächst Getreide? Wie lange trinkt ein Kälbchen bei seiner Mutter?
In diesem Jahr dreht sich alles um die Frage, wie Kartoffeln, Fleisch, Gemüse, Brote und Milchprodukte auf den Teller kommen. Dahinter steht das Ziel, Kindern die Lebensmittelerzeugung und die Verarbeitung der Produkte auf anschauliche Weise zu vermitteln. Dazu hatten sich Sabine und Brigitte Groß einiges einfallen lassen.

Kein Grünzeug für die Kühe

Aber nach dem theoretischen Teil im Hof des 140 Hektar großen Betriebs ging es erst mal in den Stall und Rudolf Groß erklärte, was die Kühe alles so zu fressen bekommen. "Leider wird kein Grünzeug mehr gefüttert", erklärte Groß den Kindern, "aber Heu", kam es da gleich mehrstimmig aus der Gruppe zurück.

Natürlich war der Jungtierstall besonders interessant, ein erst wenige Tage altes Kälbchen stand in seiner Box und beäugte die Kinder neugierig. "Ich will auch mal streicheln!" Stefan Groß stieg in die Box und holte das Kälbchen nach vorn. Mit dem Streicheln hatten es dann einige Kinder aber doch nicht so und sie beobachteten die in den Boxen freilaufenden Tiere aus respektvollem Abstand. Denn Kühe sind sehr neugierig und sie streckten schon mal ihre lange Zunge heraus,versuchten die Kinder zu erreichen.

Einige der Kinder wohnen selbst auf Bauernhöfen, sagten die Erzieherinnen. Manche kinder kennen sogar die Namen der Landmaschinen. Die Faszination der Knirpse minderte das in Kairlindach nicht. "Ich habe gehört, wie die Kuh gemuht hat", ruft ein Mädchen. Im Vorfeld hatten die Erzieherinnen auf den Besuch vorbereitet. "Positive Kindheitserlebnisse prägen uns für später", ist Sabine Groß sicher. "Die Kinder sind die Verbraucher von morgen", sagt Stefan Groß. Deshalb versuchen die Bäuerinnen, Wertschätzung für gesunde und regionale Nahrungsmittel zu vermitteln.

Kinder kennen Getreidesorten nicht

Früher seien hauptsächlich Bauernkinder auf ländliche Schulen gegangen. Heute sei das anders. Es sei darum wichtig, dass die Kinder durch sehen und fühlen und nicht nur durch die Medien erführen, wo ihr Essen herkomme. Gerade Getreidesorten seien etwas, das heute auch Kinder auf dem Land nicht mehr kennen würden, so Groß.

"Auf dem Bauernhof erhalten die Kinder eine lebendige Vorstellung davon, wie Lebensmittel erzeugt, verarbeitet und vermarktet werden. Sie lernen dabei auch, gesunde und regionale Nahrungsmittel wertzuschätzen", betont Rudolf Groß.

In Kairlindach erfuhren die Kinder auch, dass im Stall 40 Milchkühe und 40 Jungtiere stehen, die versorgt werden müssen. Groß erläuterte, dass neben der Milchwirtschaft auch noch Getreide angebaut und an die Biogasanlage Mais geliefert wird; dazu kommt noch Spargel als Sonderkultur, der auch im eigenen Hofladen verkauft wird.

Aber nach dem Besuch im Stall wurde es noch aufregender. "Jetzt zeige ich euch, wo die Milch herkommt", rief Rudolf Groß die Kinderschar zu sich. Durch die Milchkammer, mit einem Blick in den großen Milchtank, ging es in den Melkstand. Auf der einen Seite des Stands, drängten sich die Kinder und auf der anderen Seite standen ganz geduldig fünf Kühe. Die waren zwar gemolken, aber Stefan Groß ließ sie im Stand, denn die Kinder sollten sehen wie das funktioniert.

Dass eine Kuh auch ohne Automat Milch gibt, wurde ihnen natürlich gezeigt. Die ganz Mutigen holte Stefan Groß, stellte sie auf einen umgedrehten Eimer und die Freude war groß, als tatsächlich Milch aus dem Euter kam. "Das was bei der Kuh herauskommt, das könnt ihr trinken und essen was aus der Milch gemacht werden kann", lud Rudolf Groß an gedeckte Tische ein.