Im August letzten Jahres installierte das Ehepaar - beide Vorstandsmitglieder im Verein für Filmkultur - in seinem Wohnzimmer eine Leinwand und die entsprechende Technik, um mit dem Streifen "Das Labyrinth der Wörter" das Aischtaler Filmtheater wieder aufleben zu lassen. Zuvor hatten die Filmabende im Domizil in der Kerschensteiner Straße stattgefunden. Nachdem diese Räume nicht mehr genutzt werden konnten, war das Anwesen der Schramms eine willkommene Alternative. "Unser Wohnzimmer konnte mit wenigen Handgriffen umgeräumt werden und bis zu etwa 20 Besuchern Sitzmöglichkeiten bieten", sagt Werner Schramm.

Genehmigungspflichtig

Kurz darauf habe das Landratsamt auf eine genehmigungspflichtige Nutzungsänderung des Wohnhauses aufmerksam gemacht und einen entsprechenden Bauantrag gefordert. Grundrisszeichnungen, Lichtbilder, die Kennzeichnung und Beschriftung der Räume, das Einschalten eines Architekten - irgendwann streckte das Ehepaar Schramm die Flügel und erklärte gestern: "Wir stellen das Kulturkino in Höchstadt ein."
Auch wenn es "sicherlich für alle Auflagen einen entsprechenden Paragraphen zur Begründung" gebe, so sprechen Ulrike und Werner Schramm in einer Presseerklärung doch von realitätsfernen Bestimmungen und kleinlicher Auslegung. "Wir hätten nicht gedacht, dass wir mittlerweile dafür Verständnis haben, wenn Mitbürger kein Ehrenamt mehr übernehmen wollen", hieß es. Und: "Wir können uns nicht erwehren, das Vorgehen des Landratsamtes als ein abschreckendes Beispiel für andere Vereine oder Initiativen zu betrachten."

Für kulturelle Zwecke zulässig

Solche Vorwürfe weist Katharina Thieme, Abteilungsleiterin am Landratsamt Erlangen-Höchstadt, entschieden von sich. "Wir wollen doch niemand entmutigen", versichert sie und stellt fest: "Im allgemeinen Wohngebiet sind Anlagen für kulturelle Zwecke wie diese zulässig." Freilich müsse das eingereicht werden, was andere auch einreichen: ein Bauantrag in der für alle geltenden Form. Dass die Schramms ihren Antrag nun ganz zurückgezogen haben, findet sie schade.