"Ich laufe durch den Wald. Auf einmal kommt eine Lichtung, ein Weiher liegt in der Sonne." Herbert Fiederling, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Höchstadt, hat in seinen 23 Jahren in Höchstadt die Schönheiten des Aischgrunds kennen und lieben gelernt. Seit 21 Jahren hält er bei der Sparkasse alle Fäden in der Hand. Zum 31. Juli geht der 64-jährige Sparkassendirektor in den Ruhestand.

Eine Zäsur in seinem Leben, daraus macht der gebürtige Unterfranke kein Hehl. Dabei hatten seine Freunde und Kollegen zunächst mit Unverständnis reagiert, als er das schöne Wertheim, wo er aufgewachsen ist, und Tauberbischofsheim, wo er bereits Vorstandsmitglied der Sparkasse war, verlassen und nach Höchstadt wechseln wollte. "Im Nachhinein war das aber eine gute Entscheidung", findet der Banker heute. Wobei - der typische Banker war Fiederling eigentlich nie.

Wenn er auf die 21 Jahre in der Führung der Sparkasse zurück schaut, kommt der "wahre Fiederling" ans Licht. Nicht die Zahlen und Fakten sind es, an die er erinnert. Im Gedächtnis geblieben sind ihm vielmehr Ereignisse, die menschlich berühren, die nachhaltig oder dem Gemeinwohl förderlich sind. So wie der Spendenaufruf bei der Hochwasserkatastrophe im Müglitztal in Sachsen im Jahr 2002. Im Vertrauen auf das Versprechen, "dass jeder Euro ankommt", hätten die Leute "wie verrückt" gespendet. "Ruck-zuck hatten wir 100.000 Euro beisammen." Und schon bald noch einmal die gleiche Summe. Zweimal fuhr Fiederling mit einer Delegation aus dem Landkreis und dem Roten Kreuz nach Dohna und Weesenstein, die am schlimmsten betroffenen Regionen. Jedesmal hatte er 100.000 Euro bar in der Tasche, die vor Ort verteilt wurden.

Ganz ähnlich war es mit dem indischen Colachel, der von dem Tsunami an Weihnachten 2004 am meisten betroffenen Region. "Wir müssen etwas tun", stand für Fiederling fest, als er die schrecklichen Bilder sah. Mitstreiter waren schnell gefunden" und auf einmal waren 50.000 Euro da". Nun, die Schule, die Pater Jeremias brauchte, kostete 110.000 Euro. "Aber das haben wir auch gepackt", freut sich Fiederling. Die Einweihung werde ihm unvergesslich bleiben.

"Etwas Bleibendes" sollte es auch zur 1000-Jahr-Feier von Höchstadt, gleichzeitig 150. Jubiläum der Sparkasse, sein. Es wurde die Spix-Figur, die seither die Sparkasse auf immer mit dem großen Sohn der Stadt verbindet. Mit 25.000 Euro aus der Sparkassenstiftung wurde ein großer Teil der Kosten für das Museum übernommen.
Starke Emotionen hat bei Fiederling auch die Auszeichnung des Unternehmers Hans Wedel (Martin Bauer) mit dem Bayerischen Gründerpreis hervorgerufen. Hans Wedel, "den wir alle so sehr gemocht haben", habe sich so sehr über die Auszeichnung gefreut, erinnert sich Fiederling.

Am Ende sind es menschliche Begegnungen und viel soziales Engagement, die der Ära Fiederling ihren Stempel aufdrückten. 166 Azubis wurden in den 21 Jahren seiner Führung ausgebildet. Ihm war immer wichtig, dass die jungen Menschen nicht nur eine Bankausbildung erhalten, sondern auch etwas fürs Leben lernen. Auf Fiederlings Wunsch haben sich die Azubis in soziale Projekte, beispielsweise bei den Barmherzigen Brüdern oder in Altenheimen, eingebracht. Er habe für jeden - ganz gleich ob Mitarbeiter oder Kunde - ein offenes Ohr, beurteilen die Mitarbeiter ihren Chef. "Da gab es keine Barrieren!"

Fiederling hofft, dass es auch in seinem "Leben nach der Sparkasse" keine Barrieren gibt. "Es gibt noch so vieles, was ich sehen möchte", sagt er. Florenz zum Beispiel habe 50 Museen, und er habe erst zwei gesehen. Überhaupt - die Kunst und die Kunstgeschichte sind ein Steckenpferd des Bankdirektors. Deshalb möchte er als "Senior Student" Vorlesungen in Kunstgeschichte belegen. Die Antike - Ägypter, Griechen, Römer - und die Renaissance faszinieren ihn besonders. Völlig in Museen verschwinden wird er aber nicht: Laufen und Radfahren werden ihn fit halten. Darüber hinaus ist er vielseitig engagiert bei den Barmherzigen Brüdern, bei Pro Musica, der Lebenshilfe oder beim Roten Kreuz. Und wenn seine Frau Gisela Altenheimbewohner besucht, könnte es auch sein, dass man ihm begegnet, wenn er gerade einen Rollstuhl schiebt.